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Peru: Meuternde Soldaten stellen Bedingungen

Die im Südosten Perus meuternden Soldaten haben am Montag eine neue Bedingung für die Übergabe ihrer Waffen gestellt. Aus Lima müsse eine „hochrangige Delegation“ in die Stadt Andahuaylas reisen.

Das habe der Anführer der etwa 280 Reservisten, der Major im Ruhestand Antauro Humala, kurz vor dem für den Mittag geplanten Ende des Aufstandes gefordert. Das teilte der katholische Priester Jose Domingo Paliza mit.

Humala wolle den Priester nun auch nicht mehr als Vermittler akzeptieren. Wann sich die Aufständischen ergeben würden, war unklar. Humala sagte in einem Telefoninterview eines Radiosenders, die Streitkräfte hätten entgegen den Absprachen Scharfschützen in der Stadt in Stellung gehen lassen.

Die Regierung hatte zuvor zugesichert, sie werde die Menschenrechte der Aufständischen nach deren Aufgabe respektieren. Auch der Forderung Humalas, sich nur bei Tageslicht und im Beisein der Bürger der Stadt zu ergeben, stimmte die Regierung zu. Die Forderung nach einem Rücktritt von Präsident Alejandro Toledo hatte Humala angesichts der aussichtslosen Lage fallen lassen.

Er hatte sich mit seinen Gefolgsleuten in einer Polizeistation verschanzt, die von etwa 1.000 Polizisten und Soldaten umstellt war. Die Meuterer hielten weiter elf Polizisten als Geiseln fest. Im Laufe der Rebellion waren seit Samstag vier Polizisten getötet und fünf weitere Beamte verletzt worden. Auch einer der Aufständischen wurde erschossen und ein Zivilist verletzt.

Sturmangriff angedroht

Zwei Tage nach der Besetzung einer peruanischen Polizeistation durch Aufständische haben die Streitkräfte einen Sturmangriff auf die Wache angedroht. In einer im Radio ausgestrahlten Erklärung des Innenministeriums wurden die Anwohner aufgefordert, ihre Häuser „angesichts des bevorstehenden Beginns von Aktionen zur Rückeroberung der Polizeistation“ zu verlassen. Zuvor hatte der Anführer der Aufständischen, Antauro Humala, sein Angebot zur Aufgabe der Besetzung widerrufen.

Zur Begründung sagte der Ex-Major der Nachrichtenagentur AP, die Regierung habe entgegen ihren Zusagen gegenüber Vermittlern weitere Truppen um die Kleinstadt Andahuaylas zusammengezogen und nahe der Polizeiwache Scharfschützen aufgestellt. Er fürchte um seine Sicherheit und die seiner Anhänger.

Am Vorabend hatte Humala in einer Rede an seine Kämpfer erklärt, sie würden am Montagmittag öffentlich ihre Waffen niederlegen und sich ergeben. Anlass dafür war offenbar die Kritik seines Bruders Ollanta an der Revolte. Ollanta Humala ist derzeit noch in Südkorea, wo er bis zu seiner vorzeitigen Versetzung in den Ruhestand vor zwei Wochen als Militärattache in der peruanischen Botschaft arbeitete. Sein Bruder Antauro hatte Ollanta mehrfach als eigentlichen Führer seiner Bewegung bezeichnet. In einem Interview mit dem Fernsehsender Canal N wandte sich dieser aber ausdrücklich gegen die Anwendung von Gewalt.

Bei der Erstürmung der Polizeiwache hatten die Aufrührer, die den Rücktritt von Präsident Alejandro Toledo forderten, vier Polizisten getötet. Sie halten außerdem nach Angaben der Behörden etwa zehn Polizisten als Geiseln in ihrer Gewalt. Viele der rund 100 Guerilleros sind Reservisten der Streitkräfte. Präsident Toledo verhängte nach der Besetzung der Polizeistation in Andahuaylas, rund 440 Kilometer südöstlich von Lima, den Ausnahmezustand über die betroffene Provinz. Mindestens 1.000 Sondereinsatzkräfte wurden in die Region entsandt.

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