Pensionierungswelle rollt auf Öffentlichen Dienst zu

Beamte: Jeder Zweite geht bis 2032
Beamte: Jeder Zweite geht bis 2032 ©Symbolbild - Pixabay
Die drohende Pensionierungswelle rollt ungebrochen auf den öffentlichen Dienst zu. Obwohl die Bundesbediensteten später in Pension gehen als ihre Kollegen in der Privatwirtschaft.

Der nun veröffentlichte Personalbericht bestätigt, dass die Beschäftigten des Bundes deutlich älter sind als jene der Privatwirtschaft. Deshalb wird in den nächsten zwölf Jahren fast die Hälfte des Personals in den Ruhestand treten. Erfreulich ist für Beamtenminister Werner Kogler, dass das Pensionsantrittsalter der Beamten ebenso steigt wie der Frauenanteil, der Gender Pay Gap hingegen sinkt.

Jeder Zweite geht bis 2032

"Bis 2032 werden rund 48 Prozent des bestehenden Personals aufgrund von Pensionierungen ausscheiden", heißt es in dem der APA vorliegenden Personaljahrbuch des Bundes 2020. Grund dafür ist, dass das Durchschnittsalter im Bundesdienst aktuell bei 45,8 Jahren (Ende 2019) liegt, in der Privatwirtschaft hingegen nur bei 38,9 Jahren. 50 Jahre und älter sind im Bundesdienst 45,6 Prozent der Beschäftigten, bei allen unselbstständig Erwerbstätigen liegt dieser Anteil hingegen nur bei 28,7 Prozent.

Diese Entwicklung hat sich in den letzten Jahren dramatisiert. Im Zeitraum von 1995 bis 2019 ist das Durchschnittsalter der Bundesbediensteten von 40,5 auf 45,8 Jahre gestiegen. Der Anteil der 45-plus-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist von 35 auf 58 Prozent angewachsen.

Die einzelnen Berufsgruppen des Bundes sind davon unterschiedlich stark betroffen. Während das Durchschnittsalter im Verwaltungsdienst, bei den Richtern und Staatsanwälten sowie bei den Lehrern jeweils über 47 Jahren liegt, sind die Beschäftigten beim Bundesheer und bei der Exekutive mit durchschnittlich 42,8 bzw. 41,9 Jahren deutlich jünger.

Das sagt Beamtenminister Kogler

Für Kogler (Grüne) stellen sich damit "die Frage nach einem möglichst effizient gestalteten Wissenstransfer sowie nach einem gezielten Recruiting", wie er im Vorwort des Berichts schreibt. "Hier kommt, wenig überraschend, die Digitalisierung ins Spiel, die ja selbst Chance und Herausforderung zugleich ist. Topplatzierungen Österreichs im Bereich E-Government stimmen hier zuversichtlich. Nichtsdestotrotz handelt es sich um eine nicht zu unterschätzende Aufgabe, die Digitalisierung flächendeckend und zielgerichtet voranzutreiben", schreibt der für die Beamten zuständige Vizekanzler.

Bundesbedienstete gehen später in Pension

In Pension gehen die Bundesbediensteten später als ihre Kollegen in der Privatwirtschaft. Im Vergleich zum Vorjahr ist das Pensionsantrittsalter der Bundesbeamtinnen und Bundesbeamten 2019 um weitere 0,3 Jahre auf 62,4 Jahre angestiegen. 2007 war es noch unter 60 Jahren (59,9). Das Pensionsantrittsalter im Bundesdienst liegt somit um 2,2 Jahre über jenem der ASVG-Versicherten. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass das gesetzliche Pensionsantrittsalter für Bundesbeamtinnen und Bundesbeamte seit 1. September 2017 einheitlich 65 Jahre beträgt.

Insgesamt hat der öffentliche Dienst in Österreich einen Personalstand von 356.391 Beschäftigten auf Vollzeitbasis. Davon hat der Bund 135.128, die Länder 144.297 und die Gemeinden 76.966 Beschäftigte (Vollzeitäquivalente). Der größte Sektor ist der Bildungsbereich, wo 34 Prozent der Bundesbediensteten arbeiten, gefolgt von den Bereichen Inneres mit 27 und Landesverteidigung mit 15 Prozent. Dabei arbeiten 90 Prozent der Beschäftigten in nachgeordneten Dienststellen wie Schulen oder Gerichten und damit in direktem Kontakt zu Bürgern. Seit 1999 hat der Personalstand des Bundes um mehr als 31.000 Vollzeitbeschäftigte abgenommen, wobei seit 2012 wieder ein leichter Anstieg zu registrieren ist, weil vor allem in den Bereichen Sicherheit und Bildung Aufnahmen erfolgten.

Klassische Beamte werden weniger

Bemerkenswert ist, dass die klassischen Beamten immer weniger werden. Aufgrund der restriktiven Pragmatisierungspolitik ist die Zahl der Beamtinnen und Beamten von knapp 100.000 im Jahr 2003 auf nunmehr 70.224 mit Ende 2019 zurückgegangen. Im gleichen Zeitraum ist hingegen die Zahl der Vertragsbediensteten von gut 50.000 auf 64.905 angestiegen.

Der Frauenanteil unter den Bundesbediensteten ist von 35,9 Prozent im Jahr 1995 auf 42,5 Prozent Ende 2019 angewachsen. Bemerkenswert ist, dass unter den Vertragsbediensteten der weibliche Anteil bei 58,8 Prozent liegt, unter den Beamten hingegen nur bei 26,2 Prozent. Eine weibliche Mehrheit gibt es inzwischen bereits bei den Lehrern (60,1 Prozent), bei den Richtern und Staatsanwälten (54,4 Prozent) und im Verwaltungsdienst (53,0 Prozent). In Spitzenfunktionen der Bundesverwaltung liegt der Frauenanteil bei 25 Prozent, 15 von 63 Sektionen der Ministerien werden von Frauen geleitet.

Im Vergleich zur Privatwirtschaft hat sich der Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern im Bundesdienst in den letzten Jahren deutlicher verringert. Im Jahr 2012 lag dieser Gender Pay Gap noch bei 13,3 Prozent, im Jahr 2019 erreichte der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen im Bundesdienst den historisch niedrigsten Wert von 9,0 Prozent.

(APA)

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