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Peer Steinbrück: Mann offener Worte und klarer Gesten

Als Antwort auf die Frage, was er von Medien-Wortschöpfungen wie "Pannen-Peer, Problem-Peer und Peerlusconi" halte, zeigte er im "SZ-Magazin" den Stinkefinger.
Als Antwort auf die Frage, was er von Medien-Wortschöpfungen wie "Pannen-Peer, Problem-Peer und Peerlusconi" halte, zeigte er im "SZ-Magazin" den Stinkefinger. ©EPA
Peer Steinbrück hat versprochen, sich selbst treu zu bleiben: "Ich sage, was ich denke, und ich tue, was ich sage", lautet sein Motto.

Als Mann offener Worte hatten ihn die Deutschen schon in seiner Zeit als Bundesfinanzminister kennengelernt.

Im Wahlkampf machte er auch mit einer klaren Geste Furore. Als Antwort auf die Frage, was er von Medien-Wortschöpfungen wie “Pannen-Peer, Problem-Peer und Peerlusconi” halte, zeigte er im “SZ-Magazin” den Stinkefinger. Vielen in seiner Partei spricht der Sozialdemokrat mit diesem “Klartext” aus der Seele.

Als Wahlkämpfer machte Steinbrück zunächst eine wenig glückliche Figur. Nach seiner Berufung zum SPD-Spitzenkandidaten im Herbst 2012 geriet er mit seinen hohen Rednerhonoraren in die Schlagzeilen.

Es folgten unglückliche, teils aufgebauschte Äusserungen, etwa zur Höhe des Kanzlergehalts. Seit er im TV-Duell mit Kanzlerin Angela Merkel am 1. September keine schlechte Figur machte, kam sein Wahlkampf allmählich besser in Fahrt.

Karrierestart bei Helmut Schmidt

Seine politische Karriere hatte der in Hamburg geborene studierte Volkswirt in verschiedenen Ministerien und im Bundeskanzleramt zu Zeiten von SPD-Kanzler Helmut Schmidt (1974-1982) begonnen. Später stieg er zum Wirtschaftsminister in den Landesregierungen Schleswig-Holsteins und Nordrhein-Westfalens auf.

Als der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement 2002 als Bundesminister nach Berlin wechselte, wurde Steinbrück sein Nachfolger. Doch schon seine erste Wahl an der Spitze des bevölkerungsreichsten deutschen Bundeslandes verlor er 2005.

Kampf gegen Steueroasen

Als weniger Monate später bei der Bundestagswahl SPD-Kanzler Gerhard Schröder seine rot-grüne Mehrheit einbüsste, fand Steinbrück seinen Platz im Kabinett von Angela Merkel. Gemeinsam mit der Kanzlerin trat der Finanzminister nach der Lehmann-Brothers-Pleite 2008 vor die Öffentlichkeit und verkündete eine staatliche Garantie für die Spareinlagen der besorgten Bürger.

In Erinnerung bleibt aus diesen Jahren auch sein Kampf gegen Steueroasen und seine teils rüden Attacken gegen Länder wie die Schweiz oder Liechtenstein. Unvergessen ist in Bern der Satz “Die Kavallerie in Fort Yuma muss nicht immer ausreiten, manchmal reicht es, wenn die Indianer wissen, dass sie da ist” – auch wenn dieser gar nicht konkret auf die Schweiz bezogen gewesen sein soll.

In seiner eigenen Partei galt Steinbrück lange als Vertreter des rechten, wirtschaftsfreundlichen Flügels. Im Wahlkampf vertrat er aber ein eher linkes Programm, das höhere Einkommenssteuern für Spitzenverdiener, einen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn und Mietpreisbremsen in Deutschland vorsieht.

Auf der Kampagne lastete, dass die SPD ein Bild von einem Land mit schwerer sozialer Schieflage zeichnet. Aber viele Bürger finden ihre Lage gar nicht so schlecht. (sda/ dpa)

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