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Parteien buhlen um Mitglieder

Schwarzach - Die Ländle-FP sucht den besten blauen Werber. Auch die SP will nun eine Mitgliederkampagne starten.

Unter dem Slogan „Stärke die FPÖ-Familie” werben Vorarlbergs Freiheitliche derzeit recht offensiv um neue Parteimitglieder. Und dies mit einem recht ungewöhnlichen Modell: In einem eigenen Mitgliederwettbewerb wird der beste blaue Werber gesucht – sprich derjenige, der der FPÖ bis zur Landtagswahl die meisten Neuzugänge bringt. Im September wird Bilanz gezogen, der Sieger darf sich dann über den Hauptpreis, „ein luxuriöses Wochenende in Wien mit Besuch bei Parteiobmann HC Strache” freuen. Das Ziel sei ein zweifaches, sagt FPÖ-Parteichef Dieter Egger auf „VN”-Anfrage: „Es ist eine Mobilisierung der eigenen Mitglieder, es ist auch die Öffnung der Partei für Neumitglieder.” Was soll der Hauptpreis? „Die Idee stammt von unserer Basis.”

Gemischte Reaktionen

Die Konkurrenz reagierte mit gemischten Gefühlen. Die FPÖ bereite sich langsam auf die Landtagswahl vor, meint VP-Geschäftsführer Dietmar Wetz: „Wir wissen, dass sie strukturelle Probleme haben.” Auch SPÖ-Chef Michael Ritsch gibt sich recht zurückhaltend: „Jede Partei wirb t um Mitglieder, jede Partei hat ihre eigene Werbelinie.” Wichtig sei das Werben um Mitglieder auf jeden Fall, komme ein guter Teil der Parteieinnahmen doch auch von Mitgliedern: „Und mit der Mitgliederanzahl wächst auch die Organisationskraft einer Partei.” Die SPÖ werde deshalb auch eine Mitgliederkampagne starten, sagt Ritsch: „In einer anderen Form natürlich.” Grünen-Chef Johannes Rauch ist amüsiert: „Es ist fraglich, ob ein Wochenende mit Strache wirklich so attraktiv ist. Mich erinnert das Ganze an Scientology.” Zudem sei der Vergleich der FPÖ mit einer Familie etwas „schräg”, gaukle man doch vor, was nicht stimme: „Parteien sind Interessensvertretungen, kein Familienersatz.” Größte Interessensvertretung im Rauchschen Sinn ist die ÖVP, die 25.000 Teilorganisations- oder Parteimitglieder in Vorarlberg hat. Die FPÖ hat 3500 Parteimitglieder; die SPÖ hält bei 1700 Parteimitgliedern, die Grünen haben 450 Mitglieder. Blau und Rot konnten nach eigenen Angaben zuletzt zulegen. „In den letzten zwei Monaten konnten wir 250 neue Mitglieder begrüßen”, sagt Egger, „auf dem wollen wir weiter aufbauen.”

Idee aus der Wirtschaft

Peter Hajek, Politologe und Meinungsforscher in Wien, nennt die Werbeschiene der Ländle-FP „recht innovativ und neu”, die er in der Politik so zum erstenmal wahrnehme. In der Wirtschaft werde dieses Konzept seit längerem angewandt. „Die FPÖ will neue Mitglieder binden und kann den Zuwachs PR-technisch dann auch noch verwenden.” Wie wertet Hajek den Hauptpreis, das Treffen mit Strache? „Auch das ist nicht schlecht, weil man davon ausgehen kann, dass FPÖ-Parteimitglieder ideologisch gebundene Menschen sind, für die ein Treffen mit Strache durchaus bedeutsam sein mag.”

 

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