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Quelle-Aus: Schwere Vorwürfe gegen Management

Nach dem endgültigen Aus des Versandhändlers Quelle werden nun schwere Vorwürfe gegen das Management erhoben: "Wenn man Traditionsunternehmen wie Karstadt oder Quelle umtauft in Arcandor und Primondo, muss man schlicht und ergreifend eine Meise haben", sagte die ehemalige deutsche Familienministerin Renate Schmidt (SPD), die selbst jahrelang Betriebsrätin bei dem Versandhändler war. Das Fürther Unternehmen, das über lange Zeiten floriert habe, sei "durch die Dummheit von Managern, aber auch das Unvermögen bestimmter Teile der Politik kaputt gegangen", sagte Schmidt in Nürnberg.

“Derjenige, der der Quelle wirklich den Todesstoß gegeben hat, war der Herr Middelhoff mit dem Verkauf jedweden Tafelsilbers.” Thomas Middelhoff war bis März Vorstandschef der Konzernmutter Arcandor. Den Sargnagel habe der deutsche Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) mit seinem Vorschlag einer “geordneten Insolvenz” geliefert, ergänzte Schmidt. Dadurch sei Quelle schlagartig von jedem Finanzstrom abgeschnitten worden. “Ich bin überzeugt davon: Es hätte gelingen können, dass die Quelle gerettet worden wäre”, sagte Schmidt. Doch die bayerische Staatsregierung habe nicht so agieren können, wie sie wollte, um ihren Parteikollegen in Berlin nicht zu brüskieren.

Als erste von mehreren tausend Quelle-Mitarbeitern sind am Freitag rund 150 Auszubildende in Fürth von der Agentur für Arbeit beraten worden. Die jungen Menschen wurden über offene Stellen und Leistungsansprüche informiert. “Die Veranstaltung soll einer ersten Beratung dienen”, erklärte der Teamleiter der Berufsberatung der Arbeitsagentur, Peter Haas. Es gehe aber auch darum, vorsorglich Anträge zum Arbeitslosengeld auszufüllen. Insgesamt 100 Stellen könnten den Jugendlichen derzeit angeboten werden.

Der Quelle-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg will einem Bericht der “Bild”-Zeitung zufolge möglicherweise auf seine Bezahlung für das Quelle-Verfahren verzichten. Görg beabsichtige, mit seinen Vergütungsansprüchen auf einen hinteren Gläubigerrang zurückzutreten, berichtete die Zeitung am Freitag. Der Insolvenzverwalter gab dazu keine Stellungnahme ab. “Wir haben uns bisher nicht zur Vergütungsdiskussion geäußert und werden dies auch jetzt nicht tun”, sagte Görgs Sprecher Thomas Schulz am Freitag.

Laut Schulz wird die Zahl der Interessenten für die “Filetstücke” der Arcandor-Versandgruppe Primondo ständig größer. Dazu zählen das Quelle-Auslandsgeschäft, die Call Center, der Technische Kundendienst Profectis und der Homeshopping-TV-Sender HSE24. Es gehe nun darum, die ernsthaften Interessenten herauszufiltern und “Mini-Verkaufsprozesse” zu beginnen.

Wie der Ausverkauf beim insolventen Versandhaus organisiert werden kann, stehe frühestens Anfang nächster Woche fest, sagte Schulz. In den kommenden Wochen sollen rund 18 Millionen Artikel verkauft werden, um die Lager zu räumen. Auf der Internet-Seite des insolventen Versandhauses Quelle hat der Ausverkauf begonnen. Mit teils sagenhaften Preisnachlässen sollen die Artikel verscherbelt werden. Mit den Erlösen aus dem Ausverkauf hofft der Insolvenzverwalter die Mitarbeiter bezahlen zu können, die für die Abwicklung des Unternehmens noch einige Wochen lang gebraucht werden.

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