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Pakistan: Tote bei Karikatur-Demos

Die gewaltsamen Proteste gegen die umstrittenen Mohammed-Karikaturen haben am Dienstag in Pakistan einen neuen Höhepunkt erreicht und zwei Todesopfer gefordert.

Bei Protesten in der ostpakistanischen Stadt Lahore wurden zwei Menschen erschossen. Die Demonstranten wurden nach Angaben von Polizei und Augenzeugen von privaten Sicherheitsleuten getötet, als sie versuchten, eine Bankfiliale in Brand zu setzen. Weitere Menschen wurden verletzt. In Islamabad stürmten mehr als 1.000 Demonstranten das diplomatische Viertel. EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso stellte sich in dem Disput hinter Dänemark.

Der pakistanische Innenminister Aftab Khan Sherpao sagte, die Demonstranten hätten in Lahore eine Bank stürmen wollen und seien von einem Wachmann erschossen worden. Paramilitärische Truppe seien in die Stadt entsandt worden, um die Ordnung wiederherzustellen. Ziel der aufgebrachten Moslems waren Restaurants wie Pizza Hut, KFC, McDonald’s und das Hotel Holiday Inn. Sie warfen Fensterscheiben ein, beschädigten mehr als 200 Autos und dutzende Geschäfte. Danach stürmten sie das Büro des norwegischen Mobilfunkanbieters Telenor und rannten mit PC-Geräten und Mobiltelefonen davon. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein.

In Islamabad protestierte die Menge vor der britischen und der französischen Botschaft gegen die Mohammed-Karikaturen, bevor sie von der Polizei mit Tränengas vertrieben wurde. Die Teilnehmer der Protestaktion drangen durch das Haupttor in das diplomatische Viertel ein, das von einigen Polizisten bewacht wurde, die aber nicht eingriffen. Das Personal der amerikanischen, britischen und französischen Botschaften zog sich aus Sicherheitsgründen in die Gebäude zurück. Die Fensterscheiben einer Bank gingen zu Bruch.

Insgesamt demonstrierten in Islamabad am Dienstagmorgen etwa 4.000 Menschen, die meisten von ihnen Studenten, gegen die Karikaturen. Vor dem Botschaftsviertel zerschlugen sie Straßenlaternen und setzten Autoreifen in Brand. Sie riefen „Tod den USA“ und andere antiwestliche Parolen. Etwa 50 Demonstranten wurden festgenommen. Rund 50 Abgeordnete zogen vom Parlament zum Botschaftsviertel und forderten Respekt für alle Religionen. Erst am Montag hatten in der nordwestlichen Stadt Peshawar 7.000 Moslems demonstriert und die Fenster von Universitätsgebäuden eingeschlagen.

EU-Kommissionspräsident Barroso stellte sich in dem Disput hinter Dänemark. Barroso sagte der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten“, die die Zeichnungen als erste veröffentlicht hatte, die Meinungsfreiheit sei ein „fundamentaler Wert“ in Europa und nicht verhandelbar. „Es ist besser, zu viel zu veröffentlichen, als keine Freiheit zu haben.“ Er erklärte, Dänemark sei traditionell ein offenes, tolerantes und freies Land, das bekannt sei für seine guten Beziehungen zu verschiedenen Kulturen. Barroso sagte Dänemark die „volle Solidarität“ der EU-Kommission zu. Er verstehe, dass die Karikaturen viele Muslime verletzt hätten, aber „das rechtfertigt keine Gewalt“.

UNO-Generalsekretär Kofi Annan liegen nach eigenen Angaben keine Beweise dafür vor, dass Syrien und der Iran antiwestliche Proteste wegen der Mohammed-Karikaturen geschürt haben könnten. US-Außenministerin Condoleezza Rice hatte entsprechende Anschuldigungen erhoben. In einem Interview des Senders CNN sagte Annan am Montag, derartige Proteste habe es weltweit gegeben.

Syrien und der Iran trügen aber dieselbe Verantwortung wie alle anderen Staaten, Angriffe auf diplomatische Vertretungen zu verhindern. „Sie hätten das beenden sollen“, sagte Annan. Sollten sie dazu nicht in der Lage gewesen sein, sollten sie den betroffenen Regierungen den Schaden ersetzen.

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