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Parteijugend im Wahlkampf: Angepasste Revolutionäre

©VOL.AT/Sturn
Sie verteilen Flugblätter, Kekse und andere Gimmicks, sprechen mit den Menschen auf der Straße, veranstalten Diskussionsrunden: Die Parteijugend ist für jeden Wahlkampf unentbehrlich. In unserer neuen Serie rücken wir die Nachwuchskräfte der Parteien in den Mittelpunkt. Heute: Die jungen Grünen.
Auf Tour mit den jungen Grünen

Wer bei den jungen Grünen Rastalocken und Haschischpflanzen erwartet, dürfte von diesem Anblick enttäuscht sein. Eher gut bürgerlich kommen sie äußerlich daher. Natürlich darf ein kleines Piercing nicht fehlen – ein bisschen Abgrenzung muss schließlich sein. Ansonsten aber: Anpassung pur. Auch Revolutionäre werden schließlich mal erwachsen.

Idealismus vergangener Tage

Unter der Oberfläche brodelt es bei manchen aber noch immer. Warum sie für die Grünen auf die Straße geht, wird die 22-jährige Lisa gefragt. „Weil sie meiner Ansicht nach die wichtigsten Themen vertreten”, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Bildung für alle, Aufklärungsarbeit in der Vergangenheitsbewältigung, Gleichstellung der Geschlechter, Homosexueller, Bisexueller und Transsexueller –Lisa weiß, was sie will. Der Idealismus vergangener Tage blitzt noch einmal kurz auf in der jungen Politik- und Nederlandistikstudentin.

„Vertreten, was man selber tut”

Mitstreiter Jakob ist da schon etwas pragmatischer. Der 22-Jährige studiert ebenfalls Politik, allerdings in Kombination mit Russisch. Grün-sein bedeutet für ihn, „dass man das, was man politisch vertritt, auch selber tut.” Er fährt deswegen viel mit dem Fahrrad, verzichtet auf ein Auto, und bevorzugt beim Einkauf regionale Produzenten. Einen Alltag gebe es im Wahlkampf nicht wirklich. „Meistens erfährt man erst am Tag davor, was man zu tun hat am nächsten Tag.” Er werde eben dort eingesetzt, wo man ihn gerade brauche. Lisa wird konkreter: Sie hilft vor allem beim Auf- und Abbau der Wahlkampfstände, schaut dazu, dass immer genügend Material vorhanden ist, und bemüht sich offensiv um Kontakt mit potenziellen Wählern.

Bildung, Steuern, Pensionen

Die Reaktionen der Menschen seien schon sehr unterschiedlich, erzählt Lisa. Viel Zuspruch komme vor allem von jenen, die der Korruption in der Politik überdrüssig geworden sind. Es gebe aber auch jene, die die Grünen einfach nur „scheiße” fänden. Alles in allem sei die Stimmung aber durchaus positiv, resümiert Jakob. Gerade ehemalige Wähler der ÖVP und der SPÖ würden sich dieses Mal überlegen, den Grünen eine Chance zu geben. Die dominanten Themen an den „Grünen”-Wahlkampfständen unterscheiden sich übrigens nicht sehr von denen anderer Parteien: Bildung, Steuern und Pensionen würden die Menschen derzeit am meisten beschäftigen. (MST)

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