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Portugal im Fußballrausch

Auf den Flughäfen von Lissabon und Porto landen die Chartermaschinen mit Fußballfans beinahe im Minutentakt - National-Flaggen wurden zum Verkaufsschlager.

Die Europameisterschaft, das größte Sportereignis in der Geschichte Portugals, kann beginnen. „Jetzt kommt der Tag, dem wir so lange entgegen gefiebert haben“, sagte der Präsident des portugiesischen Fußballverbands (FPF), Gilberto Madail. Vor dem Eröffnungsspiel Portugal gegen Griechenland am Samstag in Porto herrscht im EM-Gastgeberland ein wahrer Fußballrausch.

In der Hafenstadt, in der die Fans vor kurzem noch den Champions-League-Sieg ihres Vereins bejubelt hatten, wehen statt der blauweißen Fahnen des FC Porto nun die grünroten Landesflaggen an den Balkonen. In Lissabon waren es zunächst nur ein paar Bewohner, die Portugal-Flaggen vor ihre Fenster hängten. Mittlerweile wurde daraus eine Massenbewegung. „Wir verkaufen täglich Hunderte von Flaggen“, berichtete der Verkäufer Carlos Tristani in einem Fahnengeschäft in der Altstadt. „Eine Versicherung nahm uns allein 600 Stück ab. Die Stimmung ist so aufgeheizt, dass Portugal einfach die EM gewinnen muss. Wenn nicht, wird die Regierung stürzen.“

Das ganze Land, so scheint es, hat sich zur EM in die Landesfarben Grün und Rot gehüllt. Die Portugal-Flagge wurde zu einem Verkaufsschlager, die Nationalhymne zum Sommerhit. Aller Streit um die Stärken und Schwächen des portugiesischen Teams oder um den Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari ist vergessen. Die Fans von Benfica und des FC Porto sind keine Rivalen mehr, sondern fiebern gemeinsam mit Portugal.

Nur vereinzelt melden sich kritische Stimmen. „Mit dem EM-Wahnsinn will die Regierung von den Problemen des Landes ablenken“, warnt der Soziologe Manuel Villaverde Cabral. „Wir dürfen nicht vergessen, dass die EM eine Geldverschwendung war. Die neuen Stadien kommen nur den Klubs zu Gute.“ Der Historiker Fernando Rosas warnt: „Dieser Fußball-Patriotismus ist gefährlich.“

Die meisten Portugiesen wollen von solchen Warnungen nichts wissen. Das frühsommerliche Wetter lockt die Menschen in Scharen an die Badestrände. Viele Portugiesen nutzten den Nationalfeiertag am Donnerstag zu einem verlängerten Wochenende. Die Zeitung „Correio da Manha“ bringt die Stimmung auf den Nenner: „Warmer Sonnenschein, Meer und Fußball – Etwas Schöneres kann man sich kaum vorstellen.“ Dass am Sonntag auch Europawahlen anstehen, gerät darüber fast in Vergessenheit. Die Euphorie könnte aber wie eine Seifenblase zerplatzen, wenn Portugal gegen Griechenland verlieren sollte.

Ein weiteres großes Fragezeichen ist die Sicherheit. Um Terror-Anschläge zu verhindern bietet Portugal AWACS-Überwachungsmaschinen der NATO, 20 Kampfflugzeuge und über 20.000 Polizisten auf. Allerdings hat das Land keine Erfahrung im Umgang mit Terroristen oder Hooligans. Vieles wirkt improvisiert. 24 Stunden vor EM-Beginn absolvierten 5.300 Polizisten noch einen Schnellkurs im Umgang mit Tränengas. Bei der Kontrolle der Grenzen tun sich Lücken auf. Viele Übergänge sind unbewacht. „Eine Grenzkontrolle gibt es praktisch nicht“, schreibt die Zeitung „Jornal de Notócias“. Ein Offizier der Grenztruppen meinte: „Wir tun so, als wäre alles unter Kontrolle. Aber in Wirklichkeit ist dies eine Farce.“

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