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Über 100 Zivilisten bei Luftangriffen in Syrien getötet

Kein Ende der blutigen Gewalt in Syrien
Kein Ende der blutigen Gewalt in Syrien ©APA (AFP)
Bei heftigen Angriffen auf das syrische Rebellengebiet Ost-Ghouta nahe Damaskus sind am Montag Aktivisten zufolge mindestens 100 Zivilisten getötet worden.
Auseinandersetzungen in Syrien

Dabei handle es sich um die höchste Opferzahl an nur einem Tag seit drei Jahren, teilte die oppositionsnahe Syrische “Beobachtungsstelle für Menschenrechte” am Dienstag mit. Unter den Toten seien mehr als 20 Kinder und 15 Frauen.

Flugzeuge und Hubschrauber hätten Dutzende Angriffe auf Ost-Ghouta geflogen. Das Gebiet sei zudem mit Artillerie beschossen worden. Die Beobachtungsstelle mit Sitz in London stützt sich auf ein Netz von Informanten in Syrien. Von unabhängiger Seite sind ihre Angaben nur schwer zu überprüfen.

Die Region Ost-Ghouta gehört in dem Bürgerkriegsland zu den letzten Gebieten, die noch unter Kontrolle von Rebellen stehen. Ost-Ghouta ist seit Monaten von Regierungstruppen eingeschlossen. Rund 400.000 Menschen sind dort wegen der Blockade fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. Helfer berichten von einer dramatischen humanitären Lage. Es fehle an Nahrung und medizinischer Versorgung.

Fünf Krankenhäuser gezielt bombardiert

Die Hilfsorganisation UOSSM teilte mit, fünf Krankenhäuser in Ost-Gho uta seien gezielt bombardiert worden und außer Betrieb. “Dies könnte einer der schlimmsten Angriffe in der syrischen Geschichte sein”, erklärte UOSSM-Geschäftsführer Zedoun Al Zoubi. “Zivilisten systematisch anzugreifen und zu töten ist ein Kriegsverbrechen.”

Nach Einschätzung der Aktivisten bereitet die Armee eine großangelegte Bodenoffensive gegen die seit Jahren belagerte Region vor. “Das Regime bombardiert Ost-Ghuta, um den Weg für eine Bodenoffensive zu bahnen”, sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Die in Großbritannien ansässige Organisation bezieht ihre Informationen von einem Netzwerk von Aktivisten in Syrien. Ihre Angaben können von unabhängiger Seite nur schwer überprüft werden.

In der Stadt Hammurije rannten die Bewohner in Panik in ihre Häuser, sobald sie den Lärm von Flugzeugen hörten. Der 23-jährige Alaa al-Din sagte, die Bewohner fürchteten sich vor der möglichen Offensive. Das Schicksal der Region sei völlig unklar. “Uns bleibt nichts anderes, als auf Gottes Gnade zu hoffen und uns in unseren Kellern zu verstecken. Wir haben keine Alternative.”

“Humanitäre Lage völlig außer Kontrolle”

Der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe in Syrien, Panos Mumtsis, forderte ein sofortiges Ende der Luftangriffe auf Ost-Ghuta. “Die humanitäre Lage der Zivilisten in Ost-Ghuta ist völlig außer Kontrolle”, erklärte er. “Es ist zwingend erforderlich, dieses sinnlose menschliche Leiden zu beenden.”

Anfang Februar hatte die syrische Armee den Druck auf Ost-Ghuta verstärkt, wo rund 400.000 Menschen seit dem Jahr 2013 unter Belagerung leben und sich die humanitäre Lage zunehmend verschlechtert. Binnen fünf Tagen wurden dort laut der Beobachtungsstelle mehr als 245 Zivilisten durch Luftangriffe getötet, bei Gegenangriffen auf Damaskus gab es rund 20 Tote.

Eigentlich gilt in Ost-Ghuta eine regionale Waffenruhe zwischen Rebellen und Regierungstruppen, doch besteht die von Russland, dem Iran und der Türkei vermittelte sogenannte Deeskalationszone nur noch auf dem Papier. In dem seit fast sieben Jahren andauernden Krieg in Syrien wurden bereits mehr als 340.000 Menschen getötet.

(APA/ag.)

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