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Papst ist wieder im Vatikan

Frühestens für Montag war mit einer Rückkehr des Papstes gerechnet worden. Doch schon am Sonntag hieß es: "Er kehrt im Einverständnis mit den behandelnden Ärzten zurück, wo er seine Genesung fortsetzt."

Eine halbe Stunde zuvor hatte Johannes Paul II. noch persönlich die große Menschenmengevor der Gemelli-Klinik verblüfft. Nach dem Angelusgebet, das er wie schon am Sonntag zuvor stumm per Videoschaltung mitgebetet hatte, ließ er sich am Fenster plötzlich ein Mikrofon reichen und begrüßte die wartenden Gläubigen. Pilger aus aller Welt, vor allem Italiener, Mexikaner, Polen und Amerikaner, brachen in frenetischen Jubel aus, als sie die vertraute Stimme rau, aber erstaunlich kräftig hörten. Zum ersten Mal seit drei Wochen hatte der Papst wieder direkt zu den Gläubigen gesprochen und damit alle Spekulationen um einen drohenden Verlust der Sprechfähigkeit zum Verstummen gebracht.

Die freudige Überraschung über die unangekündigte Wortmeldung des Papstes war noch nicht abgeklungen, als die Nachricht aus dem Vatikan eintraf, Johannes Paul II. werde in wenigen Stunden wieder an seinen Amtssitz zurückkehren. Unter den Medienvertretern, die seit Wochen vor und in der Klinik auf neue Nachrichten warteten, machten gleich neue Spekulationen die Runde – diesmal jedoch positive. Manche Journalisten wagten die Prognose, dass der Papst nun wohl doch an einigen Gottesdiensten der Heiligen Woche teilnehmen könne.

Die Rückkehr selbst inszenierte der Vatikan wie schon beim letzten Mal so, dass sie in den Medien zur besten Sendezeit übertragen werden konnte. Beifall und „Viva il Papa“-Rufe“ begleiteten den 84-Jährigen, als er das Gelände des Krankenhauses verließ und wenig später in den Vatikan einfuhr.

Trotz der großen Erleichterung, die angesichts der fortschreitenden Genesung des Papstes in der Kurie schon seit Tagen zu spüren ist, gibt sich kaum jemand im Vatikan der Hoffnung hin, nun werde wieder alles seinen gewohnten Gang gehen. Die körperliche Schwäche des Pontifex ist offensichtlicher denn je, und wie ein Damoklesschwert hängt die Sorge um einen weiteren Rückfall oder eine plötzliche Infektion der Atemwege über allem. Der Papst selbst nimmt die Situation offenbar gelassener als manche seiner Mitarbeiter. Er ließ es sich kurz vor seinem Abschied aus der Klinik nicht nehmen, in einer schriftlichen Botschaft den vielen Medienleuten zu danken, die ihn während der vergangenen Wochen begleitet und tagelang bei Wind und Wetter in ihrem Camp draußen vor der Klinik ausgeharrt hatten.

Bis zum Lebensende mit Tubus

Papst Johannes Paul II. wird nach Einschätzung von Medizinern vermutlich sein Leben lang mit einer Beatmungsröhre leben müssen. Damit steige für ihn auch die Gefahr einer Infektion, da die natürlichen Filtermechanismen gegen Bakterien und Viren fehlten.

Wie Experten aus Italien und Großbritannien am Montag übereinstimmend erklärten, könne ein dauerhaft eingesetzter Tubus notwendig sein, weil das 84-jährige Kirchenoberhaupt an Parkinson leide. Dadurch werde die Muskeltätigkeit stark eingeschränkt, was sich auch negativ auf die Atmung auswirke.

„Die Ärzte haben offensichtlich befürchtet, dass sich die Atemnot wiederholen könnte. Deshalb haben sie sich wohl entschieden, den Tubus nicht zu entfernen“, sagte Khalid Ghufoor vom St.-Bartholomew-Krankenhaus in London. „Natürlich ist jemand, der durch die Luftröhre atmet, anfälliger für Infektionen als jemand, der durch die Nase und den Rachen atmet“, erläuterte Roberto Filipo, ein Rachenspezialist von der Universität in Rom. Das Infektionsrisiko könne aber gesenkt werden, wenn der Tubus regelmäßig und gründlich gereinigt werde, waren sich die Experten einig.

Johannes Paul II. war am 24. Februar in einer Notoperation ein Luftröhrenschnitt gesetzt worden, um eine akute Atemnot zu lindern. Am Sonntag hatte sich das Kirchenoberhaupt soweit erholt, dass es das Gemelli-Krankenhaus in Rom verlassen konnte, allerdings wurde der Tubus nicht entfernt. Der Pontifex soll seine Atem- und Sprachtherapie nun im Vatikan fortsetzen.

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