Page 1Page 1 CopyGroupGroupPage 1Combined ShapePage 1Combined ShapePage 1Triangle Page 1 VNVorarlberger Nachrichten Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1 Rectangle 9 Combined ShapeCombined ShapePage 1Page 1Page 1Page 1Page 1AAAAPage 1 Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1

Polizei geht von Islamisten-Überfall auf US-Konsulat in Istanbul aus

Der graue Ford Focus hatte schon eine ganze Weile in einer Autowäscherei im Istanbuler Stadtteil Istinye gewartet. Daran erinnerten sich Augenzeugen am Mittwoch ganz genau. Um etwa 10.30 Uhr Ortszeit (09.30 Uhr MESZ) fuhr der Wagen auf den Haupteingang des amerikanischen Konsulats in der Nähe zu.
Angreifer auf Istanbuler US-Konsulat war mehrfach in Afghanistan

Drei Männer stiegen aus, zogen Pistolen und so genannte Pump Guns, gingen auf einen Posten der türkischen Polizei vor der US-Vertretung zu und eröffneten das Feuer. Drei Polizisten starben im Kugelhagel, und nach wenigen Minuten lagen auch die drei Angreifer tot am Boden. Ein Komplize im Ford floh – nach Medienberichten wurde er am Nachmittag festgenommen. Türkische und amerikanische Behördenvertreter sprachen nach dem Anschlag von einem Terrorakt. Zwei der drei getöteten Täter, die zwischen 25 und 30 Jahre alt waren, sollen türkische Staatsangehörige sein, der dritte ein Syrer. Was die Männer mit ihrer blutigen Aktion eigentlich bezweckten war jedoch rätselhaft. “Sie wussten, dass sie nicht (in das Konsulat) reinkommen würden”, sagte der Istanbuler Gouverneur Muammer Güler.

Das würde bedeuten, dass der Angriff eine Art Himmelfahrtskommando war – selbst wenn es den Attentätern gelungen wäre, die türkischen Wachposten zu überwältigen, hätten sie zu dritt und nur relativ leicht bewaffnet kaum eine Chance gehabt, in das stark gesicherte und unter anderem von US-Marineinfanteristen geschützte Konsulatsgebäude einzudringen.

Denn das US-Konsulat in Istanbul ist nicht irgendein Gebäude – auf seinem Hügel über Istinye wirkt die Vertretung wie eine Trutzburg, umgeben von hohen Mauern und stark gesicherten Toren. Vor fünf Jahren war die US-Vertretung aus der Istanbuler Innenstadt nach Istinye am Bosporus umgezogen, nur wenige Monate, bevor islamische Fundamentalisten das britische Konsulat im Stadtzentrum sowie das Hauptquartier der britischen Bank HSBC und zwei Synagogen mit Autobomben angriffen. Mehr als 60 Menschen starben damals.

Möglicherweise handelte es sich auch bei den Angreifern vom Mittwoch um Islamisten. Türkische Fernsehsender meldeten, zwei der Attentäter seien in den vergangenen Jahren nach Afghanistan und wieder zurück in die Türkei gereist. Auch die Täter des Jahres 2003 waren in Pakistan und Afghanistan als Bombenleger ausgebildet worden und hatten in der Türkei eine Zelle von Al-Kaida gebildet.

Die Tatsache, dass die Angreifer von Istinye ohne Rücksicht auf das eigene Leben vorgingen, stärkte nach Medienberichten bei der Polizei die Überzeugung, dass auch der Angriff vom Mittwoch das Werk einer Al-Kaida-Zelle war. Einer der getöteten Angreifer, Erkan Kizgin, sei der Polizei als Mitglied der fundamentalistischen Gruppe IBDA-C bekannt gewesen, meldete der Fernsehsender Haberturk. IBDA-C trete in jüngster Zeit immer häufiger als “Subunternehmer” von Al-Kaida auf, meldete der Sender unter Berufung auf Polizeikreise.

Allerdings sind die USA in der Türkei nicht nur bei Muslim-Extremisten unbeliebt. Auch Linksradikale und militante Nationalisten sind für anti-amerikanische Rhetorik und Aktionen bekannt. Besonders der Angriff der Amerikaner auf den türkischen Nachbarstaat Irak vor fünf Jahren hatte dem Ansehen der USA am Bosporus schwer geschadet. Während eines Besuches von US-Präsident George Bush in Istanbul im Jahr 2004 plante eine linksextreme Gruppe einen Anschlag, doch die vorbereitete Bombe ging vorzeitig auf dem Weg zum Anschlagsort in einem städtischen Bus hoch und tötete vier Menschen.

Bei der Suche nach dem geflohenen Komplizen der Attentäter von Istinye setzten die türkischen Behörden alle verfügbaren Mittel ein. Hubschrauber stiegen auf, und Experten sahen sich Aufnahmen von Verkehrs-Überwachungskameras in der Nähe an. Ob der am Nachmittag festgenommene Mann der Fahrer des gesuchten grauen Focus war, blieb zunächst aber unklar.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Politik
  • Polizei geht von Islamisten-Überfall auf US-Konsulat in Istanbul aus
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen