Page 1Page 1 CopyGroupGroupPage 1Combined ShapePage 1Combined ShapePage 1Triangle Page 1 VNVorarlberger Nachrichten Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1 Rectangle 9 Combined ShapeCombined ShapePage 1Page 1Page 1Page 1Page 1AAAAPage 1 Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1

Preis der Pracht

"Sorgfalt beim Alten und Großzügigkeit beim Neuen." (Josef Fink, Architekt)
"Sorgfalt beim Alten und Großzügigkeit beim Neuen." (Josef Fink, Architekt) ©Ulli Kunkel
Langenegg - Merkwürdig: Wie Größe und Pracht des Beginnens im Lauf der Zeit große Kopfschmerzen bereiten – und zum Schluss geht es doch gut aus.
Bilder: Mehrfamilienhaus

Es sind kaum 250 Jahre her, dass – wie es in zeitgenössischem Bericht (1792) heißt – „in der Herrschaft Bregenz infolge der Vereinödung, das heißt der Anlage von Einzelhöfen, der Feldbau stark erweitert wurde.“ Absolutistische Aufklärung versprach sich von einer rationalistischen Strukturreform höhere Erträge; Zusammenlegung von zersplitterten Flurstücken mit zentraler Hofstelle, Zunahme der Grünlandwirtschaft mit Stallhaltung, Heu- und Güllewirtschaft erforderten neue, größere Bauernhäuser.

Ein solches ist das um 1780 erbaute Haus in Langenegg, mit Gasträumen war es rund 200 Jahre der „Gasthof Adler.“ Es sind stattliche Bauten, mitunter von doppelter Grundfläche wie bis dahin, steiles Dach, mit kräftigem Sockel samt Treppenanlage zur Haustüre in der Mitte des Giebels – statt wie bisher seitlich – und anschließend Mittelflur mit beidseitig einer Folge von Stuben. Da herrschte eine andere „Hauswirtschaft“ als die einstige der Bauernfamilie – ein Betrieb mit Personal und Gesinde erwirtschaftet Erträge, vorgezeigt in der Pracht dieser Bauten.

Freilich: Der Betrieb eines solchen Herrenbauern entlockt einem heutigen Agrarier bestenfalls ein müdes Lächeln. Maschinen haben die Menschen ersetzt, die Flächen sich vervielfacht; die Bauten passen nicht mehr, fallen leer und verkommen.

Nun gehört es zum bäuerlichen Bauwesen, dass es sich wirtschaftlichen Veränderungen anzupassen wusste – und wenn nicht mehr als landwirtschaftlich genutzt, so erfreut zunehmend das umgebaute Bauernhaus als Familiensitz neue soziale Schichten. Das Leben in den Häusern geht weiter.

Doch im Haus steckt eine Zahl. Ist das Haus auf viele Personen ausgelegt, wird die Umnutzung zum Kraftakt. Das war beim „Gasthaus Adler“ nicht anders. Auf die Schließung in den 70er-Jahren folgt Minimalnutzung, dann Ende der 90er Erwerb durch die Gemeinde zum Zweck, einen Bauträger zu finden – ohne Erfolg. Bestenfalls „Wegschieben“ und mehr Baurecht war zu hören.

Offensichtlich wurde: Es bedarf der Leidenschaft einer Person und die Überzeugung: Voran kommt, wer weiß, wo er herkommt. Otmar Fink, Tischler und Kaminkehrermeister aus der Nachbarschaft, brachte beides mit. Doch selbst er mit seiner Liebe zu diesem Haus musste davor Federn lassen: Den Wunsch, die Wirtschaft wieder aufzumachen, begrub er bald. Was dann?

Architekten Josef Fink (Bürogemeinschaft Fink/ Thurnher), entwickelte man das Konzept eines Mehrfamilienhauses – in dieser Form ein Novum. Zusammen mit dem Denkmalamt konnte ein Weg gefunden werden, sorgfältig zu erhalten, was erhaltenswert ist und neu zu machen, wo nicht anders möglich. Dabei zeigte sich, dass die Bausubstanz des gestrickten Wohnhauses bis auf Weniges noch immer tipptopp war.

Schwieriger: die Abstimmung mit heutigen Standards – im Innenausbau Brand und Schallschutz, dazu Installation nach heutigem Bedarf, was statische Probleme nach sich zieht. Komplexe Lösungen sind gefragt, Reagieren vor Ort. Vier Zentimeter Aufbau an Decke und Boden reichten, um dies zu lösen – dank der stattlichen Raumhöhen zufriedenstellend. Weiterer Installationsaufwand wurde durch Bündelung der Wasserstellen an wenigen Schächten minimiert.

