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Pamplona: Zwischen Mut und Leichtsinn

Als Ernest Hemingway in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts erstmals die Stiertreiben von Pamplona miterlebte, hatte sich kaum mehr als eine Hand voll Fremde dorthin verirrt.

Dass das Spektakel heutzutage bis zu einer halben Million Menschen anzieht, darunter zahllose ausländische Touristen, hat die nordspanische Kleinstadt vor allem dem US-Schriftsteller zu verdanken: In seinem Roman „Fiesta“ setzte Hemingway (1899-1961) der Stierhatz 1926 ein literarisches Denkmal.

An diesem Donnerstag (7. Juli) ist es wieder soweit. Nach dem Abschuss einer Rakete öffnen Helfer um genau 8.00 Uhr das Gatter und lassen jeweils sechs Kampfstiere und sechs Leitochsen frei. Hunderte waghalsige junge Männer, die weiß gekleideten „mozos“, rennen dann vor den 600-Kilo-Kolossen durch die engen Gassen der Altstadt. Um die Bullen von sich fern zu halten, ist nur eine zusammengerollte Zeitung erlaubt. Die Hatz endet nach 825 Metern in der Arena. Dort werden die Stiere abends bei einer „corrida“ von den Toreros getötet.

Der Lauf dauert in der Regel kaum mehr als zwei Minuten. Er ist dennoch lebensgefährlich. Seit 1924 kamen 14 Teilnehmer ums Leben, der bisher letzte von ihnen vor zwei Jahren. Sie waren von den Stieren auf die Hörner genommen oder zu Tode getrampelt worden. Jedes Jahr werden auch viele Teilnehmer verletzt, 432 waren es im vorigen Sommer. Oft sind unerfahrene Urlauber die Opfer. Sie wissen nicht, was sie tun sollen, wenn es brenzlig wird: Die Profis werfen sich auf den Boden, verschränken die Arme über dem Kopf und bleiben regungslos liegen, bis die Bullen vorbeigerannt sind.

Die meisten Verletzungen gehen nicht auf die Stiere zurück, sondern auf Stürze von Teilnehmern. Oftmals ist der Andrang auf der Strecke so groß, dass die Läufer sich gegenseitig behindern und auf dem holprigen Kopfsteinpflaster stolpern. Während die echten „mozos“ sich monatelang auf die Hatz vorbereiten, riskieren viele ausländische Möchtegern-Toreros auf der Suche nach dem ultimativen Adrenalinkick jedes Jahr leichtsinnig Haut und Kragen. Nicht selten gehen sie nach einer durchzechten Nacht auf die Strecke, versuchen, die Stiere zu reiten oder sie am Schwanz zu packen. Damit bringen sie nicht nur sich selbst, sondern auch andere in Gefahr: Die Tiere bleiben stehen, drehen sich um und gehen gezielt auf einzelne Läufer los.

„Die Leute erscheinen in Badelatschen und noch halbbetrunken“, empört sich Javier Itoiz, einer der erfahrensten Läufer Pamplonas. Wie andere Veteranen fordert er strengere Kontrollen, um Risiko-Teilnehmer von der Hatz auszuschließen. Dieses Jahr will die Stadt jeden Morgen 5.000 Flugzettel auf Spanisch und Englisch mit Ratschlägen für die Besucher verteilen.

Die bis zum 14. Juli dauernden Stiertreiben („encierros“) wurzeln in einem jahrhundertealten Brauch: Die Tiere mussten seinerzeit von den Feldern durch die Stadt in die Stierkampfarena oder die Schlachthöfe getrieben werden. Das Spektakel ist der Höhepunkt der Feiern zu Ehren von Pamplonas Schutzheiligem San Fermin. Dieses Jahr lässt sich die 185.000 Einwohner zählende Stadt das Fest 2,9 Millionen Euro kosten.

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