Pflege ist immer noch Frauensache

Die Ausstellung im Frauenmuseum Hittisau zeigt einen kulturhistorischen Abriss der Rolle von Frauen in der Pflegegeschichte.
Die Ausstellung im Frauenmuseum Hittisau zeigt einen kulturhistorischen Abriss der Rolle von Frauen in der Pflegegeschichte. ©Ines Agostinelli_Frauenmuseum
Die Ausstellung „Pflege das Leben“ im Frauenmuseum ist noch bis 4. November 2018 zu sehen.
"Pflege das Leben" im Frauenmuseum

Hittisau. Die Zukunft der Pflegeberufe ist ein intensiv diskutiertes gesundheitspolitisches Thema, das für alle Altersstufen und Gesellschaftsschichten von Bedeutung ist. Ältere und kranke Menschen sind direkt betroffen, junge Menschen erleben Pflege als Teil ihres Alltags dort, wo Angehörige und Bekannte gepflegt werden oder pflegen. Und besonders Frauen sind betroffen: Care-Arbeit ist gesellschaftlich nicht gleichmäßig verteilt. Sie wird vielmehr zum überwiegenden Teil von Frauen geleistet.

Historische Beispiele

Die Ausstellung im Frauenmuseum Hittisau zeigt einerseits einen kulturhistorischen Abriss der Rolle von Frauen in der Pflegegeschichte. Dabei geht es um die Hinterfragung des Rollenbildes der pflegenden Frau vor dem Hintergrund historischer Entwicklungen. Ein Beispiel: Koaiba Bint Saad Al Alsa Miya, bekannt unter dem Namen Rufaida al-Aslamiya war die erste islamische Krankenschwester und Sozialarbeiterin. 624 n. Chr. versorgte sie die Verwundeten der Schlacht von Badr. In Medina führte sie erste Standards zur Pflege ein, sie richtete mobile Lazarette ein und baute die erste Krankenpflegeschule auf. Oder die weltberühmte Florence Nightingale (1820-1910): Sie vertrat die Ansicht, dass es neben dem ärztlichen Wissen ein eigenständiges pflegerisches Wissen geben sollte, und vertrat dies in ihren Schriften zur Krankenpflege, die als Gründungsschriften der Pflegetheorie gelten. Aber auch dunkle Kapitel der Pflegegeschichte werden nicht ausgelassen: Anna Katschenka (1905-1980) war eine österreichische Krankenschwester. Sie war stellvertretende Oberschwester in der Kinderanstalt „Am Spiegelgrund“ und beteiligte sich an der nationalsozialistischen Kinder-„Euthanasie“. Dieser fielen in der Kinderanstalt fast 800 Kinder zum Opfer.

Aktuelle Diskussionen

Andererseits widmet sich das Projekt aktuellen Diskussionen rund um Care-Arbeit, Care-Ethik und Care-Ökonomie, Hauskrankenpflege, Professionalisierung, transnationale Mutterschaft etc. Dabei steht auch hier die Analyse der Geschlechterverhältnisse im Fokus.

Einen zentralen Stellenwert in der Ausstellung nimmt die umfangreiche Sammlung der Maria Hagleitner ein. Sie ist eine fundiert ausgebildete, nunmehr pensionierte Krankenschwester und war lange Zeit stellvertretende Leiterin der Schule für Kranken- und Gesundheitspflege Unterland in Bregenz. Maria Hagleitner hat in den vergangenen dreißig Jahren eine Vielzahl an pflegerelevanten Objekten gesammelt (Pflegehilfsmittel, Kleidung, medizinische Produkte, Literatur).Im Rahmen einer umfassenden Rauminstallation von Ines Agostinelli werden Zeitzeugeninterviews sowie die Sammlung der Maria Hagleitner zur Pflegegeschichte gezeigt.

Die Ausstellung ist noch bis 4. November 2018 zu sehen. Danach wird sich alles um die Themen „Frauen und Kriege“ sowie „100 Jahre Frauenwahlrecht“ drehen, wie von Museumsdirektorin Stefania Pitscheider Soraperra zu erfahren war.

Neue Struktur

Seit Anfang des Jahres hat das Frauenmuseum Hittisau eine neue Struktur. Neuer Rechtsträger des ersten und bisher einzigen Frauenmuseums Österreichs ist der neu gegründete Verein Frauenmuseum Hittisau, dem die Gemeinde Hittisau, das Land Vorarlberg sowie die Gesellschaft zur Förderung des Frauenmuseum Hittisau angehören. 2017 erhielt das Frauenmuseum Hittisau den Österreichischen Museumspreis.

 

Ausstellung im Frauenmuseum Hittisau

„Pflege das Leben. Betreuung. Pflege. Sorgekultur.“

Eine kulturhistorische und aktuelle Annäherung an ein brisantes Thema

29. Oktober 2017 bis 4. November 2018

Mittwoch: 14 bis 17 Uhr

Donnerstag bis Sonntag: 10 bis 17 Uhr

www.frauenmuseum.at

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