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Palästinenser für Türkei-Vermittlerrolle

Die Palästinenserführung hat die Türkei am Montag zu einer größeren Vermittlerrolle in Nahost aufgerufen. Unterdessen erklärte der israelische Kabinettsminister Natan Sharansky seinen Rücktritt.

Präsident Mahmud Abbas sagte nach einem Treffen mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan, Ankara könne eine größere Rolle spielen und den Dialog fördern, wenn Israel dies auch wünsche. Erdogan sagte, der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon habe ihn ebenfalls zu einem solchen Engagement ermuntert. Zu Berichten, Israel lehne eine türkische Vermittlung in der Region ab, sagte er: „Das ist nicht das, was ich von Sharon gehört habe“.

Nach israelischen Medienberichten hatte der türkische Gast Sharon am Sonntagabend darum gebeten, Abbas mehr Zeit für Reformen zu geben. Nach dem Treffen mit Abbas führte Erdogan, der Israel und die Palästinensergebiete erstmals an der Spitze einer großen Delegation von Ministern und Wirtschaftsvertretern besuchte, Gespräche mit palästinensischen Geschäftsleuten.

Türkei plant engere Wirtschaftsbeziehungen

Ankara will in Ramallah eine Handelskammer eröffnen, um Wirtschaftsverbindungen zu fördern. Am Montagvormittag besuchte Erdogan in Jerusalems Altstadt den Tempelberg. Er besichtigte dort die Al-Aksa-Moschee und verrichtete ein kurzes Gebet, wie der israelische Rundfunk meldete. Moslems verehren den Tempelberg als Haram al-Sharif (Edles Heiligtum). Der Besuch fand unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Zahlreiche israelische und palästinensische Sicherheitsbeamte eskortierten den Ministerpräsidenten. Über der Moschee kreiste ein israelischer Hubschrauber. Die Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg ist die drittheiligste Stätte des Islams. Der Tempelberg ist auch eine heilige Stätte der Juden.

2003 griffen militante Moslems den ägyptischen Außenminister Ahmed Maher während eines Besuchs der Moschee an. Ägypten hatte damals Druck ausgeübt, um palästinensische Extremisten von Angriffen gegen Israel abzuhalten. Erdogan hatte am Sonntag in Israel die Einrichtung einer direkten Telefonverbindung auf Regierungsebene beschlossen. Auf diese Weise soll künftig ein enger Informationsaustausch insbesondere in der Terrorbekämpfung garantiert werden. Eine derartige Standleitung auf höchster Ebene gebe es auch schon mit den USA, Großbritannien, der EU und Russland, sagte Sharon am Sonntagabend nach einem Treffen mit Erdogan in Jerusalem.

Sharansky tritt zurück

Aus Protest gegen den Rückzug aus dem Gazastreifen erklärte unterdessen der israelische Kabinettsminister Natan Sharansky am Montag seinen Rücktritt. Im Armeerundfunk bezeichnete er die bevorstehende Räumung als „tragischen Fehler“, der die Kluft in der israelischen Gesellschaft vertiefen und die palästinensische Gewalt fördern werde. Sharon bedauerte den Rücktritt Sharanskys, der am Mittwoch wirksam wird. D

er einstige sowjetische Dissident, der 1986 nach Israel immigrierte, gehört zu den schärfsten Kritikern des von Sharon befürworteten Rückzugs aus dem Gazastreifen. In seinem Rücktrittschreiben an den Regierungschef bekräftigte er sein Nein zu dem Plan. Sharansky sprach von einseitigen Zugeständnissen Israels an die Palästinenser.

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