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Pakistan wieder am nuklearen Schwarzmarkt

Pakistan ist wieder in Sachen illegale Aufrüstung des Atomwaffenprogramms aktiv. Diplomaten bei der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) bezeichneten Pakistans Aktivitäten Dienstag als beunruhigend.

Zwar wolle das Land dem Anschein nach nur seinen eigenen Bedarf decken, aber auf die neuen Vertriebswege des Schwarzmarktes könnten auch Schurkenstaaten oder Terror-Gruppen zugreifen und damit in den Besitz von Atomwaffentechnologie gelangen. Für die UN-Atombehörde, die sich bemüht, den Schwarzmarkt für die Beschaffung von Nukleartechnologie auszuschalten, sind die neuen Erkenntnisse zu Pakistan ein Rückschlag. Die IAEO lehnte eine offizielle Stellungnahme ab.

„Pakistan ist dabei, sich Ausrüstung zu beschaffen“, sagte ein Diplomat, der vergangene Woche in Wien an einem Treffen der Gruppe der Nuklearlieferländer (NSG) teilgenommen hatte. Der NSG gehören 44 Staaten an. Unter ihnen sind auch die größten Hersteller von Nukleartechnologie wie die USA, Russland und China. Ein Diplomat, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte, die Zollfahnder seines Landes seien nicht überrascht gewesen, dass sich Pakistan Ausrüstung beschaffe.

Über Pakistan hat die NSG ein strenges Lieferverbot verhängt. Das Land hat erstmals 1998 erfolgreich eine Atomwaffe getestet. Weder das auch mit Atomwaffen ausgestattete Indien noch Pakistan haben den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet.

In Islamabad sagte ein Sprecher des Außenministeriums auf die Frage, ob Pakistan sich über den Schwarzmarkt mit Nukleartechnologie versorge, lediglich, er habe dazu keine neuen Informationen. Es sei aber klar, dass Pakistan nukleares Potenzial habe und natürlich Vorbereitungen treffen würde, um dieses zu erhalten, fügte der Sprecher hinzu.

Das Atomwaffenprogramm Pakistans geht auf den nationalen Wissenschaftler Abdul Quadeer Khan zurück. Khan baute ein illegales Netzwerk mit Briefkastenfirmen und Mittelsmännern auf, die die Lieferanten glauben machten, die nuklearen Bauteile seien nur für zivile Zwecke wie Energiegewinnung bestimmt.

Über das Netzwerk versorgte Khan auch den Iran und Libyen mit Atomtechnologie. Libyen löste sein jahrelang geheim gehaltenes Atomwaffenprogramm unter Aufsicht der IAEO auf, während der Streit um das Nuklearprogramm des Iran weiter anhält. Die USA verdächtigen das Land, unter dem Deckmantel der Stromerzeugung die Entwicklung von Atomwaffen zu verbergen. Der Iran bestreitet dies.

Khan wurde nach einer Untersuchung zum Verkauf atomarer Technologie an den Iran und Libyen von seinem Posten als wissenschaftlicher Berater entlassen. Er lebt in Pakistan unter Hausarrest. In den USA, Deutschland, Südafrika und Malaysia wurden in Zusammenhang mit den Ermittlungen zu Khans Netzwerk mehrere Personen verhaftet.

Der US-Atomexperte Joe Cirincione sagte, der Schwarzmarkt für nukleare Ausrüstung bestehe weiterhin, auch wenn Khan nicht mehr daran beteiligt sei. „Um das Netzwerk ist es nur stiller geworden“, sagte Cirincione. „Vielleicht agiert es jetzt nur noch ein wenig tiefer aus dem Untergrund.“

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