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point mingrant

Werter Baron! Ich habe letzten Sonntag wie gewünscht Ihre Auswanderung nach Ürümqi bekanntgemacht. Die bei den „Massenkonsumizidgefährdeten“ auftretende starke identitäre Verbildung in Namen wie „Gassigasser, Bleifussenegger, Schmätzler, Diemösen , Hämmerleppe usw.“ weist bereits auf Wucherungen des im maßlosen Konsumismus zerfallenden, sich selbst verspeisenden Volk hin. Natürlich habe ich diese geistige, physische und sprachliche Dekadenz beschrieben und den Unterschied zwischen “wesen” und “verwesen” dargestellt. Ob der Volk mitkommt ist fraglich. Immer weniger lesen, können lesen und noch weniger verstehen, was sie lesen außer „Ausverkauf“. Meine Darstellung führte dazu, dass eine Horde von Konsumlemmingen zornig reagierte.

Herr Baron, sie müssen damit rechnen, dass Ihnen nicht nur zerfallendes Urvolk wie Verkrümmele, Salzmannlose, Kleinbrodler, Owehinger oder Zumtobeller nachstellen wird, sondern auch Konsumlemminge in Gestalt anonymer Blogger mit Identitäten wie „depressivie / heiterbiswolkig / richback / Sosojojo / Kampfadler/ blum33“ und so blöd weiter.

Ich hoffe als Schreiber von denen unbehelligt zu bleiben und für sie hoff‘ ich, dass sie bereits über Breslau hinaus sind. Da Sie ja über Warschau, Moskau, Novosibirsk nach Osten ausreisen, werden sie erst nach 7 Tagen an die chinesische Grenze und kurz danach nach Ürümqi kommen und zum Einwanderer werden. Mich interessiert, wo genau der „point mingrant“ ist, an dem Sie sich vom Aus- zum Einwanderer verwandeln. Er müsste zwischen Wjatskie Poljani und Tschernuschka sein. Sollten sie auf- und abgegriffen werden, weisen Sie auf Ihre Flucht vor dem Massenkonsumizid des Westens unter der Führung der Saudis und der Konzerne hin. Han, Hui, Uiguren, Kasachen, Mandschu, Mongolen, Xibe, Russen, Tuja, Kirgisen, Usbeken, Zhunag, Tataren, Tibeter, Dongxiang, Miao, Koreaner werden ihnen dann hoffentlich Asyl gewähren.

Übrigens bekam ich kürzlich ein Briefchen für Sie zugesteckt, in dem sich ein Papier mit unbekannten Zeichen befand. Nach zahlreichen erfolglosen Recherchen erfuhr ich endlich im China Restaurant, dass es tocharische Zeichen der „nordturkestanische Brahmi“ – Schrift sind, die ich hoffentlich bald für sie entziffern kann. Die dabei angegebene Adresse „Süd Nanhu Straße 123“ bezeichnet das Xinjiang-Museum´in Ürümqi, das im Besitz von Euro-Mumien ist. Gehen Sie hin. Nützlich ist es aber sicher auch, in Ürümqi nach Landsleuten Ausschau zu halten. Vielleicht treffen sie ja einen hunnischen Urmontafoner oder einen mongolischen Walgauner. Ein vertrockneter Bregenzer tät‘s zur Not ja auch. Ich hoffe, Sie kommen mit dem kontinentalen Steppenklima zurecht. Es grüßt Sie herzlich Ihr Schreiber.

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