Qassem Soleimani - Irans Drahtzieher für Sondermissionen

Rechts im Bild: Der "König" und Chefkommandant der al-Quds-Brigarden.
Rechts im Bild: Der "König" und Chefkommandant der al-Quds-Brigarden. ©AP
Ganz gleich, ob im Iran-Irak-Krieg 1980 bis 1988, im Libanon-Konflikt 1985 bis 2000, im syrischen Bürgerkrieg oder in der aktuellen Irak-Krise: Qassem Soleimani, der Chefkommandant der iranischen Elitetruppen war immer der iranische Joker für Spezialauslandseinsätze. Seine Rolle ist im Ausland nicht unumstritten. Nicht umsonst befindet sich sein Name auf zahlreichen Terroristenlisten.

Der 1957 geborene Soleimani hat in seinem Amt immer zwei Prioritäten verfolgt: Erstens soll der Iran nie wieder von außen angegriffen werden und zweitens solle die Eliteeinheit der Revolutionsgarden die “Königsklasse aller Truppen im Nahen und Mittleren Osten” repräsentieren. Dafür war ihm jeder Preis Recht. Sogar die brutale Niederschlagung wehrloser Gegner. Untereinheiten seiner Sondertruppen sollen die iranische Bevölkerung bei den Protesten gegen die umstrittene Wiederwahl von Mahmoud Ahmadinejad 2009 brutal niedergeknüppelt haben. Damals wie heute wurden die zwielichtigen Methoden der Brigaden im Kampf heftig kritisiert.

Von Syrien bis Irak: Soleimani ist Chef-Stratege

Seine al-Quds-Garden, die über ein ausgezeichnetes Know-how und erfahrene Kämpfer verfügen, trugen in den letzten 30 Jahren dazu bei, dass der Iran beim Kampf um die regionale Vorherrschaft mit dem Erzrivalen Saudi-Arabien deutlich an Boden dazugewinnen konnte.

Wäre seine Hilfe in Syrien nicht gewesen, wäre der syrische Machthaber Bashar al-Assad wahrscheinlich schon längst gefallen. Auch im Nordirak ist er derzeit die wichtigste Stütze der Regierung. Vom Militärflughafen Bagdad soll er die Koordination seiner Operationen durchführen.

Interessen des Iran im Vordergrund

Man weiß heute, dass Soleimani 2011 und 2012 mehrere zehntausend schiitische Milizionäre aus dem Iran, dem Irak, dem Libanon und aus anderen Ländern nach Syrien einfliegen ließ. Sie sollten Assad unterstützen und die syrische Revolution bekämpfen. Darüber hinaus unterstützte er nicht nur die schiitische Hisbollah im Libanon und schiitische Milizen im Irak, sondern auch die sunnitische palästinensische Hamas im Gazastreifen. Entscheidend sind für ihn bei all seinen Projekten nicht die Religion oder die konfessionelle Zugehörigkeit, sondern nur die Interessen des Iran.

Rasanter Aufstieg – und schwere Vorwürfe

Wie stieg dieser Mann auf? Zwar verfügte Soleimani weder über militärisches Training noch über Kampferfahrung. Doch war er laut Geheimdienstangaben so talentiert, dass er nach seiner Grundausbildung schon bald selbst zum Ausbilder befördert und auf Missionen im Inland geschickt wurde. Die rücksichtslose Niederschlagung der Kurdenrebellion von Mahabad (Nordwestiran) in den Jahren 1979/1980 ebnete ihm den Weg nach oben. Nach seiner Rückkehr übernahm er das Kommando der Quds-Einheit in Kerman.

Nach dem Ende des Irak-Iran-Krieges wurde Soleimani in den Ostiran beordert, um afghanisch-iranische Drogenkartelle zu bekämpfen. 1998 wurde er zum Kommandanten der Quds-Einheit. Die heute rund 15.000 Mann starke Sondereinheit der Revolutionsgarde ist nur für “spezielle Auslandsoperationen” zuständig.

“der König der al-Quds-Bridaden”

Als er die al-Quds-Truppen 1998 übernahm, leitete er eine Strukturierung und Neuausrichtung des Corps ein. Das Ergebnis ist beachtlich: Die Al-Quds-Brigaden sind zu einer der besten Truppeneinheiten des gesamten Nahen und Mittleren Ostens avanciert. Viele Experten sind gar der Ansicht, dass nicht mehr Bashar al-Assad in Damaskus oder die irakische Regierung in Bagdad und ihre jeweiligen Machtzirkel selbst entscheiden, sondern dass “der König der al-Quds-Brigaden” – wie Soleimani von seinen Fans genannt wird – die Fäden im Hintergrund zieht.

Selbst USA zollen ihm Respekt

Unter seinen Feinden ist er verhasst. Dennoch zollt ihm selbst der Erzfeind, die USA, unter vorgehaltener Hand Respekt. Offiziell gilt er als Terrorist, allerdings als einer, mit dem man sich besser nicht direkt anlegt. John Maguire, ein führender CIA-Mitarbeiter, soll ihn als “derzeit mächtigsten Agenten im gesamten Nahen Osten” bezeichnet haben.

Bezeichnend in diesem Zusammenhang ist auch eine Depesche Soleimanis aus dem Jahr 2008 an den US-Chefkommandanten im Irak: “Sehr geehrter Herr Petraeus, Sie sollen wissen, dass ich die Außenpolitik des Iran in Bezug auf Gaza, den Libanon, den Irak und Afghanistan kontrolliere.” Monate später half er mit seinen Leuten, US-Einheiten niederzumetzeln.

Sehr enge und freundschaftliche Kontakte unterhält der gefürchtete Milizexperte zum Obersten Geistlichen Führer, Ayatollah Ali Khamenei, der in allen Belangen des Iran das letzte Wort hat. Khamenei hat ihn einmal als eine seiner “wichtigsten Stützen” und einen “lebenden Märtyrer der Islamischen Revolution” bezeichnet. Für sein Land zu töten, sei “ehrenhaft”, soll er einem Vertrauten im Irak gesagt haben.

(APA)

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