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Pentagon bestätigt Identität von Toten

Das US-Verteidigungsministerium hat die Identität der drei Insassen des Gefangenenlagers Guantanamo bekannt gegeben, die sich am Wochenende das Leben genommen hatten.

Demnach handelt es sich um die Saudis Mani Shaman Turki al Habardi al Utaibi und Yassar Talal al Sahrani sowie um den Jemeniten Ali Abdullah Ahmed. Gegen keinen der drei Männer war offiziell Anklage erhoben worden. Die USA sagten der eine Aufklärung der Todesumstände zu. Die EU bekräftigte am Montag ihre Forderung nach Schließung des Lagers. Angehörige der Toten bezweifelten die Darstellung der US-Regierung, die Gefangenen hätten sich selbst das Leben genommen.

Ein Vertreter des US-Verteidigungsministeriums hat die herabsetzende Äußerungen von Kollegen wegen der Selbstmorde im Gefangenenlager Guantanamo unterdessen relativiert. Er würde die Selbstmorde von Insassen nicht als „uten PR-Gag„charakterisieren, sagte der für Häftlingsfragen zuständige Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Cully Stimson, am Montag der britischen BBC. Er bezog sich auf entsprechende Äußerungen der Staatssekretärin im US-Außenministerium, Colleen Graffy, vom Vortag. „Weil wir Amerikaner sind, achten wir das Leben, sogar das Leben gewalttätiger Terroristen, die im Krieg gegen unser Land gefangen genommen wurden“, sagte Stimson.

Angehörige von zwei im US-Gefangenenlager Guantanamo gestorbenen saudi-arabischen Häftlingen haben indes die Selbstmordversion der USA bezweifelt. Beide Männer seien streng gläubige Moslems gewesen, denen die Religion die Selbsttötung verbiete, hieß es in Zeitungsberichten am Montag. „Ich bin sicher, dass mein Sohn nicht Selbstmord begangen hat“, sagte Talal al-Sahrani der Zeitung „Ashark al-Awsat“. Auch ein Bruder des anderen gestorbenen saudi-arabischen Gefangenen, Manei al-Otaibi, äußerte Zweifel an der US-Darstellung. „Wir halten seinen Tod zu 100 Prozent für verdächtig“, sagte er der Zeitung.

Nach den drei Todesfällen in Guantanamo erhält US-Präsident George W. Bush jetzt auch Druck aus den eigenen Reihen. Der Vorsitzende des Justizausschusses des Senats, der Republikaner Arlen Specter, sagte am Sonntag (Ortszeit), die Häftlinge müssten endlich vor Gericht gestellt werden. Einige von ihnen würden aufgrund „der windigsten Art von Hörensagen“ festgehalten.

„Sie sollten die Einrichtung so schnell wie möglich schließen“, sagte der demokratische Senator Jack Reed. Der UNO-Sonderberichterstatter für Folter, Manfred Nowak, forderte die Europäische Union auf, bei dem Gipfel mit den USA in zehn Tagen in Wien von Bush die Schließung des Lagers zu fordern.

Der Sicherheitsberater von Präsident George W. Bush, Stephen Hadley, habe in einem Telefonat mit dem deutschen Kanzleramt eine sorgfältige und umfassende Aufklärung versprochen, sagte der deutsche Regierungssprecher Ulrich Wilhelm in Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bereits Anfang des Jahres die Schließung des Gefangenenlagers gefordert. Sie hatte sich dafür ausgesprochen, Wege für einen anderen Umgang mit den Gefangenen zu suchen. EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner sagte, der Tod der Häftlinge unterstreiche einmal mehr die Forderung der EU nach Schließung des Lagers. Auch das Europaparlament hat dies verlangt.

„In dieser Woche wird ein Team des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) Guantanamo besuchen, so wie wir das in der Vergangenheit getan haben, wenn es besondere Vorfälle gab“, sagte der IKRK-Sprecher Vincent Lusser der Nachrichtenagentur AFP. Er betonte, dass es sich um einen normalen Vorgang handele. Das IKRK sei nicht zuständig für eine Ermittlung der Todesfälle. Das IKRK ist als einzige humanitäre Organisation befugt, das Gefangenenlager regelmäßig aufzusuchen. Das IKRK wacht über die Haftbedingungen und gab bereits mehrfach Empfehlungen zu ihrer Verbesserung an Washington weiter.

Die Selbstmorde seien Ergebnis der dortigen Haftbedingungen, sagte der Anwalt des „australischen Taliban“ David Hicks, Michael Mori, dem australischen Rundfunksender ABC. Sie zeigten, „in welche tiefe Verzweiflung Menschen fallen können, wenn sie über lange Zeit keine Verbindung zur Außenwelt haben“. Auch sein Mandant sei bei seinem jüngsten Besuch vor einer Woche in schlechter körperlicher und seelischer Verfassung gewesen.

Am Samstag hatten Gefängniswärter in Guantanamo drei Häftlinge erhängt vorgefunden. Es handelt sich nach US-Angaben um die ersten Todesfälle seit Nutzung des Lagers als Gefängnis im Jänner 2002. Amtlichen US-Angaben zufolge gab es in dem Lager bisher 41 Selbstmordversuche unter den Häftlingen. Nach Angaben der USA haben sich die beiden Saudis und ein Jemenit in Guantanamo mit Kleidungsstücken und Bettlaken erhängt. Die Regierung in Riad hat die Identität der Toten bestätigt. Zur Todesursache hat sie sich jedoch noch nicht geäußert. Das Königreich bemühe sich um die Überstellung der Leichen, hieß es.

Die USA stehen international unter Druck, das Gefangenenlager zu schließen. In Guantanamo halten die USA rund 460 Männer unter Terrorverdacht fest, nur zehn von ihnen wurden formell angeklagt.

US-Sprecher relativiert Äußerungen über Guantanamo

Ein Vertreter des US-Verteidigungsministeriums hat herabsetzende Äußerungen von Kollegen wegen der Selbstmorde im Gefangenenlager Guantanamo relativiert. Er würde die Selbstmorde von Insassen nicht als guten PR-Gag charakterisieren, sagte der für Häftlingsfragen zuständige Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Cully Stimson, am Montag der britischen BBC. Er bezog sich auf entsprechende Äußerungen der Staatssekretärin im US-Außenministerium, Colleen Graffy, vom Vortag. „Weil wir Amerikaner sind, achten wir das Leben, sogar das Leben gewalttätiger Terroristen, die im Krieg gegen unser Land gefangen genommen wurden“, sagte Stimson.

Aufsehen hatten international auch Äußerungen des Kommandeurs des Gefangenenlagers, Konteradmiral Harry Harris, erregt. „Sie haben keine Achtung vor dem Leben, weder vor unserem noch vor ihrem eigenen. Ich glaube, das war kein Akt der Verzweiflung, sondern ein Akt (…) der Kriegsführung gegen uns“, sagte er mit Blick auf die Toten.

Die USA hatten erstmals Selbstmorde in ihrem Gefangenenlager in Guantanamo Bay gemeldet. Demnach nahmen sich drei Insassen das Leben. Insgesamt 23 Gefangene sollen zum Teil bereits mehrfach versucht haben, sich umzubringen. In Guantanamo halten die USA derzeit 460 Insassen aus 40 Ländern und dem Westjordanland unter dem Verdacht fest, Kontakte zur Extremistenorganisation Al-Kaida oder zu den afghanischen Taliban zu haben.

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