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Pläne für Österreich-Ausstellung in Auschwitz vorgestellt

Das Projektteam zur Neugestaltung der Länderausstellung im ehemaligen Konzentrationslager und jetzigen Museum Auschwitz-Birkenau in Polen hat am Dienstagabend in Wien erste Einblicke in seine Pläne gegeben.

Der mit der Umsetzung des Konzepts betraute Wiener Architekt Martin Kohlbauer setzt auf eine “reduzierte Lösung”, um den Inhalten der Schau Raum zu geben. Die Eröffnung ist für 2017 geplant.

Ausstellung auf 600 Quadratmetern

Kohlbauer gab im Wien Museum erstmals anhand von Skizzen und Renderings Einblicke in das Raumkonzept und die konkrete Gestaltung des Erdgeschoßes des Blocks 17 im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz, wo die neue Ausstellung auf etwa 600 Quadratmetern umgesetzt wird. Im Abstand von 60 Zentimetern zu den Außenwänden wird durch eine “Innere Hülle” eine Art Raum im Raum entstehen.

Gedanken niederschreiben

Als Herzstück der Ausstellung fungiert ein großer Raum, in dem vier raumhohe Wände rautenförmig angeordnet sein werden. Sie bilden die Projektionsfläche für den nur virtuell präsenten “österreichischen” Teil der Schau, die den Titel “Entfernung. Österreich in Auschwitz” tragen wird. Im letzten Raum wird sich auch ein interaktiver Tisch befinden. Dort könne man dann Gedanken in elektronischen Nachrichten niederschreiben, die dann nach Österreich übermittelt werden sollen, so der Plan.

“Immer der Endpunkt”

Das Konzept sieht mit dem “Hier” (Auschwitz) und “Dort” (Österreich) zwei zentrale Bereiche vor, die einander gegenüber gestellt werden. “Entfernung” sei nicht nur im Sinne von räumlicher Distanz, sondern auch im Wortsinn der “Entfernung von Menschen aus dem Leben” zu verstehen, erklärte der Leiter des Gestalterteams Hannes Sulzenbacher. Österreich stehe jeweils für den Ausgangpunkt der gezeigten Biografien von Opfern und Tätern, “Auschwitz ist immer der Endpunkt”. Insgesamt werden nur relativ wenige Original-Objekte mit Bezug zu Auschwitz auch physisch gezeigt.

Sehr präzise Vorgaben

Die neue Schau wird – wie jede andere Länderausstellung auch – Teil des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau sein. Die polnischen Verantwortlichen machen in Bezug auf Gestaltung und Inhalt sehr präzise Vorgaben. So ist etwa eine Darstellung von Ereignissen nach 1945 nicht gestattet. Die spätere Auseinandersetzung und die Veränderungen in der Sichtweise der Rolle Österreichs in der Zeit des Nationalsozialismus werden daher auf der Ausstellungs-Homepage dargestellt. Man hoffe aber, “Zitate” aus der 1978 eröffneten alten Österreich-Ausstellung in die neue integrieren zu können. Die bisherigen Pläne hätten in Polen jedenfalls “positives Echo” ausgelöst, sagte Kohlbauer.

Eindeutige Schwächen

Dass die Neugestaltung “unerlässlich” war, zeige ein Blick auf die alte Schau, so die Generalsekretärin des Österreichischen Nationalfonds für die Opfer des Nationalsozialismus, Hannah Lessing. Neben vielen Stärken habe diese auch eindeutige Schwächen gehabt. So präsentierte sich Österreich in der mittlerweile abgebauten Schau noch als “Erstes Opfer des Nationalsozialismus”. Auf einem riesigen Bild im Eingangsbereich marschierten etwa Soldatenstiefel über die rot-weiß-rote Karte Österreichs. Die alte Ausstellung wurde nun in einem umfangreichen Bildband dokumentiert, der ebenfalls im Rahmen der Veranstaltung im Wien Museum präsentiert wurde.

Laut dem Nationalfonds beträgt das Projektbudget für die Neugestaltung insgesamt rund eine Million Euro. Die Kosten für die aktuell laufende Sanierung des Blocks 17 sind in dieser Summe nicht enthalten.

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