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Rakete nahe Haniyehs Haus eingeschlagen

Israel - Die israelische Luftwaffe hat am Freitag ihre Angriffe auf Ziele im Gaza-Streifen fortgesetzt. Ein Luftangriff erfolgte nahe des Wohnhauses des palästinensischen Ministerpräsidenten Ismail Haniyeh.

Die israelische Armee erklärte dazu, der Angriff am Freitag habe nicht dem Haus des Premiers von der radikal-islamischen Hamas gegolten. Israelische Regierungsvertreter haben in jüngster Zeit aber wiederholt auch den Ministerpräsidenten als mögliches Ziel der Angriffe genannt, die palästinensische Extremisten vom Beschuss israelische Gebiete abhalten sollen.

„Haniyehs Haus war definitiv nicht das Ziel“, auch nicht die Wächter des Premiers, sagte eine israelische Armeesprecherin. „Der Luftangriff galt einer Einrichtung, das im (nahe gelegenen) Flüchtlingslager Shati von der Terror-Organisation Hamas benutzt wird.“ Anrainern zufolge traf das Geschoss einen Wohnwagen, der von Hamas-Kämpfern genutzt wurde, um die Straße zu Haniyehs Haus zu sichern. Ein Mensch sei verletzt worden, sagten sie. Währenddessen feuerten militante Palästinenser mindestens acht weitere Kassam-Raketen in das israelische Grenzgebiet.

Der palästinensische Ministerpräsident begutachtete die durch den tagelangen Beschuss verursachten Schäden. Haniyeh lief noch Donnerstag Abend in Trainingshose aus seinem Haus, um sich die Schäden anzuschauen. Wachleute zogen ihn zur Seite, weil immer noch Kampfflugzeuge in der Luft waren. Der israelische Verteidigungsminister Amir Peretz hat erklärt, dass Israel keinen Unterschied mache zwischen den Kämpfern und politischen Führern der Hamas. Haniyeh blieb den öffentlichen Freitagsgebeten fern.

In Gaza beschossen Flugzeuge einen Geldwechsel-Laden, der nach israelischer Darstellung Summen an Terrororganisationen weiterleitete. Auch ein Posten der Hamas im nördlichen Gaza-Streifen wurde beschossen. Nach zwölf Tagen wurde am Freitag der Grenzübergang zwischen dem Gaza-Streifen und Ägypten wieder geöffnet. Israel hat den Kontrollposten in Rafah im vergangenen Jahr immer wieder geschlossen, um nach eigener Darstellung Waffenschmuggel zu verhindern.

Der Beschuss war Teil einer Serie von sieben Angriffen über Nacht. Damit erhöhte sich die Zahl der israelischen Luftangriffe innerhalb von 24 Stunden auf elf. Es war der heftigste Beschuss seit Beginn der Angriffsserie vor zehn Tagen. Israelische Helikopter flogen in nur 90 Minuten sieben Angriffe auf Ziele der radikal-islamischen Hamas und der Organisation Islamischer Jihad. Dabei wurden nach Angaben aus Krankenhauskreisen acht Palästinenser leicht verletzt, darunter ein achtjähriges Kind. Am Morgen wurden vier andere Palästinenser in zwei weiteren Luftangriffen im Gaza-Streifen verletzt.

Um den Druck zu erhöhen, nahm Israel überdies am Donnerstag und Freitag im besetzten Westjordanland Hamas-Mitglieder fest. Am 33 hochrangige Hamas-Mitglieder fest. Unter ihnen befindet sich ein Minister der Palästinenser-Regierung. Die israelischen Sicherheitskräfte nahmen außerdem sechs gesuchte Palästinenser in verschiedenen Städten des Westjordanlands fest. Nach Rundfunkberichten waren auch mehrere Mitglieder der Fatah-Bewegung des palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas darunter.

Bei den Luftangriffen wurden seit Anfang vergangener Woche mindestens 35 Palästinenser getötet, darunter palästinensischen Angaben zufolge 23 Kämpfer. Im selben Zeitraum haben Extremisten mehr als 150 Raketen auf Israel abgefeuert. Zuletzt wurde dabei am Montag eine Israelin getötet. Im inner-palästinensischen Machtkampf zwischen der Hamas und der gemäßigten Fatah kamen seit Anfang des Monats etwa 50 Palästinenser ums Leben.

Angesichts der jüngsten Eskalation der Gewalt bezeichnete EU-Chefdiplomat Javier Solana die von der Hamas geführte Palästinenser-Regierung als funktionsunfähig. Die gegenwärtige Situation sei untragbar, sagte er in einem Interview in Jerusalem. Umso schwieriger sei es, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Unter der deutschen EU-Ratspräsidentschaft haben die Europäer ihr Bemühen um eine Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen verstärkt. Die Palästinenser hofften auf die Fortsetzung der EU-Hilfen, nachdem die Hamas vor zwei Monaten die Fatah in die Regierung aufgenommen hatte. Die EU verlangt dafür, dass die Hamas das Existenz-Recht Israels anerkennt und auf Gewalt verzichtet.

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