AA

Papst spricht Bosnier Ivan Merz selig

Papst Johannes Paul II. hat am Sonntag in Bosnien-Herzegowina den 1928 verstorbenen katholischen Intellektuellen Ivan Merz selig gesprochen.

Merz hatte sich zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts zum Zölibat bekannt und sein Leben in den Dienst der Kirche gestellt. Er starb mit nur 32 Jahren an einer Hirnhautentzündung.
Die katholische Kirche in Bosnien-Herzegowina erklärte, Merz’ Einsichten seien auch heute noch von großer Bedeutung. Im vergangenen Jahr hatte der Vatikan ein von Merz bewirktes Wunder anerkannt, die Heilung eines jungen Mädchens. Die Seligsprechung durch den Papst geht einer Heiligsprechung voraus.

Bei einer Messe auf einem Klostergelände in der bosnisch-serbischen Stadt Banja Luka bat der 83-jährige Papst um Vergebung für Grauen von Katholiken auf dem Balkan. Zugleich rief er die Völker auf, sich nach den Grauen des Balkankrieges gegenseitig zu verzeihen und zu versöhnen. „In dieser Stadt, die im Laufe der Geschichte so viel Leid und Blutvergessen erlebte, bitte ich den allmächtigen Gott um Gnade für die Sünden auch von Söhnen der katholischen Kirche“, sagte er.

Der Papst sprach in diesem Zusammenhang von Sünden gegen die Menschlichkeit, von Verletzungen der menschlichen Würde und der Freiheit. „Nur in einem Klima der echten Versöhnung wird die Erinnerung an die vielen unschuldigen Opfer nicht vergeblich sein“, rief der Papst Zehntausenden Gläubigen zu.

In Banja Luka haben serbische Truppen, die mehrheitlich orthodoxen Glaubens sind, im Zuge ihrer „ethnischen Säuberungen“ Anfang der 90er Jahre Zehntausende katholischer Kroaten sowie Muslime vertrieben. Sie zerstörten damals mehr als 230 katholische Kirchen und über 600 Moscheen. Nur ein Bruchteil der Katholiken kehrte seitdem zurück.
Zu Beginn seines eintägigen Besuches hatte der Papst eine Fortsetzung des internationalen Engagements in dem Land gefordert und sich zugleich für einen künftigen EU-Beitritt des Landes eingesetzt.Wörtlich sagte Johannes Paul II. zum Auftakt seiner 101. Auslandsreise: „Ich kenne die lange Prüfung, die ihr erleben musstet, die Last des Leids, das täglich euer Leben begleitet, die Versuchung der Entmutigung und der Resignation, die euch bedroht“.

Der Papst appellierte, das Land weiterhin zu unterstützen, damit es „bald eine Situation der völligen Sicherheit in Gerechtigkeit und Eintracht erreicht“. Er hoffe, dass Bosnien-Herzegowina nach der Lösung der heutigen Probleme Teil des vereinigten Europa in Wohlstand, Freiheit und Frieden werden könne. Die Bevölkerung des Landes rief er auf, trotz der gegenwärtigen Schwierigkeiten nicht zu resignieren.

Der Neuanfang sei nicht einfach, er erfordere Opfer, Beständigkeit und Geduld, doch er sei möglich, betonte der Papst. Um der Gesellschaft Vertrauen zurückzugeben, sei eine Reinigung des Gedächtnisses und gegenseitiges Verzeihen nötig. Eine schwere Verantwortung laste auf den Politikern des Landes. Sie dürften sich von den gegenwärtigen Schwierigkeiten nicht entmutigen lassen und nicht Partikularinteressen in den Vordergrund stellen. Die katholische Kirche wolle mit ihren Mitteln im Schulwesen und im karitativ-sozialen Bereich ihren Beitrag zum Wiederaufbau von Bosnien-Herzegowina leisten.
Die drei Mitglieder des kollektiven bosnischen Staatspräsidiums haben Papst Johannes Paul II. die Rückgabe aller während des Krieges 1992-1995 gestohlenen Kirchengüter zugesagt. Es handele sich um die Güter der beiden christlichen Kirchen – der katholischen und der orthodoxen – sowie der islamischen und der jüdischen Kirchengemeinschaften.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Welt
  • Papst spricht Bosnier Ivan Merz selig
  • Kommentare
    Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.