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Prag: EU nicht heilig, aber nützlich

Die Tageszeitung „Mlada fronta Dnes“ schreibt in ihrer Montag-Ausgabe: „Die EU-Mitgliedschaft ist bestimmt eine Chance, die wir bisher nicht hatten.

Es wird aber kein Spaziergang durch einen Rosengarten sein. Die nahe Zukunft der EU wird höchstwahrscheinlich voll von kontroversen Debatten und von Gezerre sein. Darauf sollten wir uns psychisch vorbereiten und unsere eigene Europa-Politik schaffen. … Ob die EU eine glänzende Idee ist, wird erst die Zeit zeigen. Auf jeden Fall handelt es sich um eine menschliche Angelegenheit, die von Streiten und Fehlern begleitet wird. Die EU ist nicht heilig und bestimmt wird sie nicht für ewig existieren. Auch die Sonne wird irgendwann erlöschen. Aber es geht darum, dass sie (die EU) ein so weit wie möglich nützliches Bündnis für alle ihre Mitglieder ist“.

Die linksliberale Tageszeitung „Pravo“ (Montag-Ausgabe) schreibt:  „Nach einem halben Jahrhundert der unfreiwilligen Wanderschaft im östlichen Raum kehrte Tschechien dorthin zurück, wo es tausendjähriges Heimatrecht hat: nach Europa. Wir wurden zum Bestandteil einer 450-Millionen-Gemeinschaft, deren Führungsorganen wir einen Teil unserer Souveränität abgaben. … Das Schicksal der Tschechischen Republik liegt voll in den Händen des europäischen Volkes. Die Union ist jedoch kein Paradies, wie man in ihrer Hymne singt. Sie hat mehr Fehler als man wünschen könnte, und besonders ihre Landwirtschaftspolitik ist etwas nur schwer Begreifliches. Europa ist aber eine Chance, die die tschechischen Länder nie in der Geschichte hatten. Auch aus der Sicht der Sicherheit ist der EU-Beitritt wichtiger als der NATO-Beitritt. Wenn wir in die EU Ideen, Ausbildung, Effektivität und Initiative mitbringen, findet Tschechien bestimmt einen würdigen und sicheren Platz in der europäischen Gemeinschaft. Und wenn es Gott gibt, erleben auch unsere fernen Nachkommen den Augenblick, in dem sie stolz wie die alten Römer sagen werden können: Wir sind Bürger der Europäischen Union!“.

Die konservative Tageszeitung „Lidove noviny“ (Montag-Ausgabe) schreibt in Anspielung auf zahlreiche Festreden der Politiker: „Jeder Staatsmann will aus der Alltäglichkeit herauskommen und in die Geschichte eingehen. Gerade das vergangene Wochenende bot uns in diesem Bereich eine ganze Reihe von Versuchen heimischer sowie ausländischer Herkunft an. Das Hissen der Flaggen, Durchsägen der Schlagbäume, Feuerwerke sowie andere Disziplinen dienten nur als Unterstützungsmittel. Die Wichtigkeit des EU-Beitritts von zehn Ländern bietet den Politikern bedeutende Erfolgschancen. Geschichts-Umbrüche sowie etwa das Datum des eigenen Todes kann man in der Regel nicht auswählen, tippen oder arrangieren. Aus dieser Perspektive sind die Bemühungen der Politiker um einen Entzug aus der langweiligen Liste der Präsidenten, Regierungschefs und anderer Regierungspolitiker des 21. Jahrhunderts hoffnungslos, besonders wenn vor uns Jahresdekaden des Friedens und der Prosperität stehen. Um eine europäische Berühmtheit, zu der Neville Chamberlain (einstiger britischer Premier, Anm.) 1938 nach der Rückkehr von der Münchener Konferenz mit den Worten geworden war, dass er „den Frieden für unsere Zeit versichert hat“, ist niemand bemüht. Wünschen wir deshalb lieber, dass nur die Forscher an die Details der Reden der Politiker vom Freitag und Samstag erinnern“.

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