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Putin will im Kaschmir-Konflikt vermitteln

Der Test einer atomwaffenfähigen pakistanischen Mittelstreckenrakete hat weltweit Besorgnis über eine weiteres Eskalation des Kaschmir-Konflikts ausgelöst.

Der russische Präsident Wladimir Putin rief die beiden Atommächte auf, den Streit um die Himalaja-Region auf dem Verhandlungsweg zu lösen. Er sagte, er wolle beide Regierungschefs zu Gesprächen am Rande eines Asiengipfels Anfang Juni in Kasachstan einladen, um eine Eskalation zu verhindern. Aussenminister Igor Iwanow erklärte, er habe bereits vorläufige Zusagen von Indien und Pakistan erhalten.

Pakistan heisse die Initiative willkommen, erklärte ein Regierungssprecher. Präsident Pervez Musharraf hatte zuvor den Test der Ghauri-Rakete in Islamabad bekannt gegeben. Die Rakete sei 1.500 Kilometer weit geflogen und habe genau ihr Ziel getroffen. „Wir wollen keinen Krieg, aber wir sind zum Krieg bereit“, sagte Musharraf. Indien reagierte bereits am Freitag gelassen auf den von Pakistan angekündigten Test: „Die indische Regierung ist nicht sonderlich von diesen Raketen-Possen beeindruckt“, sagte Aussenamtssprecherin Nirupama Rao. Der Test diene innenpolitischen Zwecken und habe nichts mit der „gegenwärtigen Lage“ in Kaschmir zu tun.

Pakistan und Indien führten 1998 erfolgreich Atomwaffentests durch und gelten seitdem offiziell als Atommächte. Die am Samstag erprobte Rakete vom Typ Ghauri kann atomare und konventionelle Sprengköpfe tragen und Ziele bis weit in Indien erreichen. Bundesaussenminister Joschka Fischer zeigte sich in einem Zeitungsinterview besorgt über eine „drohende Nuklearisierung des Konflikts“. Wichtig sei, dass der „grenzüberschreitende Terrorismus in Kaschmir unterbunden wird, und das wird vor allen Dingen von der pakistanischen Seite zu leisten sein“, sagte Fischer der „Welt am Sonntag“.

US-Präsident Georg W. Bush, der sich am Samstag von Putin St. Petersburg zeigen liess, forderte Indien und Pakistan erneut auf, eine Ausweitung ihrer Kämpfe zu vermeiden. Musharraf rief er direkt auf, gegen Terrorismus vorzugehen. Der chinesische Aussenminister Tang Jiaxuan appellierte in einem Telefonat mit seinem indischen Kollegen Jaswant Singh an beide Atommächte, in ihrer Konfrontation wegen des Himalaja-Gebiets Kaschmir „höchste Zurückhaltung“ zu üben.

Die pakistanischen Streitkräfte teilten mit, der Test der Ghauri-Rakete sei erfolgreich verlaufen und habe die Entschlossenheit des Landes demonstriert, sich zu verteidigen. Der Test vom Samstag war der erste grössere seit 1999. Indien hatte im Januar, ebenfalls inmitten von Spannungen wegen des Kaschmir-Problems, Raketentests durchgeführt.

Vajpayee zeigt sich zunehmend ungeduldig

Indien und Pakistan stehen sich in Kaschmir, das in einen indischen und pakistanischen Teil geteilt ist, mit insgesamt einer Million Soldaten gegenüber. Seit einem Angriff auf ein indisches Militärlager in der vergangenen Woche, bei dem 34 Menschen – überwiegend Frauen von Soldaten und Kinder – getötet wurden, sind die Spannungen zwischen beiden Ländern auf dem Siedepunkt. Indien machte von Pakistan aus operierende muslimische Extremisten für den Überfall verantwortlich. In Artillerieduellen wurden seitdem Dutzende von Menschen auf beiden Seiten der Grenze getötet. Der indische Ministerpräsident Atal Bihari Vajpayee bekräftigte am Samstag, er sei mit seiner Geduld fast am Ende, auf die Erfüllung pakistanischer Zusagen für ein Vorgehen gegen militante Muslime in Kaschmir zu warten.

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