Bemerkenswert die Anpassung an heutiges Energiesparen. Dach und Keller wurden üppig gedämmt (32 bzw. 26 Zentimeter), die Außenwand mit lediglich sechs Zentimetern. Das reicht, um Niedrigenergiestandard (oder ¼ des vorherigen Verbrauchs) zu erreichen! Und erlaubt, die prächtige Erscheinung nicht nur zu erhalten, sondern gar Verunstaltungen der Nachkriegszeit zu beheben. Etwa das überweite, „oberbayerische“ Vordach des Giebels, das ortstypisch zurückgebaut wurde und ein Veranda-Einschnitt, der durch drei Fenster ersetzt wurde. Die Kastenfenster wurden saniert oder durch Nachbauten ersetzt, das Haus (über die Dämmebene) in einen neuen Schindelpanzer gehüllt.

Große Mühe machten die Innenräume. Das lackierte Täfer – eine seltene anzutreffende, „nobilitierte“ Variante der Wälderstube – musste weitgehend demontiert werden, Bodendielen abgenommen und wieder eingebaut werden. „15 Monate Arbeit, fast alle Gewerke selbst erledigt; das hat den Vorteil, dass eins sauber ins andere greift und man das Werk wachsen sieht“, erinnert sich Otmar Fink, „und nun passt alles: Haus, Baum, Brunnen, Kirche.“

Das schließt ein, nach heutiger Art – Ständerbau, Gipskarton, weißer Anstrich – zu verfahren, wo nichts zu erhalten ist oder Neues dazukommt, so das Dachgeschoß. Doch alle vier Wohnungen haben an der besonderen Atmosphäre des Hauses teil. „Sorgfalt bei der historischen Substanz und Großzügigkeit beim Neuen – ein akzeptabler Kompromiss, um das Ganze erschwinglich zu sichern“, das hat Architekt Josef Fink gelernt.

Daten & Fakten

Objekt: Mehrfamilienhaus
Eigentümer: Otmar Fink
Architekt: Josef Fink
Fachplaner: Statik: Mader Flatz, Bregenz
Planung: 2009–2011
Ausführung: 2011–2013
Grundstücksgröße: 1040 m²
Wohnnutzfläche: 330 m²

Bauweise: Wände: Strickbau 15 cm, gedämmt 6 cm außen + 3 cm innen; Schindelfassade; Kellerdecke: Holzbalkendecke, gedämmt 26 cm; Zwischendecken: statisch verstärkte Holzbalkendecken; Dach: Holzkonstruktion, 32 cm Dämmung mit Ziegeldeckung; Kellerwände: Trockenmauerwerk; Fußböden: teilweise historische Dielenböden, schall- und wärmetechnisch verbesserte Unterkonstruktion; teilweise historische Wandvertäferungen; neue Innenwände aus Fichte/ Gipskarton; Kastenfenster mit Fensterläden, saniert und teilweise baugleich erneuert oder ergänzt; Heizung: Pellets-Zentralheizung mit Solaranlage und Fußbodenheizung; Küche: Sonderfertigung Schreiner

Besonderheiten: Denkmalgeschütztes ehemaliges Gasthaus; weiß lackiertes Täfer mit integrierten Wandschränken; sehr hoher Anteil in Eigenarbeit (ca. 80 %)

Ausführung: Fenster: Diedo Geser, Andelsbuch; Heizung/ Lüftung: Siegfried Steurer, Andelsbuch; Elektro: Pluspool, Langenegg; Dachdecker: Peter Fink, Alberschwende; Holztreppe: Firma Paul Rauch, Egg; Fliesen: Gerd Metzler, Egg; Pflasterer: Thomas König, Lauterach

Energiekennwert: 44 kWh/m² im Jahr

Quelle: Leben & Wohnen – die Immobilienbeilage der VN

Für den Inhalt verantwortlich:
vai Vorarlberger Architektur Institut

Architektur vor Ort 111
In Festivalstimmung begeht das vai Vorarlberger Architektur Institut die monatliche Architekturführung. Im Rahmen der österreichweiten Architekturtage „Alt Jetzt Neu“ wird das Pfarrhaus, der neue Treffpunkt von Krumbach, besichtigt. Freitag, 16. 5., 17 Uhr im Dorfzentrum.

Tipp BUS:STOP – Alle sieben
Interessierte können schon um 13.30 Uhr in Dornbirn in den Bus einsteigen – geführte Exkursion zu den neuen Buswartehüsle in Krumbach – und rechtzeitig beim Pfarrhaus Krumbach aussteigen. Keine Kosten, jedoch Anmeldung unter info@v-a-i.at. Details zum Programm der Architekturtage 2014 unter architekturtage.at

Mit freundlicher Unterstützung durch Arch+Ing

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
Kommentare
Kommentare
Grund der Meldung
  • Werbung
  • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
  • Persönliche Daten veröffentlicht
Noch 1000 Zeichen