Pariser streiten über Strandordnung

Eine Moraldiskussion um Badekleidung an den Ufern der Seine schlägt in Paris hohe Wellen. Schon seit 2002 sind blanke Brüste, String-Tangas oder gar FKK streng verboten.

Seitdem die Zeitung „Le Parisien“ am Samstag eine Geschichte über die geltende Kleiderordnung bei der noch bis zum 20. August gehenden Strandparty „Paris-Plages“ veröffentlichte, wird in der französischen Hauptstadt äußerst kontrovers, aber nicht ohne Augenzwinkern über das korrekte Outfit vor allem für Damen gestritten.

„Le Parisien“ hatte nicht wenige mit der Ankündigung schockiert, es seien am improvisierten Stadtstrand weder Strings erlaubt noch würde oben ohne geduldet. Der sozialistische Bürgermeister Bertrand Delanoe wolle so gegen „Versuchungen und gefährliches Verhalten“ kämpfen. Die Stadtverwaltung gebe der Verordnung nicht genug Publizität, wetterte das Blatt.

Stunden später sah sich die Stadtverwaltung immerhin veranlasst, diesen Bericht ins rechte Sonnenlicht zu rücken und konterte kühl: Alles olle Kamellen. „Nichts Neues unter der Sonne“, ließ Delanoe in einer Pressemitteilung verkünden.

Seit dem ersten Strandfest im Sommer 2002 sind blanke Brüste, String-Tangas oder gar FKK streng verboten. Dies ist Teil einer sieben Punkte umfassenden Strandordnung für die Ufer der Seine, an denen sich Stressgeplagte und Sonnenhungrige mitten in der Millionenstadt erholen können. Verboten sind überdies „aggressives Verhalten“ und „lärmende Geräte und Instrumente“.

Nicht alle der geschätzten jährlich vier Millionen Besucher wollen die Beschränkungen gelten lassen. Der Abgeordnete der Grünen, Denis Baupin, empörte sich: „Am Strand wollen die Leute die Sonne ausnutzen und dann auch einen String-Tanga oder einen Monokini tragen.“ Eine Frau mit Namen Caroline wunderte sich über den Bürgermeister, der eigentlich als besonders modern und tolerant gilt: „Das erstaunt mich von Bertrand Delanoe.“

Für Gerald stammt das alles aus einer längst vergangenen Zeit. „Die Werbeplakate in der Metro sind wesentlich unanständiger“, sagte er. Die Strandordnung erntet aber auch Zustimmung: „Man sollte sich vor kleinen Kindern nicht unzüchtig zeigen“, meinte eine Bikini-Schönheit im Fernsehen.

Glaubt man der Stadtverwaltung, wird viel Lärm um nichts gemacht. Die 35 Sicherheitsleute, die am Tage am Seine-Strand patrouillieren, und ihre 50 Kollegen, die zwischen 22.30 Uhr und 1.00 Uhr morgens Streife laufen, haben bisher noch niemandem einen Strafzettel über 38 Euro an die Badehose heften müssen.

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