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Promis, Protz und Patina

©STR
Portofino, das wohl berühmteste „Fischerdorf“, ist teuer - aber man kommt aus dem Seufzen nicht heraus.
Bilder

Reise. Der schlaksige Ober serviert Campari und Eiskaffee. Er fragt, woher wir denn kämen. Aha, aus Germania! Bellissima! Und er beglückwünscht uns zu der Idee, gerade noch rechtzeitig vor Beginn der Hochsaison gekommen zu sein. Für einen netten Plausch mit seinen Gästen wird der leutselige Kellner bald keine Zeit mehr haben. Denn im Sommer fallen die Touristen wie die Heuschrecken in Portofino ein. Die gewundene Küstenstraße von Santa Margherita Ligure nach Portofino wird heillos verstopft sein. Tausende von Fremden werden im Pulk am Hafen entlang geschoben.

Blick auf die Traumyachten

Die Kleinen werden den Vortritt in die vorderste Reihe einfordern, um einen Blick auf die Yachten zu werfen, die im kleinen Hafenrund noch überdimensionierter wirken, als sie eh schon sind. Doch jetzt ist es noch nicht soweit. Noch gehört der entzückende „Fischerort“ an der italienischen Riviera einer Handvoll Besuchern, die ungestört die pittoresken Postkartenmotive bestaunen und ablichten können. Sie genießen die würzige Meeresbrise, lauschen den Wellen, die an die Boote klatschen. Portofino hat es geschafft, die Fassade eines ligurischen Fischernestes zu bewahren. Doch es ist nur Fassade. Von vorne bis hinten.

Jetset statt Fischerdorf

In Wirklichkeit ist Portofino, der wahrscheinlich meist fotografierte Fleck Italiens, vom Jetset längst in Besitz genommen. Die Fischer werfen keine Netze mehr aus, sondern angeln sich als Inhaber sündteurer Boutiquen und Restaurants fettere Beute. Und die Patina an den blutrot- bis ockerfarbenen Hauswänden wird sorgsam gepflegt. Aus einem beschaulichen Fischerdorf wurde ein Flanier-Trottoir – das mit dem Fischen hat sich spätestens erledigt, als in den Fünfzigerjahren der Hollywood-Schauspieler Rex Harrisson („Dr. Doolittle“, „My Fair Lady“) mit seiner damaligen Frau Lilly Palmer in Portofino eine Wohnung kaufte und eine prominente Truppe nachzog. Alle kamen sie: Liz Taylor und Richard Burton, Rita Hayworth und der Aga Khan, Ava Gardner, Frank Sinatra, Humphrey Bogart und Laureen Bacall. Sogar die scheue Greta Garbo ging hier vor Anker. Portofino wurde zum Flanier-Trottoir der Superstars.

Tagesausflüge für Urlauber

Da können Urlauber, die aus der Toskana, von den Badeorten der italienischen Riviera oder von der Côte d‘Azur meist auf einen Tagesausflug herüberkommen, nur Zaungäste sein. Portofino ist was zum Anschauen. Man erreicht es von Rapallo und Santa Margherita aus auf einer schmalen Küstenstraße, die auf eine Halbinsel hinausführt und an deren Ende Portofino liegt. Jetzt in der Vorsaison hat man sogar noch eine Chance auf einen der 175 Autoparkplätze im kommunalen Parkhaus, mit fünf Euro Parkgebühr pro Stunde wohl das teuerste Italiens.

Zu bestaunen gibt es in Portofino eben nicht nur gepflegte Romantik: Normalverdiener können sich beim Betrachten der örtlichen Preise ganz kostenlos eine Portion Gänsehaut genehmigen. Nicht nur Eigentum ist utopisch teuer, sondern auch ein Ferienaufenthalt. Unter 1000 Euro pro Nacht für das Doppelzimmer geht etwa im Hotel „Splendido“ gar nichts, nicht einmal in der Nebensaison. Entsprechend atem- beraubend sind die Preise in Restaurants wie dem „Il Pitosforo“ oder „Concordia“.

