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Pfarrer jahrelang terrorisiert

Österreich - Eine 42-jährige Wienerin ist am Mittwoch im Straflandesgericht zu einer unbedingte Geldbuße von 600 Euro verurteilt worden. Sie hat einen Priester belästigt.

Jene 42-jährige Wienerin, die von 2001 bis zum Oktober 2006 einen 67 Jahre alten Priester belästigt, mit permanenten Telefonanrufen gestört und seine Gottesdienste wiederholt mit lautstarken Beschimpfungen unterbrochen haben soll, ist am Mittwoch im Straflandesgericht verurteilt worden. Die Strafe fiel moderat aus, das Gericht verhängte eine unbedingte Geldbuße von 600 Euro (300 Tagessätze zu je 2 Euro). Der Schuldspruch wegen schwerer Körperverletzung, beharrlicher Verfolgung und Störung einer Religionsausübung ist nicht rechtskräftig.

Während am ersten Verhandlungstag im vergangenen April die Frau ausführlich vernommen wurde, widmete sich Richter Thomas Hahn heute eingehend dem Geistlichen. Pater Norbert berichtete, die Frau habe zunächst seine Sprechstunden in seiner Wiener Pfarre „mit einer anderen Absicht als vorgesehen“ in Anspruch genommen: „Sie wollte von mir etwas anderes als geistlichen Beistand. Sie hat in mir den Mann gesehen und nicht den Priester.“ Ihr geschlechtliches Begehren, so jedenfalls die Darstellung des Gottesmannes, habe er ihren Blicken entnommen: „So, wie die mich angeschaut hat, habe ich gewusst, was sie will.“

Er habe „sehr deutlich zum Ausdruck gebracht, dass ich dafür nicht der richtige Ansprechpartner bin. Dafür gebe ich mich nicht her“. Da sei die Frau „aufgesprungen wie eine Furie“ und habe ihn angeschrien, erzählte der Pfarrer.

Von diesem Zeitpunkt an hätten die Belästigungen eingesetzt. Bei Messen und Andachten habe sie sich in die erste Reihe gekniet und ihn „psychologisch in Augenschein genommen“. Sie habe versucht, „möglichst nahe an mich heran zu kommen.“

Irgendwann begann die allein stehende Frau vor den Gottesdiensten zu erzählen, der Pfarrer habe sie vergewaltigt. Mit Schimpfworten wie „Hurenbock“ und „Sauhund“ machte sie sich während seiner Messen bemerkbar. Schließlich organisierte der Pfarrgemeinderat einen Ordnerdienst, der die 42-Jährige am Betreten der Kirche hinderte. Sie klopfte daraufhin lautstark gegen das Kirchentor. Ein Mal soll sie sich mit einer Weinfalsche schreiend im Kreuzgang nieder gelassen haben.

Der Pfarrer ließ sich schließlich in ein Minoritenkloster in Niederösterreich versetzen, wo er seither drei Pfarren betreut. Sie spürte ihn auch dort auf. Zwar könne man sich „in dem großen Kloster gut verstecken“, die Frau habe sich allerdings täglich vor ein Bankerl unter dem Fenster seines Zimmers gesetzt und ihn verfolgt, sobald er dieses verließ. Da sei er „immer schwächer geworden“, klagte der 67-Jährige.

„Sie hat mir die Nachtruhe völlig geraubt“, gab der Seelsorger zu Protokoll. Sein Blutdruck habe verrückt gespielt: „Die Mittel haben nicht mehr geholfen.“ Er habe einen „massiven Einbruch in meiner Arbeitsweise und Berufsausübung erlebt“, sei oft nicht mehr fähig gewesen, eine Predigt zu halten: „Ich war fast wie am Boden zerstört.“

Frau bleibt bei Vergewaltigungsvorwurf

„Das ist eine Sauerei! Das habe ich nicht notwendig“, bemerkte die 42-jährige Wienerin, nachdem ihr die Aussagen des in ihrer Abwesenheit vernommenen Priesters nahe gebracht wurden. Der Pfarrer sei „ein älterer Mann, ein asexuelles Wesen“, er habe sie nie interessiert. Vielmehr sei sie von ihm vergewaltigt worden, behauptete die Frau.

Dass sie und nicht er vor Gericht stehe, begreife sie nicht: „Ich bin mit meinen Nerven am Ende! Ich musste heute ein Herzmittel nehmen!“ Man habe sie in U-Haft gesperrt – die Frau war im Vorverfahren drei Wochen hinter Gittern gesessen – ,„um mich mundtot zu machen“, wetterte die 42-Jährige

Der Psychiater Herbert David bescheinigte ihr in seinem Gutachten eine „beträchtliche Persönlichkeitsstörung“. Die Frau sei emotional instabil und werde von ihren Emotionen geleitet, diesen zu folgen. Die Brems- und Kontrollmechanismen seien bei ihr eingeschränkt.

Dessen ungeachtet bejahte David ihre Zurechnungs- und damit Schuldfähigkeit. Wenn auch ihre Dispositionsfähigkeit „herabgesetzt“ sei, sei die Diskretionsfähigkeit in jedem Fall „erhalten“.

Der Richter und die Staatsanwältin schienen am Ende des Beweisverfahrens nicht recht zu wissen, was nun zu geschehen habe, zumal der Pfarrer selbst betont hatte: „Eine Strafe hat keinen Sinn! Die muss behandelt werden, ich sehe keine andere Möglichkeit!“

Die Staatsanwältin hätte die Anklage gegen die Frau an sich in Richtung Verleumdung ausdehnen müssen, nahm davon jedoch überraschenderweise Abstand. Ihren heutigen Auftritt wertete die Anklägerin als „Geständnis“. Der Richter wiederum fand keine Gesetzesbestimmung, die es erlaubt hätte, die 42-Jährige einer Therapie zuzuführen.

In Folge dessen kam als Kompromiss ein Schuldspruch mit einer Strafe heraus, mit der auch die Frau leben konnte. Sie nahm nämlich nach Rücksprache mit ihrem Verteidiger Christian Werner das Urteil an. Die Staatsanwältin gab vorerst keine Erklärung ab.

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