Pflegerin oder Todesengel?

Anwalt Stefan Denifl
Anwalt Stefan Denifl ©Symbolbild, Archivbild
Mordversuch: 51-jährige Holländerin soll versucht haben, pensionierten Landwirt zu vergiften. Angeklagte freute sich schon auf sorgenfreies Leben mit „Haus am Meer“.

Der 82-jährige pensionierte Landwirt entkam Ende September vergangenen Jahres nur knapp dem Tod. Seine niederländerische Pflegerin, vom Hausherrn als Erbin eingesetzt, geriet als Giftmischerin unter Verdacht. Der 82-Jährige, der unter anderem über beachtlichen Grundbesitz von rund neun Hektar und zwei Häuser verfügt, hatte die Frau und deren Sohn als ausschließliche Erben eingesetzt. Verwandte wären leer ausgegangen.

Der Rentner hatte Glück

Durch den Medikamentencocktail, der ihm laut Staatsanwaltschaft von der Angeklagten verabreicht wurde, wurde der Hustenreflex unterdrückt. Der Patient erstickte beinahe. Bekannte des Mannes hatten in letzter Minute auf einem Arztbesuch bestanden. Die Angeklagte, die dem Mann zur Hand ging, soll diesen immer wieder hinausgezögert haben.

„Von den gesundheitlichen Problemen, die durch den Tablettenmix hervorgerufen wurden, ist zum Glück keine Beeinträchtigung zurückgeblieben“, so Opfervertreter Rechtsanwalt Stefan Denifl.

Sorgenfreies Leben, wenn der Rentner nicht mehr lebt

In der 17-seitigen Anklageschrift wird einiges angeführt, was höchst eigenartig wirkt. Unter anderem der Kontakt der Beschuldigten mit ihrem Lebensgefährten. Laut Anklage macht sie ihm dort bereits den Mund wässrig von einem sorgenfreien Leben, wenn erst der Rentner nicht mehr lebt. Dass sie den betagten Herren dazu gebracht habe, ein Testament zu schreiben, welches ausschließlich sie und ihren Sohn zu Erben macht. Sie freute sich bereits auf ein Haus am Meer.

Frau unterstellte dem Mann ein Alkoholproblem

Dazu kommen einige Behauptungen der Frau, wie zum Beispiel, der pensionierte Landwirt habe ein Alkoholproblem gehabt, was sich nachweislich nicht bestätigte. Man fand weder Spirituosen, noch leere Flaschen und auch im ADEG kaufte der Rentner höchstens mal ein Bier oder eine Flasche Wein. 

Als Nächstes werden Zeugen befragt

Man wird sehen, wie die Geschworenen diesen Fall beurteilen. Der Prozess wegen Mordversuches wurde für drei Tage anberaumt. „Es ist ein intensives Schwurgerichtsverfahren zu erwarten, es müssen zahlreiche Zeugen befragt werden“, so Opferanwalt Stefan Denifl.

Allein am Dienstag werden nach der Angeklagten sieben Zeugen einvernommen. Am Mittwoch nochmals vier Zeugen, dann Arzt, Gerichtsmedizinerin und Reinhard Haller zum Zustand der Beschuldigten. Am Donnerstagvormittag, dem voraussichtlich letzten Prozesstag wird das Video der Opfereinvernahme vorgespielt.

Selbstgefertigte Aufnahmen

Auch die von der Frau selbst aufgenommenen Videosequenzen Ihres Handys, sie dauern nur wenige Sekunden, sowie einige Fotos werden gezeigt. Die Angeklagte filmte und fotografierte den bedauernswerten Zustand des pensionierten Landwirtes. Er ist in schwer beeinträchtigtem Zustand zu sehen, sie füttert ihn, er ist festgebunden, weil er nicht mehr selbst sitzen kann. Diese Aufnahmen zeigt die Angeklagte einem Bekannten und einer ADEG-Verkäuferin. Dazu erzählt sie, dass der Mann partout nicht ins Spital wolle, somit pflege sie ihn so gut wie möglich zuhause, aber es sehe nicht gut aus. Wenigstens habe er wieder Appetit, meint sie.

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