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Paris: Versammlungsverbot gegen Krawalle

Die Pariser Polizei wegen befürchteter Krawalle für das Wochenende ein Versammlungsverbot für die französische Hauptstadt verhängt. Nach 15 Krawallnächten seien für Samstag weitere Ausschreitungen geplant.

Gefährdet sei dabei auch die Innenstadt. Am Freitag – ein Feiertag, an dem Frankreich des Weltkriegsendes 1918 gedenkt – war die Polizei in erhöhter Alarmbereitschaft.

Auf den Straßen patrouillierten Polizeitrupps mit Sprengstoff-Spürhunden und überwachten die Vorbereitungen der Feierlichkeiten am Triumphbogen, an denen auch Präsident Jacques Chirac teilnahm. Eine gegen die Krawalle gerichtete Demonstration am Eiffelturm fiel kleiner aus als erwartet. In den vergangenen Nächten war die Gewalt auf den Straßen stetig zurückgegangen. Einzig in den Pariser Vororten, in denen die Krawalle nach dem Tod zweier Jugendlicher begonnen hatten, stieg die Zahl der Brandstiftungen in der Nacht an.

In Paris soll zwischen 10.00 Uhr am Samstagmorgen bis 8.00 Uhr am Sonntagmorgen jede Versammlung verboten sein, die zu Unruhen und Provokationen führen könnte, teilte die Polizei am Freitag mit. Der Polizeichef der Stadt, Pierre Mutz, warnte, die Gewalt könne am Wochenende auch im bisher weitgehend verschonten Zentrum der Hauptstadt ausbrechen. „In den vergangenen Tagen wurden auf Internetseiten und SMS-Telefonmitteilungen zu Treffen in Paris und Gewaltaktionen in Paris aufgerufen“, sagte er. Mutz verbot den Transport und Verkauf von Benzin in Kanistern, um so den Einsatz von Molotow-Cocktails einzuschränken. Rund 3000 zusätzliche Beamte wurden allein in der Hauptstadt mobilisiert. Wegen der Gedenkfeier wurde der Polizeieinsatz besonders an den Champs Elysees verstärkt.

Rund 200 bis 300 Demonstranten forderten am Eiffelturm ein Ende der Randale. „Ja zum Frieden“ und „Nein zur Gewalt“ stand auf den Plakaten der Protestierenden. Gleichzeitig riefen sie die Regierung auf, den wütenden Jugendlichen zuzuhören. „Ich bin gegen die Gewalt, aber ich denke, die Regierung muss auf die Armut in den Vororten reagieren“, sagte eine 24-jährige Demonstrantin.

Polizeiangaben zufolge wurden in der Nacht landesweit 463 Fahrzeuge in Brand gesetzt. Dies entsprach einem weiteren leichten Rückgang gegenüber der Vornacht. 201 Menschen wurden festgenommen. Im Großraum Paris registrierte die Polizei dagegen eine neuerliche Zunahme von 84 auf 111 Brandstiftungen. „Dies bestätigt den allgemeinen Trend einer allgemeinen Entspannung mit einigen Ausnahmen in der Region von Paris“, sagte Frankreichs Polizeichef Michel Gaudin vor Journalisten. „Wir werden an diesem Wochenende im Großraum Paris besonders wachsam sein.“ Den Zahlen aus den jüngsten Nächten zufolge haben die schlimmsten Unruhen, die Frankreich seit Jahrzehnten erlebt, am vergangenen Sonntag ihren Höhepunkt überschritten.

Viele Jugendliche werfen der Polizei aber vor, mit einem harten Vorgehen immer wieder neue Krawalle zu provozieren. „Die Polizei schmeißt mit Beleidigungen genau so um sich wie alle anderen“, sagte ein Jugendlicher in dem Pariser Vorort Grigny. „Wie bei einem Fußballspiel“ hätten Polizisten gefeiert, nachdem sie einem Randalierer ins Bein geschossen hätten, berichtete sein Bruder.

Am Donnerstagabend suspendierten die Behörden acht Beamte vom Dienst und leiteten Ermittlungen gegen sie ein, weil sie einen randalierenden Jugendlichen in einem der Vororte von Paris geschlagen hatten. Der junge Mann sei dabei leicht verletzt worden, teilte die Polizei mit. Demnach hatten zwei der Polizisten auf den Jugendlichen eingeschlagen und die übrigen sechs zugesehen, ohne einzuschreiten.

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