Putin kämpfte um Erfolg des Gipfels

Der G-8-Gipfel in St. Petersburg sollte für Putin der Höhepunkt seiner Amtszeit sein. Russland wollte sich als Großmacht präsentieren, die in wichtigen Angelegenheiten der Welt führen kann.

Doch in den ersten zwei Tagen des Treffens auf heimischem Grund musste der Kremlchef hart für einen Erfolg kämpfen. Die Kriegsgefahr im Nahen Osten überschattete das Treffen und zeigte tiefe Spaltungen in der Gruppe der sieben führenden Industrienationen und Russlands. Die „Verschärfung der Lage“ belaste den Gipfel, sagte Putin mit Bedauern.

Auch die missglückten Gespräche mit US-Präsident George W. Bush vom Samstag, die geplatzte Einigung über den russischen WTO-Beitritt drückten auf die Atmosphäre. Noch beim Empfang zum abendlichen Diner im traumhaften Barockschloss Peterhof war zu spüren, dass zwischen Putin und Bush „eine Katze durchgelaufen“ war, wie man auf Russisch sagt. Putin wich Bushs Schulterklopfen aus.

Angesichts der Missstimmung ging der russische Präsident noch um Mitternacht in die Offensive, um die Aufmerksamkeit wieder auf seinen Gipfel zu richten. Er trat vor die versammelte Presse. Sensationen habe er nicht zu verkünden, aber er wolle den anderen G-8-Führern danken, dass sie Russland für dieses Jahr erstmals den Vorsitz anvertraut hätten, sagte Putin. Und er begrüßte alle Welt in seiner Heimat St. Petersburg, „einer der schönsten Städte Europas“.

Die russische Regie wollte sich durch die brennenden Krisen nicht ihre Agenda kaputtmachen lassen. „Das Thema Energie kann nicht in die zweite Reihe rücken, weil es so heikel ist“, meinte Industrieminister Viktor Christenko. Doch bei der ersten Arbeitssitzung am Sonntag war es, als habe es den Gasstreit mit der Ukraine, die Moskauer Drohungen mit neuen Kunden, die Beschwerden über europäische Hürden gegen Russlands Gasriesen Gazprom nie gegeben.

Das zuvor so umstrittene Thema Energiesicherheit lief glatt durch, allerdings um den Preis, dass die Gipfelerklärung unverbindlich gehalten wurde. Gelöst sind die Fragen der zukünftigen Architektur der weltweiten Energieversorgung nicht. Auch Putins Vorschläge zu Gesundheit und Bildung wurden angenommen.

Zur Auflockerung präsentierte Putin seinen Gästen dann ein Gespräch mit aufgeweckten Teenagern der „Jugend-G-8“. Die Jugendlichen trugen ihre Sicht auf die Gipfelthemen vor – und, oh Wunder, viele der Vorschläge deckten sich mit denen der Staatslenker, wie Putin zufrieden feststellen konnte.

Zugleich liefen hinter den Kulissen harte Verhandlungen über eine gemeinsame Erklärung zur Gewalt im Nahen Osten. Die Hürde lag hoch. Die Erklärung dürfe nicht banal sein, sagte Russlands Außenminister Sergej Lawrow. „Sie muss auf die Konfliktparteien einwirken und für eine Beruhigung sorgen.“

Der Streit aber blieb. Bush und der britische Premier Tony Blair forderten gemeinsam eine Verurteilung der Terroristen von Hamas und Hisbollah. Putin ging dagegen in der nächtlichen Pressekonferenz so weit wie nie in seiner Kritik an israel. „Wir haben den Eindruck, dass Israel über die Befreiung der Soldaten hinaus noch weitere Ziele verfolgt“, sagte Putin.

Erst das Mittagessen brachte wieder Anzeichen einer Annäherung zwischen Bush und Putin. Sie saßen am runden Tisch nebeneinander, berieten sich flüsternd. Doch die so dringend benötigte Einigung zeichnete sich bis zum Nachmittag nicht ab.

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