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Prisma wächst außerhalb der Landesgrenzen

Prisma-Vorstand Bernhard Ölz.
Prisma-Vorstand Bernhard Ölz. ©VN/Stiplovsek
Prisma-Vorstand Bernhard Ölz äußerte sich im Interview mit der "Neue am Sonntag" zum Seestadt-Stand und zu Exoten in der Standortentwicklung.

Von Heidrun Joachim

Seit über einem Jahr taucht die Seestadt oder Bregenz Mitte nicht mehr oft in Diskussionen auf. Sind die Visionen erloschen?

Bernhard Ölz: Die Vertreter der Prisma und deren Partner sprechen nach wie vor von der Seestadt. Inwiefern Bregenz Mitte der richtige Name oder ein guter Begriff ist – das obliegt nicht unserer Bewertung, ist eine Frage der Stadtplanung. Ruhig ist es um die Seestadt geworden, weil wir ruhig sind. Wir warten auf den Baubescheid, der in Kürze erteilt werden sollte. Der gewerberechtliche Bescheid liegt bereits seit November 2017 vor.

Soll nun doch gebaut werden?

Ölz:
Ich habe nie gesagt, dass nicht gebaut oder das Projekt aufgegeben wird. Nur, unter den gegebenen Voraussetzungen und in der derzeitigen Form ist es nicht umsetzbar. Und, ehrlich gesagt, ist es derzeit auch nicht mein Wunsch, das Areal be­bauen zu lassen.

Und wieso braucht es jetzt den Baubescheid?

Ölz: Den Baubescheid benötigen wir, weil dieser viele behördliche Themen beinhaltet, die in jedem neuen Vorhaben wieder anfallen würden. Beispielsweise die Seewassernutzung, nachbarschaftsrechtliche Festlegungen und vieles mehr. Haben wir den Bescheid, geht bei einem Neustart keine Zeit verloren, um die verschiedenen Genehmigungen einzuholen. Zudem sind über fünf Millionen Euro an Externkosten angefallen, die sich so zumindest teilweise amortisieren.

Und wenn der Bescheid da ist?

Ölz: Wenn der Bescheid da ist, sind wir gerne bereit, über neue Perspektiven und Lösungen für die Seestadt nachzudenken. Der Baubescheid gilt für zwei Jahre, mit Verlängerungsmöglichkeit. Zeit für neue Ideen: Nach unserer Vorstellung geht es dann noch mehr um eine durchmischte Stadt mit vielfältiger Nutzung, Vernetzung, Bezug zum See, Plätzen und Durchgängen.

Sie sagten, der Grund für den Stopp sei die Parkraumthematik gewesen. Wird da schon über eine Lösung nachgedacht?

Ölz: Gescheitert sind wir am Untergrund für die Tiefgarage. Das Projekt wäre zu teuer geworden. Die Parkthematik ist im Seestadtareal so nicht lösbar. Es braucht Ideen, die über unser Grundstück hinausgehen. Es gab etwa Gedanken, ein Parkhaus unter der Straße in die Stadt hineinzuführen. Zu bedenken ist natürlich auch, dass in 20 Jahren der Verkehr ein ganz anderer sein wird. Es wird selbstfahrende und –parkende Autos geben, öffentliche Verkehrsmittel werden eine bessere Auslastung erfahren. Da ist es vielleicht besser, eine nicht so große Garage zu bauen. Oder eine Übergangslösung zu schaffen. Vielleicht eine gemeinsame Hochgarage für die Stadt, die gegebenenfalls umgenutzt werden kann. Es gibt Visionen. Gewartet wird mit dem Weiterdenken, bis der Baubescheid in unseren Händen ist.

Steht die Option, die Flächen an die Stadt zurück zu veräußern?

Ölz: Es ist nie jemand an uns mit dem Anliegen, die Fläche zurückzukaufen, herangetreten. Darum mussten wir nie darüber nachdenken. Wenn die öffentliche Hand allerdings mit ­Interessen käme, die übergeordnet und für den Standort Bregenz nachvollziehbar zielführender sind, wären wir – ich spreche für Prisma – bereit, Gespräche zu führen. Die Diskussion stellt sich aber momentan nicht. Ganz sicher wird derzeit nicht über den Verkauf des derzeitigen Projektes oder der Fläche an irgendjemanden nachgedacht. Es bleibt daher alles in Vorarlberger Hand.

Einige Vorbereitungs-Millionen wurden bei der Seestadt versenkt. Wie haben das die Geldgeber aufgenommen?

