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Prölls "Superpraktikant"- Suche geprägt von Spaßbewerbern und Kritik

Die Suche von Vizekanzler ÖVP-Chef Josef Pröll nach einem "Superpraktikanten" sorgt schon nach einer Woche für Kritik und Spott: Die Sozialistische Jugend (SJÖ) stößt sich daran, dass der Gewinner für das einwöchige Praktikum nicht bezahlt wird und startet nun eine Gegeninitiative für gesetzliche Regelungen für Pflichtpraktika. Protestierende Studenten ließen sich von der schwarzen Talentsuche ebenfalls inspirieren und suchen nun per Casting den "Superwissenschaftsminister". Nicht ganz ernst nehmen dürften die Aktion auch einige Bewerber - unter den Top Drei befindet sich sogar ein Clown. Kritik an der VP-Kampagne wird wegen fehlender geschlechtsneutraler Formulierungen laut.

Eine “ganze Generation von Jugendlichen” habe mit unsicheren Beschäftigungsverhältnissen und unbezahlten Praktika zu kämpfen, meinte SJÖ-Vorsitzender Wolfgang Moitzi am Mittwoch in einer Aussendung. Der ÖVP falle “nichts besseres ein, als genau diesen Missstand für eine Jugendkampagne zu nutzen – diese Form des Aktionismus ist letztklassig”. Die SJÖ will der ÖVP deshalb Gesellschaft leisten und deren Castingtour unter dem Motto “Superpraktikum für alle! Faire Bezahlung statt mieser Politshow” begleiten.

Pröll hat aber auch noch anderen Lust auf eine Castingshow gemacht: Protestierende Studenten der Wirtschaftsuniversität Wien machen sich ab Donnerstag mit einem Bus auf die Suche nach “dem/der SuperwissenschaftsministerIn”. Der Gewinner wird zwar nicht fürstlich entlohnt, soll aber auch nicht leer ausgehen: Eine Woche Übernachtung im Audimax inklusive Halbpension wartet auf den Sieger.

Nicht ganz ernst nehmen dürften die ÖVP-Kampagne auch einige der Bewerber auf www.superpraktikant.at: Weit vor der Konkurrenz auf Platz Eins rangiert derzeit “Falter”-Journalistin Barbara Toth mit über 1.950 Stimmen. Sie wollte laut Bewerbungstext “immer schon wissen”, “wie Politik wirklich funktioniert”. Rang Zwei und Drei belegen zwei Männer, die den Grünen zugeordnet werden können. Einer davon würde gerne den “Hofnarr” an der Seite von “King Pröll” geben – er spielt übrigens auch im wirklichen Leben beruflich den Clown.

Der Wiener Walter Krivanek stößt sich unterdessen daran, dass die Internetseite www.superpraktikant.at “einseitig” sei und einer “gleichberechtigten Politik” nicht entspreche, wie er gegenüber der APA erklärte. Auf der eigens eingerichteten Website www.superpraktikantin.at weist Krivanek – nach eigenen Angaben aus privater und keinesfalls parteipolitisch motivierter Initiative – deshalb auf das gesetzliche Gebot der geschlechtsneutralen Stellenausschreibung hin.

In der ÖVP-Zentrale ist man trotz allem zufrieden: Mit rund 200 Bewerbern und etwa 1.000 Fans auf Facebook nach einer Woche seien die Erwartungen weit übertroffen worden, hieß es gegenüber der APA. “Das zeigt: Wir erreichen die Jungen und die Aktion kommt super an.” Auch Gegenaktionen wie jene der SJÖ trüben die Begeisterung nicht: “Wir sind erfreut, wer aller zur Bewerbung der Kampagne beiträgt.” Aufmerksamkeit hat die Kampagne jedenfalls schon erregt.

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