ORF sieht Konzept "noch nicht 100-prozentig gelungen"

Viel Kritik für die Stadlshow
Viel Kritik für die Stadlshow ©APA
Der ORF will dem "Musikantenstadl"-Nachfolger "Stadlshow" noch Zeit zur Entwicklung geben. Für 2016 seien vorerst drei Sendungen vereinbart, dann werde man mit den Partnersendern ein Resümee ziehen.
Premiere für die "Stadlshow"
Mazza und Jordi neue Moderatoren

Das Konzept, das vor allem bei den deutschen Sehern floppte, sieht Fernsehdirektorin Kathrin Zechner “noch nicht 100-prozentig gelungen”, wie sie am Montag bei der ORF-Programmpräsentation sagte.

Zugleich bekannte sich die Fernsehdirektorin zum “mutigen und innovativen Zugang” der neuen “Stadlshow”. Es gebe derzeit ohnehin “zu viele Sendungen mit zu wenigen Schlagerstars”. Eine “kommerzielle, feige Haltung” nannte Zechner diesen Fokus auf arrivierte Volksmusik- und Schlagergrößen. “Wir wollen mit der ‘Stadlshow’ auch jungen Musikanten eine Plattform bieten.”

Schlechte Quoten in Deutschland

Beim deutschen Publikum fiel das neue Konzept allerdings durch. Nur 2,46 Millionen Zuschauer und 9,6 Prozent Marktanteil bedeuteten die bisher schlechtesten Quoten für den “Stadl” überhaupt. Der Minusrekord lag bei 3,79 Millionen Sehern. Ältere “Stadl”-Fans wurden durch das Aus für den gewohnten “Musikantenstadl” offenbar verprellt, neue jüngere Zielgruppen noch nicht erreicht. In Österreich kam die erste Ausgabe der “Stadlshow” mit einem blauen Auge davon und erreichte 526.000 Zuschauer und 22 Prozent Marktanteil. Den Abschied von Andy Borg beziehungsweise den letzten “Musikantenstadl” im Juni sahen 673.000 Zuseher (30 Prozent Marktanteil).

Auf die Frage, ob sie Angst habe, dass der “Stadlshow” nun ein ähnliches Schicksal drohen könnte wie der im Vorjahr eingestellten Unterhaltungsshow “Wetten, dass..?”, meinte Zechner: “Wenn ich Angst hätte, wäre ich in der Fernsehdirektion falsch.”

“Die Seele fehlt halt”

Geht es nach dem Urteil des österreichischen Mediendramaturgen Christian Mikunda, ist die Premiere am Samstagabend im deutschen Offenburg allerdings misslungen. Die durchaus professionelle Show sei an der Community vorbeigegangen. “Formal war das gut gemacht, aber die Seele fehlt halt”, so Mikunda.

“Der ‘Musikantenstadl’ war weniger ausschließlich eine Fernsehsendung für sich, sondern immer schon so etwas wie ein Familientreffen”, erläuterte der Autor und Referent am Sonntag im Gespräch mit der APA. Mit Karl Moik und Andy Borg seien die bisherigen Gastgeber des Musikformats auch Teil dieser Gemeinschaft gewesen, “sie gehörten dazu”. Stattdessen setze der Relaunch der Koproduktion von ORF, ARD und SRF auf das urbane Phänomen des “New Alpine Chic”, der sich etwa in derart gestalteten Discos oder dem Erfolg der Wiener Wiesn niederschlage. “Aber dafür gibt es keine Community.”

stadlsho66
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Letztlich sei die “Stadlshow” ein “bunter Abend” gewesen, mit dem man sich inhaltlich zwischen die Stühle gesetzt habe. Viel Alpenrock, dafür wenig Schlager ziele zwar auf ein neues Publikum ab, “aber das erreicht man nur mit einer komplett neuen Dramaturgie”, unterstrich Mikunda. “Das funktioniert nicht nur mit Musiknummern und braven, öffentlich-rechtlichen Einspielungen zwischendurch. Bemühtes Redesign, alles richtig gemacht, aber es trifft nirgendwo die Energie.” Stattdessen müssten sich die Macher an Stefan Raab oder Joko & Klaas orientieren.

Moderatoren “wacker geschlagen”

Ähnlich fiel das Urteil des Mediendramaturgen über das Moderatorenduo Francine Jordi und Alexander Mazza aus. Sie hätten sich zwar “wacker geschlagen”, aber das Publikum in der Halle und vor den Bildschirmen nicht erreicht. “Das wirkte fast ein bisschen distanziert”, so Mikunda. “Die Begeisterung war wie bei einer normalen, guten Show, aber nicht wie bei einem Happening. Die Leute wollten gerne mitmachen, aber sie haben nicht genau gewusst wobei.” In dieser Form werde der neu ausgerichtete “Stadl” aus seiner Sicht “untergehen”: “Ich glaube nicht, dass es diese Sendung länger geben wird als zwei Jahre. Dann werden sie etwas anderes suchen müssen.”

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Ein Blick in die Sozialen Netzwerke während der Show offenbarte ähnliche Meinungen wie die des Experten, wobei auf Twitter und Co die Wortwahl zur neuen “Stadlshow” mitunter recht heftig ausfiel. 

Für die Macher gibt es also einiges zu analysieren. Wobei ORF-Unterhaltungschef Edgar Böhm nach der Show am Samstagabend deutlich machte, dass er vor vorschnellen Entscheidungen nichts hält. “Ich hielte es für sehr kurzsichtig, nach einer Sendung eine nachhaltige Entscheidung zu treffen über eine Marke, die 36 Jahre alt ist”, erklärte er in Offenburg gegenüber österreichischen Journalisten. Die Redaktionen der drei beteiligten Sender würden nun ihre Wahrnehmungen und Analysen zusammenlegen, und erst dann “werden wir unsere Rückschlüsse ziehen”. Für ihn sei die Sendung “ein gelungener Versuch ein Signal zu setzen, was die ‘Stadlshow’ sein kann”.

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