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Pakistan: El-Kaida-Verdächtige festgenommen

In Pakistan hat die Armee ihre bisher größte Offensive gegen radikalislamische Kämpfer verstärkt und mehr als hundert mutmaßliche Taliban und El-Kaida-Mitglieder festgenommen.

Als Teil einer Dreifachstrategie verhandelte das Militär im Grenzgebiet zu Afghanistan im Nordwesten des Landes zudem mit örtlichen Stammesfürsten, wie der für das Gebiet zuständige Brigadegeneral Mehmood Shah der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag sagte. Der Befehlshaber des Einsatzes, Safdar Hussain, berichtete von ungewohnt heftigem Widerstand, der auf „wertvolle Ziele“ schließen lasse.

Die seit Donnerstag in Süd-Waziristan festgenommenen Kämpfer würden vom pakistanischen Militärgeheimdienst befragt, sagte Armeesprecher Shaukat Sultan. Neben einheimischen Paschtunen seien Tschetschenen, Usbeken und möglicherweise Araber darunter. Dies lasse sich aber nur durch Befragungen bestätigen, „weil keiner von ihnen Papiere bei sich trägt und es keinen gibt, der sie identifizieren könnte“. Sultan zufolge schwiegen die Verdächtigen zunächst.

Die Armee gehe in der Gegend um Wana, der Hauptstadt des Bezirks, nach einer Dreifachstrategie vor, sagte Shah: „Zum einen verhandeln wir mit Stammesfürsten, zum anderen setzen wir den Einsatz fort, und zum dritten durchsuchen wir Häuser“. In Wana kamen demnach örtliche Stammesführer zu Verhandlungen zusammen, die von der Regierung gebilligt wurden. Die Regierung habe den ausländischen Kämpfern zugesagt, dass sie nicht ausgeliefert würden, wenn sie sich freiwillig stellen, sagte Shah. Augenzeugen zufolge kreisten Kampfhubschrauber vom Typ „Kobra“ über Wana. Sie berichteten ferner von mindestens einer Explosion.

Der Armeesprecher wollte nicht darüber spekulieren, ob die rund 500 Kämpfer, die die Armee in einem Umkreis von 60 Kilometern südwestlich von Wana umzingelt hat, einen ranghohen Anführer der Terrororganisation El Kaida schützen. Die Soldaten konzentrierten sich bei ihren Durchsuchungen demnach auf die beiden Dörfer Kalusha und Shin Warzak. Ein Militärvertreter kündigte am Samstag an, falls sich „keine wichtigen Entwicklungen“ ergäben, werde der Einsatz möglicherweise am Wochenende beendet. Die Aktion werde von rund einem Dutzend Elitesoldaten aus den USA unterstützt, hieß es in Islamabad.

Der Befehlshaber für den Einsatz wurde in den Medien damit zitiert, dass die Armee „nie zuvor auf derart heftigen Widerstand“ gestoßen sei: „Dies lässt uns annehmen, dass sich in diesem Gebiet möglicherweise wertvolle Ziele befinden“, sagte Hussain. In der Kampfzone in Süd-Waziristan soll zeitweilig auch der stellvertretende El-Kaida-Chef Aiman el Sawahiri eingekreist gewesen sein. In Sicherheitskreisen hieß es, dem Stellvertreter von Osama bin Laden sei möglicherweise knapp die Flucht gelungen.

Bei den Kämpfen geriet auf afghanischer Seite der Militärstützpunkt Lwara unter schweren Beschuss. Eine „extrem große“ Gruppe von Taliban- und El-Kaida-Kämpfern habe am Freitagabend die Militärbasis in der südafghanischen Provinz Paktia angegriffen, sagte der örtliche Kommandeur der afghanischen Streitkräfte, Sakim Chan. Vier Stunden lang hätten die Angreifer den Stützpunkt beschossen und dabei mindestens 20 Raketen abgefeuert.

Die Armee habe den Angriff durch den Einsatz von schwerem Geschütz und eines Kampfhubschraubers abgewehrt, sagte Chan. Dabei seien drei Taliban-Kämpfer getötet und vermutlich acht weitere verletzt worden. Auf Seiten der Alliierten habe es keine Opfer gegeben. Die Angreifer seien aus Pakistan gekommen. Nach ihrer Offensive hätten sie sich wieder über die Grenze zurückgezogen. In Lwara sind etwa tausend afghanische und US-Soldaten stationiert.

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