Papst traf mit Missbrauchsopfern zusammen

Papst Benedikt XVI. hat am Montag zum zweiten Mal Männer und Frauen getroffen, die in jungen Jahren von Priestern sexuell missbraucht worden sind. Kurz vor seiner Abreise aus Australien lud er vier Opfer und Vertreter von Opferverbänden zu einer privaten Messe.

Anschließend hörte er ihre Erfahrungen an und sprach ihnen sein tiefes Mitgefühl für das erfahrene Leid aus. Er verabschiedete sich danach von den Freiwilligen des Weltjugendtages. Seine Maschine hob um 2.33 MESZ in Sydney ab. Das Flugzeug sollte nach einem Tankstopp in Darwin gegen 23.00 Uhr MESZ in Rom landen.

Der Papst habe den Opfern Trost gespendet und versprochen, für sie und ihre Familien zu beten, teilte der Vatikan mit. Das Treffen stand nicht auf dem Programm und wurde erst bekanntgegeben, als der Papst die Kathedrale bereits verlassen hatte. Das erste Treffen dieser Art hatte im Frühjahr bei der Papst-Reise in die USA stattgefunden. Es galt als historischer Schritt für eine Versöhnung zwischen der Kirche und den Opfern. Viele Diözesen hatten die Skandale jahrelang vertuscht. Allein in Australien sind mehr als 100 Priester wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden.

“Durch seine väterliche Geste wollte der Heilige Vater erneut sein tiefes Mitgefühl für alle demonstrieren, die sexuell missbraucht worden sind”, teilte der Vatikan mit. Mit dem Treffen erfüllte Papst Benedikt eine der Hauptforderungen der Opferverbände. Er hatte die Skandale bereits am Samstag bei einer Messe mit australischen Bischöfen scharf verurteilt und den Opfern sein Mitgefühl ausgedrückt. Opferverbände klagten aber, dass diese Messe hinter verschlossenen Türen stattgefunden hatte und Opfer nicht persönlich dabei waren.

“Das Treffen zeigt den kontinuierlichen Einsatz der Kirche in Australien, denjenigen, die durch sexuellen Missbrauch so schwer verletzt worden sind, Heilung und Gerechtigkeit zu Teil werden zu lassen”, teilte die Erzdiözese von Sydney mit. Angehörige von Opfern und Verbände hatten Erzbischof George Pell mehrfach vorgeworfen, sich nicht genügend um die Opfer zu kümmern. In seiner Zeit als Bischof von Melbourne hatte er in seiner Diözese eine Obergrenze von 50.000 australischen Dollar (rund 30.000 Euro) für Kompensationszahlungen an Opfer festgelegt.

Kritik kam von der Opfergruppe Broken Rites, die von tausenden von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche Australiens ausgeht. Der Papst sei mit vier sorgfältig ausgewählten Menschen zusammen getroffen, bei denen klar gewesen sei, dass sie keinen Ärger machen würden, sagte Sprecher Bernard Barrett. Er kritisierte das Treffen als zynisch. Es habe nur den PR-Interessen des Vatikans gedient und ändere nichts an der Wirklichkeit. Die Gruppe fordert mehr finanzielle und psychologische Hilfe für die Opfer.

Am Samstag hatte sich der Papst ausdrücklich und öffentlich für den sexuellen Missbrauch von Kindern durch katholische Geistliche entschuldigt. Er wolle “innehalten, um die Scham einzugestehen, die wir alle empfunden haben aufgrund des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen … in diesem Land”, sagte der Papst vor australischen Geistlichen. “Diese Vergehen, die einen so schweren Vertrauensbruch darstellen, verdienen eine eindeutige Verurteilung.”

Das Oberhaupt der katholischen Kirche hatte in Sydney am Weltjugendtag teilgenommen und am Sonntag mit 350.000 Gläubigen einen Abschlussgottesdienst gefeiert. “Was für eine wunderbare Erfahrung dies war!” sagte der Papst kurz vor der Abreise. “Eine Woche, die uns allen lange in Erinnerung bleiben wird.”

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