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Porträt: Hölzl erarbeitete sich WM-Gold

Auch von Maria Riesch dürfte durch die Goldmedaille ihrer Teamkollegin und Freundin Kathrin Hölzl in Val d'Isere viel Druck abgefallen sein, sie lud sich aber gleich eine neue Last auf...

Denn sie hievte die 59-Kilogramm schwere Riesentorlauf-Weltmeisterin auf die Schultern und trug diese für die Jubelrunde durch den Zielraum. Die 24-jährige Hölzl bescherte dem Deutschen Skiverband den ersten Einzel-WM-Titel seit acht Jahren, seinen Beitrag dazu geleistet hat auch der Vorarlberger Mathias Berthold, der in der sechsten Saison deutscher Damen-Bundestrainer ist.

Die ob ihres Namens “Woodl” gerufene gebürtige Berchtesgadenerin, die in Bischofswiesen wohnt, hat noch nie ein Weltcup-Rennen für sich entschieden, erst zweimal war sie auf dem Stockerl. Weil sie “erstaunlicherweise locker” gewesen sei und den WM-Bewerb wie ein normales Rennen gesehen habe, sei es ihr am Donnerstag aufgegangen, erzählte Hölzl. “Es wurde oft gesagt, dass die Kathi nervlich nicht so stark ist. Das hat sie eindrucksvoll widerlegt”, sagte Berthold, der seine Tätigkeit kurz Revue passieren ließ. “Es war extrem harte Arbeit die letzten Jahre, und wir haben oft was drauf gekriegt. Ich hoffe, dass der Knopf jetzt ein bisschen aufgegangen ist.”

Nach den Erinnerungen von Hölzl hat sie selbst auch sehr hart dafür gearbeitet, überhaupt den Weg der Skirennläuferin einschlagen zu können bzw. zu dürfen. “Ich lebe in Bayern, das ist ein Skiland, sage ich jetzt mal”, begann die Fischer-Pilotin (es war die erste Medaille für die Skifirma in Savoyen) ihre Lebensgeschichte zu erzählen. “Mein Papa ist auch Ski gefahren, er hat eine Skischule gehabt in Bischofswiesen. Da bin ich halt einfach so reingeschlittert.” Sie habe mit vier Jahren angefangen und es habe total Spaß gemacht. “Aber meine Eltern haben erst gemeint, dass ich nicht wirklich ein Talent bin, weil ich mich nicht so gut angestellt habe auf den Skiern.” Doch sie ließ sich von ihrem Traum nicht abbringen und habe immer hart und viel trainiert, das sei der Schlüssel zum Erfolg jetzt gewesen.

Das vergangene Jahr ist nicht einfach für die von Riesch als schüchtern und ruhig beschriebene Hölzl gewesen. Vater Sebastian starb an einer schweren Krankheit, nach kurzer Pause kehrte sie in den Ski-Alltag zurück und kämpfte sich durch Hochs und Tiefs. Weil sie all das weiß und als Zimmerkollegin hautnah mitbekommt, hat Riesch, die am Samstag im Slalom zu den Topfavoritinnen zählt, sich so emotional verhalten: “Maria und ich sind sehr gut befreundet, sie hat sich so mitgefreut, weil sie auch meine ganze Leidensgeschichte kennt. Sie hat es mir heute echt vergönnt. Jetzt hoffe ich, dass sie im Slalom auch noch die Medaille macht, dann haben wir genau das erreicht, was wir uns vorgenommen haben”, verriet Zollbeamtin Hölzl.

Doch zuerst muss die Deutsche begreifen und realisieren, was sich am Donnerstag ereignet hat. Und was das auch für die Zukunft bedeutet, finden doch in zwei Jahren die Weltmeisterschaften in Garmisch-Partenkirchen statt. “Ist schon toll, wenn man als Titelverteidiger bei der Heim-WM starten kann. Erstmal ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Ich werde auf alle Fälle weiter arbeiten und weiter trainieren und hoffen, dass ich noch den einen oder anderen Sieg mehr einfahren kann.”

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