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Pistorius-Prozess - Szenario Gefängnis: Wäre Sportstar privilegiert?

Paraolympics-Star Pistorius wurde heute verurteilt
Paraolympics-Star Pistorius wurde heute verurteilt ©AP/Anja Niedringhau
Oscar Pistorius wäre im Falle einer Haftstrafe wohl kein Gefangener wie jeder andere. Verglichen mit anderen Häftlingen würde er ein recht komfortables Leben führen, meinen Experten. Aller Wahrscheinlichkeit nach würde der 27-jährige Sportstar seine Strafe in einem Gefängnis in oder nahe der Hauptstadt Pretoria absitzen, wo er lebt, sagte der Kapstädter Strafrechtler Lovell Fernandez.

Der Strafrechtler hält Privilegien wie besseres Essen oder Sportmöglichkeiten für möglich. “Pistorius könnte in einem Krankenhaustrakt des Gefängnisses untergebracht werden, der deutlich bequemer ist als die normalen Trakte”, meinte der Kapstädter Strafverteidiger Keith Gess. Auch Golden Miles Bhudu von der südafrikanischen Gefangenenorganisation für Menschenrechte zeigte sich sicher, dass eine wohlhabende Persönlichkeit wie Pistorius eine Vorzugsbehandlung bekäme. “Er wird auf jeden Fall eine eigene Zelle bekommen, separat von den anderen Gefangenen.” Seine Berühmtheit sowie seine Behinderung würden eine Einzelzelle rechtfertigen, meinte Bhudu.

Schreckliche Zustände in Südafrikas Zellen

Tatsächlich friste die große Mehrheit der 160.000 südafrikanischen Häftlinge ein Dasein unter erbärmlichen Umständen, betonte der Aktivist. Man finde durchaus bis zu 100 Gefangene in einer Zelle, die eigentlich nur für 40 ausgelegt sei. “Es werden die ganze Zeit Gefangene vergewaltigt. Die Aufseher werden bestochen, damit sie wegschauen und behaupten, es habe sich um einvernehmlichen Sex gehandelt”, berichtete Bhudu. “Einflussreiche Leute haben bessere Haftbedingungen”, meinte der Aktivist.

Macht ist Geld

Anwalt Gess sagte: “Wenn man Geld hat, ist das Leben im Gefängnis deutlich einfacher. Gefangene sind dann in der Lage, einen Fernseher zu bekommen, Brathendeln, Whisky und einige hatten auch schon Partys.”

Sportstar bezahlte Kaution

Die Justizvollzugsbehörden wollten sich vor dem Urteil nicht zu möglichen Haftbedingungen des Angeklagten äußern. Allerdings hat der Pistorius-Prozess als solcher bereits ein Schlaglicht auf die Privilegien der Reichen geworfen, fand Strafrechtsprofessor Stephen Tuson. Nicht nur, dass der Sportstar in der Lage war, eine Kaution von umgerechnet gut 70.000 Euro zu bezahlen und sich die besten Anwälte zu leisten. Der Prozess habe der Welt auch ein gut funktionierendes Rechtssystem gezeigt, das keineswegs der Realität in südafrikanischen Gerichten entspreche.

(APA)

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