Ölz: Das ist natürlich sehr schmerzlich. Gesellschafter der Seestadt sind die CIAG – Competence Investment AG (größter Aktionär Prisma, Anm.), die JDL der Familie Drexel und die SES. Und die Hoffnung ist da, dass doch ein Teil der Planungsleistungen, Gutachten, ersten Vorbereitungsarbeiten noch nutzbar bleiben wird. Einiges ist in behördliche Genehmigungen geflossen, die weiter Bestand haben. Im Übrigen ist es das Risiko jedes Projektentwicklers, dass auch einmal ein Rückschlag verkraftet werden muss.

Und wie geht es der Prisma finanziell?

Ölz: Der Prisma-Unternehmensgruppe selbst geht es sehr gut: Über alle Standorte ist eine Auslastung von über 95 Prozent zu verzeichnen, zahlreiche Projekte im In- und Ausland sind in Entwicklung und Umsetzung, die Zinsen sind auf historisch niedrigem Niveau. Hauptinvestor in der CIAG ist die Prisma. Für die Investitionen an den großen Standorten werden auch Partnerschaften eingegangen, wie etwa mit Stadt und Hypo-Bank beim Campus V in Dornbirn oder eben mit der JDL/Familie Drexel in Bregenz.

Die „See.Statt“ in Friedrichshafen steht. Waren die politisch Verantwortlichen dort kooperationswilliger und die Einwohner/Architekten weitsichtiger als die Vorarlberger?

Ölz: Die politisch Verantwortlichen in Bregenz, allen voran der Bürgermeister und die Stadtplaner, waren auch in Bregenz bei der Entwicklung sehr kooperativ. Diskussionen in einzelnen Fraktionen sind erst in der Finalisierung entstanden. In Friedrichshafen hat es ausschließlich unterstützende Diskussionen in den Fraktionen und keine Querschüsse gegeben. Die Entwicklung war ein ähnliches Verfahren wie in Bregenz – über Masterplanverfahren, Architektenwettbewerb, Bürgerbeteiligung usw. Das Projekt war ähnlich komplex, schwieriger Untergrund inklusive des Verdachts auf mögliche Bombenfunde aus Kriegszeiten. Die Konstruktivität aller Beteiligten hat da schon beeindruckt. Die Gebäude und Außenraumgestaltung der Architekten Dietrich-Untertrifaller/Aicher, die Vernetzung mit der Stadt und zum See sind gut angekommen und haben auch in der Umsetzung überzeugt. Von den dort heimischen Architekten wird die Aufwertung des Bereiches am See begrüßt.

Prisma-Aktivitäten scheinen in Vorarlberg weniger zu werden. Gilt der Prophet im eigenen Land nichts mehr?

Ölz: Im Verhältnis sind es tatsächlich weniger Investitionen geworden. Im Land gibt es aber auch die größeren Flächen, die wir zur Quartiersgestaltung benötigen, nur noch vereinzelt. Generell wollen wir vor allem außerhalb Vorarlbergs wachsen, in Süddeutschland etwa. Im Speckgürtel um Stuttgart. In Ulm und Singen sind bereits weitere große Quartiere in der Pipeline. Es macht Spaß, dort zu arbeiten. Kreative Ideen kombiniert mit Vorarlberger Architektur sind äußerst willkommen. Auch in Tirol und Salzburg stehen weitere große Vorhaben an, die alle bereits heuer und in den nächsten Jahren in die Umsetzung gehen sollen.

Die Prisma versteht sich selbst als Quartierplaner und -umsetzer. Wie fügen sich die geplanten vier großzügigen Luxusvillen am Pfänderhang da ein?

Ölz: Solche Bauten sind nicht Kernaufgabe, sondern eine Ausnahme. Ein Exot sozusagen. Es entstehen vier Villen mit je drei bis vier Wohnungen, die verkauft werden. Es gibt viele Anfragen dafür. Eigentümer ist Sven Kolb, der in einer unserer Gesellschaften investiert hat. Er hatte diesen Wunsch, und wir haben gefragt: Machen wir dieses Bauträgerprojekt, das eigentlich nicht im Fokus, sondern Randbereich der Geschäftstätigkeit ist? Aufgrund der besonderen Lage wurde dafür entschieden, es wird aber eine Ausnahme bleiben. Mit Dietmar Eberle ist ein Architekt gefunden, der als Lösung für den sensiblen Hangbereich Punkthäuser und nicht die klassische Hangverbauung favorisiert. Am Bauprojekt in Kooperation mit Sven Kolb gibt es keine Kritik. Lediglich an dem Forstweg, der allerdings nicht für die Villen gebaut worden ist. Der Baubescheid für das Projekt wird heuer erwartet.

Die vollständigen Ausgaben der “Neue” und der “Neue am Sonntag” lesen Sie hier.

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