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Papst ernennt neue Nummer Zwei

Revolution im vatikanischen Staatssekretariat. Papst Benedikt XVI. hat den Erzbischof von Genua, Kardinal Tarcisio Bertone, zum neuen Kardinalstaatssekretär ernannt.

Der 71-Jährige, der schon früher enger Mitarbeiter von Joseph Ratzinger war, soll am 15. September die Nachfolge von Angelo Sodano als „Nummer zwei“ im Vatikan antreten. Sodano war fast 16 Jahre Kardinal-Staatssekretär und hat mit 78 Jahren die vatikanische Altersgrenze längst überschritten.

Mit der Ernennung Bertones tritt erstmals seit langem ein Kirchenmann an die Spitze des Staatssekretariats, der nicht aus dem diplomatischen Dienst stammt. Bertone, ein Salesianer Don Boscos, war zwischen 1995 und 2002 Sekretär in der Glaubenskongregation und damit der engste Mitarbeiter des damaligen Kardinal-Präfekten Joseph Ratzinger, ehe er Erzbischof von Genua wurde.

Bertone trat nach der Schulzeit im Jahre 1950 in die Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos ein. 1960 wurde er zum Priester geweiht und lehrte nach seiner Promotion aus Kirchenrecht an Universitäten in Rom. 1991 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Erzbischof von der Erzdiözese Vercelli, der er bis 1995 als Oberhirte vorstand. Dem Kardinalskollegium gehört er seit dem 21. Oktober 2003 als Kardinalpriester an.

„Es ist der präzise Wille des Heiligen Vaters, mich wieder bei sich in Rom zu haben“, sagte der bisherige Erzbischof von Genua nach seiner Ernennung am Donnerstag. Nach den vier Jahren pastoraler und kultureller Aktivitäten in der Genueser Kirche sei der neue Posten für ihn wie „eine kopernikanische Revolution“. Er beuge sich dem Willen des Papstes, sagte der Kardinal. Sodano wünschte seinem Nachfolger das Beste. Er dankte Benedikt XVI., der ihm sein Vertrauen bestätigt hatte, obwohl er die Altersgrenze von 75 Jahren schon lange überschritten hatte.

Der Papst gab am Donnerstag eine weitere Personalentscheidung bekannt. Er ernannte den bisherigen vatikanischen „Außenminister“, Erzbischof Giovanni Lajolo, zum Präsidenten der Kommission für den Vatikanstaat. Lajolo ersetzt Kardinal Edmund Casimir Szoka, der aus Altersgründen dem Papst seinen Rücktritt einreichte. Auch hier soll der Amtswechsel am 15. September erfolgen.

Lajolo war 2003 zum vatikanischen Chefdiplomaten ernannt worden. Er wurde 1935 in Novara in der norditalienischen Region Piemont geboren. Nach philosophischen und theologischen Studium in seiner Heimatstadt, in Irland und an der „Gregoriana“ in Rom empfing er 1960 die Priesterweihe. Es folgte das Studium des Kirchenrechts in München, das er 1965 mit der Promotion über die modernen Konkordate abschloss.

Nach seiner Diplomaten-Ausbildung 1968/69 kam Lajolo 1970 als Attache an die Nuntiatur in Bonn. Während seiner Tätigkeit im vatikanischen „Außenministerium“ von 1974 bis 1979 gehörte Lajolo zu den engsten Mitarbeitern des Erzbischofs und späteren Kardinals Agostino Casaroli. Mittel- und Nordeuropa und damit auch die Probleme des geteilten Deutschlands waren schon damals sein „Spezialfach“.

Der seit mehr als einem Jahr amtierende Papst Benedikt XVI. krempelt die Kurie langsam um. Im Mai hatte er den indischen Kardinal Ivan Dias zum neuen Leiter der weltweiten Missionsarbeit der katholischen Kirche ernannt. Der 70-Jährige folgt als Präfekt der Kongregation für die Evangelisierung der Völker dem Italiener Crescenzio Sepe nach, der als Erzbischof nach Neapel wechselt.

Im Zuge des personellen Umbaus in der Kurie will auch der langjährige Vatikan-Sprecher Joaquin Navarro-Valls aufhören. „Ich habe den Papst, bei allem Respekt, wissen lassen, was meine Wünsche sind“, sagte der 69-jährige Spanier dem italienischen Fernsehen am vergangenen Wochenende. „Nach vielen Jahren, vielleicht zu vielen, wäre ein Wechsel gut für mich.“

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