Für die Besitzer der Luxusyachten, die am begehrtesten Ankerplatz Italiens anlegen, ist das alles natürlich kein Thema. Nur kein Sozialneid, wenn sich die feinen Leute vom Butler an Deck die Drinks servieren lassen oder die Mannschaft in adretter, mit Schiffswappen gezierter weißer Uniform zum Einkaufen ausrückt.

Kirche und Castello

Zum Besuch Portofinos gehört auch ein Spaziergang hinauf auf den Bergrücken mit der Kirche San Giorgio und dem Castello di San Giorgio. Dieses ehemalige Quarantäne-Lazarett hat der deutsche Sekt-Baron Alfons von Mumm Ende des 19. Jahrhunderts erworben und zu einer Gartenvilla umgestalten lassen.
In der Vorsaison ist Portofino ganz sicher ein Exklusiv-Erlebnis, auch ohne repräsentative Yacht. Und wer die Vorsaison verpasst hat – es gibt immer noch die Nachsaison.   

Der „Hafen der Delfine“ zieht die Yachten an

Lage. Der Name Portofino stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Hafen der Delfine“. Heute sind es nicht die Delfine, sondern in erster Linie wohlhabende Urlauber mit ihren Yachten, die den kleinen Naturhafen des Örtchens bevölkern und mit ihren Schiffen vor Anker liegen. Die malerische Lage des ehemaligen Fischerdorfs zieht aber auch viele Tagesausflügler an.

600 Einwohner zählt das ehemalige Fischerdorf Portofino nur – nach 1945 entwickelte sich der Ort zum beliebten Jetset-Treff. Die schön erhaltenen Fischerhäuser um den von Luxusyachten dicht belegten Hafen beherbergen heute luxuriöse Geschäfte und sündhaft teure Restaurants. An den Berghängen befinden sich die Villen des Geldadels.

Der berühmte Blick aufs Ligurische Meer ist Pflicht

Blick. Die Bastion Fortezza über Portofino hatte 1870 der britische Konsul Montague Yeats Brown erworben und zu seinem Wohnsitz erkoren. Der Blick von dort oben auf das Meer und den Hafen – auch wenn man ihn schon tausendmal auf Bildern gesehen hat – ist einfach umwerfend. Man kann auch noch weiter bis zum Leuchtturm an der Landspitze Punta di Portofino weiterlaufen. Ein Naturerlebnis, das zur Hochsaison allerdings nur in der Stop-and-go-Kolonne „genossen“ werden kann.

Reliquien in der Chiesa San Giorgio

Kirche. Die romanische Chiesa di San Giorgio aus dem 12. Jahrhundert wurde nach ihrer Zerstörung im 2. Weltkrieg 1950 rekonstruiert. In der Kirche werden die Reliquien von Sankt Georg aufbewahrt.

Luxus und Klasse im Splendido

Hotel. Das Splendido ist das erste Haus am Platz. Das ehemalige Benediktinerkloster wurde 1901 zum Hotel umgebaut und zählt zu den feinsten Adressen an der italienischen Riviera.

Eine Tour nach San Fruttuoso

Tour. Portofino ist der beste Ausgangspunkt (per Boot oder zu Fuß) zum Dorf San Fruttuoso mit seiner Benediktinerabtei. Attraktion ist auch eine Christusstatue, die im Meer versenkt wurde.

REISEINFOS

Anreise: Da Portofino nur über wenig Parkmöglichkeiten verfügt und die Zufahrt von der Polizei limitiert wird, ist die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel ratsam. Von Rapallo und Santa Magherita besteht eine Busverbindung in 15-minütigen Intervallen. Von Rapallo legt ein Schiff stündlich ab, weitere Seeverbindungen bestehen von Camogli und San Fruttuoso aus.

Beste Reisezeit: Von Mai bis Ende September.

Unterkunft: Im Ort gibt es nur vier – relativ teure – Hotels.

Tipps: Die Geschäfte an der Promenade sind schön anzusehen, beherbergen aber nur Marken von Weltformat und sind nicht für die normale Bevölkerung gedacht. Von Guccu bis Bulgari ist hier alles vertreten.

Weitere Infos: im Internet unter http://www.portofinoworld.com/, www.urlaub-ligurien.de

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