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Papst: Rückbesinnung auf die Bibel

Mit einem Angelusgebet und Segenswünschen hat Papst Benedikt XVI. am Sonntag zu Mittag seinen großen Gottesdienst auf dem Münchner Messegelände beendet.   |  

Vor 250.000 Menschen und unter freiem Himmel hatte der Papst zuvor die westliche Welt zur Rückbesinnung auf die christlichen Werte aufgefordert. „Es gibt eine Schwerhörigkeit Gott gegenüber, an der wir gerade in dieser Zeit leiden“, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche in seiner Predigt.

Der Papst forderte die Deutschen auf, sich wieder mehr auf die Bibel zu besinnen: „Die katholische Kirche in Deutschland ist großartig durch ihre sozialen Aktivitäten, durch ihre Bereitschaft zu helfen, wo immer es Not tut“, sagte Benedikt. Aber wenn es etwa um Projekte zur Evangelisierung gehe, herrsche in Deutschland große Zurückhaltung.

Die Gläubigen begrüßten den Papst bei seinem ersten Gottesdienst während seines sechstägigen Aufenthalts in Bayern mit anhaltendem Jubel und „Benedetto“-Rufen. Vor allem aus dem Freistaat nahmen Menschen an der Messe teil, aber auch aus dem übrigen Deutschland und mehr als einem Dutzend weiterer Länder. Zu den Teilnehmern gehörten auch der deutsche Bundespräsident Horst Köhler und Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU). Auch mehr als 100 Kardinäle und Bischöfe waren aus zahlreichen Ländern angereist, um mit dem Papst die Eucharistie zu feiern. Nach offenbar erfolgreichen Appellen der Polizei, sich rechtzeitig auf den Weg zu dem Freigelände neben den Münchner Messehallen zu machen, blieb das befürchtete Verkehrschaos aus.

Der Papst hinterfragte in seiner immer wieder von Applaus unterbrochenen Predigt den Zustand des Glaubens in Europa. „Wir können ihn einfach nicht mehr hören – zu viele andere Frequenzen haben wir im Ohr“, sagte er zum Verhältnis der Menschen der westlichen Welt zu Gott. Dabei verwies er auf die Menschen in Afrika und Asien, die zwar die technischen Leistungen Europas bewunderten, aber zugleich davor erschreckten, wie dort Gott aus dem Blickfeld der Menschen ausgegrenzt werde. „Liebe Freunde! Dieser Zynismus ist nicht die Art von Toleranz und kultureller Offenheit, auf die die Völker warten und die wir alle wünschen. Die Toleranz, die wir brauchen, schließt die Ehrfurcht vor Gott ein.“

Der Papst forderte die Deutschen auf, sich wieder auf das Evangelium zu besinnen. „Offenbar herrscht da doch bei manchen die Meinung, die sozialen Projekte müsse man mit höchster Dringlichkeit voranbringen; die Dinge mit Gott oder gar mit dem katholischen Glauben, die seien doch eher partikulär und nicht gar so wichtig.“ Das Soziale und das Evangelium seien aber nicht zu trennen, mahnte der Papst. Dabei nannte er die Immunschwächekrankheit Aids, die von „ihren tiefen Ursachen her“ nur über eine Besinnung auf die moralischen Maßgaben von Jesus Christus bekämpft werden könne.

Joseph Ratzinger hält sich für sechs Tage in seiner bayerischen Heimat auf, um Stationen aus seiner Zeit als junger Priester und späterer Theologie-Professor und Kardinal zu besuchen. Außer in München will er noch in Altötting und Regensburg öffentliche Großgottesdienste zelebrieren.

Zugang zu dem Gottesdienst bekam nur, wer sich im Vorfeld eine kostenlose Eintrittskarte beschafft hatte. Nach Auskunft der Erzdiözese konnten nicht mehr als die 250.000 Anwesenden zugelassen werden, vom Interesse her hätten auch doppelt so viele Karten vergeben werden können. Viele der Anwesenden nahmen große Strapazen für den Gottesdienst auf sich: Sie brachen mitten in der Nacht auf, um noch rechtzeitig in die Nähe des aus Sicherheitsgründen weiträumig abgesperrten Geländes zu kommen. Nach teils bis zu zweistündigen Fußmärschen mussten sie dann stehend oder auf dem Boden hockend ausharren, da außer für Ehrengäste und behinderte Menschen keine Sitzgelegenheiten vorhanden waren.

Der Papst feierte den Gottesdienst zusammen mit mehr als 60 Bischöfen und Kardinälen aus aller Welt. Unter ihnen war der scheidende Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, und der Kölner Kardinal Joachim Meisner.

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