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Opium-Produktion in Afghanistan gesunken

Nach einem Bericht des UNO-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung ist die Opiumproduktion um sechs Prozent gesunken. Dies habe jedoch aber keine Auswirkung auf den Heroinmarkt.  [Video im Text]

Weniger Opium aus Afghanistan, trotzdem stabile bis nur sogar geringere Preise am Opiummarkt. Diese eher skurrile Situation ergibt sich aus dem heute, Donnerstag, in London präsentierten Afghanistan-Opium-Report des in Wien stationieren UNO-Büros für Drogen und Verbrechensbekämpfung (UNODC). Demnach sind im Jahr 2008 in dem nach wie vor im Kriegszustand befindlichen Land rund 7.700 Tonnen Opium hergestellt worden. Das wäre ein Rückgang um sechs Prozent gewesen, hieß es in London.

Der Trend: Laut der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle war im Jahr 2007 die weltweite Opiumproduktion noch um 34 Prozent auf 8.870 Tonnen gestiegen. Das war vor allem auf eine Zunahme der Produktion in Afghanistan auf 8.200 Tonnen zurückzuführen. Die UNO-Zahlen, die das UNODC-Büro nun vorstellte, gehen davon aus, dass im Jahr 2008 die Herstellungsmenge des Ausgangsmaterials für Heroin in Afghanistan um sechs Prozent auf 7.700 Tonnen gesunken ist. Das Areal, auf dem 2008 in dem Land am Hindukusch Mohn für die Opiumproduktion angebaut wurde, dürfte um 19 Prozent auf 157.00 Hektar gesunken sein.

Doch die Situation ist paradox. Bei sinkender Produktionsmenge müsste eigentlich der Preis für Opium – und letztlich auch für Heroin – steigen. Dem ist aber nicht der Fall. “Der Bericht zeigt, dass die Preise ebenso um rund 20 Prozent gefallen sind”, hieß es in einer UNODC-Presseaussendung. Aber, die sinkenden Produktionsmengen führten dazu, dass die “Opium-Wirtschaft” Afghanistans insgesamt an Wert verlor: Die Bauern erwirtschafteten mit dem Heroin-Grundstoff statt im Jahr zuvor einer Mrd. US-Dollar (773 Mio. Euro) “nur” noch 730 Mio. US-Dollar (564 Mio. Euro). Der Exportwert an den Grenzen der Nachbarländer nahm von vier Mrd. Dollar (3,09 Mrd. Euro) auf 3,4 Mrd. Dollar (2,63 Mrd. Euro) ab.

Offenbar hat sich die Preisentwicklung auf dem Opium- und Heroinmarkt längst von der reinen Herstellung abgekoppelt. UNODC-Chef Antonio Mario Costa: “Über mehrere Jahre hinweg überstieg die Opiumproduktion in Afghanistan den Weltbedarf. Die Preise hätten also ganz massiv fallen müssen. Doch das war auch nicht der Fall. Wo ist also das Opium das uns ‘fehlt’? Die mangelnde Preisreaktion auf diese Situation kann nur auf ein Horten von Opium hinweisen. Es sieht ganz nach den Taliban aus.”

Das weltweite Produktionspotenzial von Heroin hatte damit im Jahr 2006 ein Rekordhoch von schätzungsweise 733 Tonnen erreicht, hieß es vor kurzem im Europäischen Drogenbericht. Warum es deshalb in Europa nicht zu einer neuen “Heroin-Epidemie” gekommen ist, bleibt für die Experten unklar. Der Chef der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle, Wolfgang Götz, sagte vor wenigen Wochen gegenüber der APA: “Wir wissen nicht, wo das Heroin hingeht.” Möglicherweise würde Opium aus Afghanistan zunehmend auch nach China gelangen.

Jedenfalls dürfte der Opiummarkt weiterhin in großem Ausmaß die Taliban finanzieren. Costa: “Mit derartig großen Umsätzen ist es kein Wunder, dass sich die Kampfkraft der Rebellen so widerstandsfähig zeigt – und das bei all den heftigen Angriffen der afghanischen Armee und der Alliierten.” Im Südwesten Afghanistans werden 98 Prozent des Mohns für die Opiumproduktion kultiviert, dort dürfte sich dieses Geschäft jüngst auch vermehrt konzentriert habe.

Opium in Afghanistan

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