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Papst: Dialog mit Lefebvre-Traditionalisten

Papst Benedikt XVI. hat den Dialog mit den katholischen Traditionalisten aufgenommen, deren verstorbener Anführer, der französische Erzbischof Marcel Lefebvre, 1988 von Johannes Paul II. exkommuniziert worden war.

Der Papst empfing am Montag in seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo den Nachfolger Lefebvres, Bischof Bernard Fellay. Nach Angaben des Vatikanischen Pressesaales fand die Zusammenkunft in einem „Klima der Liebe zur Kirche“ statt. Die Zusammenkunft gilt als Versuch, die ultrakonservative Bewegung in den Schoß der Kirche zurückzuholen.

„Das Treffen fand in einem Klima der Liebe zur Kirche und in dem Wunsch nach vollständiger Gemeinschaft statt“, sagte Vatikansprecher Joaquin Navarro Valls. Zugleich betonte er die Schwierigkeiten auf dem Weg zur Einheit. Daher habe man „den Willen gezeigt, schrittweise und zur gegebenen Zeit voranzugehen“. Fellay, Generaloberer der Priesterbruderschaft „St. Pius X.“, hatte vor der Begegnung angekündigt, dass er den Papst zur Aufhebung der Exkommunikation und zur uneingeschränkten Zulassung des alten Messritus auffordern werde. Die lateinische Messe, wie sie von Pius V. (1566-72) festgelegt wurde, darf in der römisch-katholischen Kirche seit der Liturgiereform von 1970 nur noch mit ausdrücklicher Genehmigung gefeiert werden. Die Traditionalisten mit ihrer Zentrale in Econe in der Schweiz haben mehr als 200.000 Anhänger in rund 40 Staaten, darunter auch in Österreich.

An dem Gespräch nahmen auch Kurienkardinal Dario Castrillon Hoyos und Fellays Stellvertreter Pater Franz Schmidberger teil. Die Priesterbruderschaft St. Pius X. erwartete sich von der Zusammenkunft „ein positives Zeichen für die Tradition“. Es gehe nicht um eine „Lösung“, sondern darum, „dass die Stimme der Tradition in Rom gehört“ werde, hieß es auf der Internet-Seite der Traditionalisten-Gemeinschaft. Vatikanexperten italienischer Zeitungen meinten am Montag, eine mögliche Einigung liege in weiter Ferne. Auch der Distriktsobere der Pius-Bruderschaft für Deutschland, Pater Nikolaus Pfluger, warf den „verantwortlichen Autoritäten“ in der Kirche vor, „zu sehr in der modernistischen Haltung festgefahren“ zu sein, um die geforderten „Vorleistungen“ – Freigabe der alten Messe und Aufhebung der Exkommunikation – zu erbringen. Grund für die seinerzeitige Exkommunikation war, dass Lefebvre, ehemaliger Erzbischof von Dakar (Senegal) und Tulle (Frankreich), gegen den Willen von Johannes Paul II. vier Bischöfe geweiht hatte, unter ihnen Fellay.

Hinsichtlich der traditionalistischen Kritik am Konzil sei die Verständigung noch viel schwieriger, so Pfluger. Immerhin sei Benedikt XVI. zusammen mit Hans Küng „der letzte Vertreter des Konzils, der daran aktiv mitgearbeitet hat“. Das Konzil war nach Meinung der Lefebvre-Anhänger ein „Verrat am katholischen Glauben“. Fellay hatte die Wahl von Kardinal Joseph Ratzinger zum Papst als Ausdruck einer Absage an den „Progressismus“ begrüßt. Er sehe darin „einen Hoffnungsschimmer für die Überwindung der tiefen Krise, welche die Kirche erschüttert“. Anlass zur Hoffnung gäben Ratzingers Aussagen vom Karfreitag, als er das „neue Heidentum“, den „Schmutz“ und den „Hochmut“ in der Kirche geißelte und diese mit einem schlingernden Schiff in Seenot verglich. Im Vatikan besteht seit 1988 eine eigene Kommission „Ecclesia Dei“ für die Wiedereingliederung der Traditionalisten. Kardinal Ratzinger hatte dieser Kommission von 2001 bis zur Papstwahl angehört.

In Österreich bestehen mehrere St.-Pius-X.-Priorate und der Distriktsitz im niederösterreichischen Schloss Jaidhof, wo auch Exerzitien für Gläubige aus osteuropäischen Staaten stattfinden. Auf Initiative von Volksanwalt Ewald Stadler kämpft eine Gruppe darum, ihre Kirchensteuer an die Priesterbruderschaft zahlen zu dürfen.

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