Paischer: Auftaktniederlage

Für Ludwig Paischer hat das olympische Judoturnier in Athen nur einen Kampf lang gedauert. Der Salzburger unterlag dem koreanischen Weltmeister Choi Min Ho mit Ippon.

Choi scheiterte dann im Kampf um den Gruppensieg überraschend am Mongolen Khashbaatar Tsagaanbaatar, womit für Paischer der Weg in die Hoffnungsrunde und die Chance auf einen Bronze-Kampf versperrt blieb. Herren-Nationaltrainer Klaus Peter Stollberg sprach trotzdem ein „großes Lob“ aus und strapazierte seinen Standardspruch: „Leistung kann man planen, Erfolg nicht.“

Europameister Paischer ging in der Olympiahalle Ano Liossia sehr aktiv in den Kampf gegen Choi, dominierte die Auseinandersetzung und zeigte keine Schwächen. Bis 56 Sekunden vor dem Ende lag er mit einer Koka-Wertung vorne, passte dann eine Zehntelsekunde nicht auf und musste ein Waza-ari hinnehmen. „Wenn du nur noch eine Minute hast, dann musst du alles oder nichts riskieren. Bei Waza-ari hast du keine andere Möglichkeit mehr“, erzählte der enttäuschte 22-Jährige, der sich mit seiner Leistung gegen den Weltmeister nicht verstecken musste und damit „gerechnet hat, dass der Koreaner weiter kommt“.

Deshalb begann er nach einer kurzen Pause, in der er versuchte, abzuschalten, sich zu erholen und den Auftakt zu vergessen, schon während des Kampfes zwischen Choi und dem Mongolen, den er selbst schon zwei Mal besiegte, wieder mit dem Aufwärmen. Zum Zeitpunkt des Ausscheidens von Choi und damit auch seinem eigenen spürte er, „wie die Spannung abfiel. Das war der härteste Moment in meinem Sportlerleben.“

Ein bitterer Moment und eine Erfahrung, die es nun zu verarbeiten gilt. „Solche Erfahrungen muss man machen, aber sie tun doppelt weh, wenn sie bei Olympia passieren“, weiß auch Stollberg. Der Druck ist Paischer, der heuer vor den Sommerspielen nur einen einzigen Kampf gegen Doppel-Olympiasieger Tadahiro Namuro verloren hat (der hatte am späten Nachmittag die Chance, als erster Judoka drei Mal en suite den Olympiatitel zu holen) und mit realistischen Medaillenchancen nach Athen gereist ist, jedenfalls nicht zu groß geworden. „Ich bin nicht an Olympia gescheitert. Ich hatte auch keine gute Auslosung, den Weltmeister in der ersten Runde, das ist kein Spaß.“

Bekanntlich lernt man aus Niederlagen mehr als aus Siegen. Und kommt gestärkt heraus. Mit 22 Jahren hat Paischer das beste Judoalter noch vor sich. „Jetzt werde ich noch eine Woche hier bleiben und dann wieder mit dem Training beginnen. 2008 in Peking werde ich noch stärker sein“, verspricht er. Und Trainer Stollberg wollte gesagt haben. „Es war eine Topleistung, er war top drauf, hatte ein Superjahr. Er hat Österreichs Farben ordentlich vertreten, auch wenn keine Platzierung raus gekommen ist.“

Die Hoffnungen auf eine Judo-Olympiamedaille ruhen nun auf der Wienerin Claudia Heill, die am Dienstag in der Klasse bis 63 kg auf die Matte muss. Sie hat vor den Spielen gemeint: „Ich sage, wir machen eine Medaille. Wenn nicht ich, dann der Lupo sicher.“ Ab jetzt muss der Wortlaut des Satzes ein anderer sein.

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