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Onlineboom: Lockdown verstärkte Filialsterben

Geschäfts-Schließungen zum Beispiel bei Media Markt/Saturn
Geschäfts-Schließungen zum Beispiel bei Media Markt/Saturn ©APA/HELMUT FOHRINGER
Ob Media Markt/Saturn oder Douglas: Immer mehr Handelsketten schließen Filialen. Auch, weil die Bürger während des Lockdowns Online-Shopping für sich entdeckt haben.

Handels-Experte Peter Schnedlitz erklärt im Titelvideo die Auswirkungen des Online-Booms.

Immer mehr Ladenketten stellen ihr Filialnetz auf den Prüfstand

Ob Media Markt, Saturn oder Douglas: Immer mehr Handelsketten stellen ihre Filialnetze auf den Prüfstand. Denn durch die Corona-Krise haben viele Bürger die Online-Shops der großen Handelsketten für sich entdeckt und halten ihnen auch nach der Wiederöffnung der Läden die Treue. Für den Fortbestand so mancher Filiale droht das jetzt zur Gefahr zu werden.

Umsätze im Textilhandel eingebrochen

Da in der Coronakrise viele Geschäfte schließen mussten und Verbraucher Infektionen fürchte(te)n, bekam der ohnehin boomende Online-Handel einen zusätzlichen Schub.

Geschäfts-Schließungen bei Media Markt/Saturn

Am Donnerstag kündigte der Chef des Elektronikhändlers Ceconomy, Bernhard Düttmann, Einschnitte bei den konzerneigenen Ketten Media Markt und Saturn an. In einem ersten Schritt sollen zunächst europaweit 14 der mehr als 1000 Filialen geschlossen werden. Dabei sollen auch bis zu 3.500 Stellen abgebaut werden. Ob auch Österreich betroffen ist, ist nach der gestrigen Aufsichtsratssitzung noch nicht bekannt.

Die Kette hatte erst vor einem Monat bekanntgegeben, die Marke Saturn in Österreich mit 1. Oktober einzustampfen. Media Markt ist hierzulande mit 37 Geschäften vertreten, Saturn mit 15 Märkten. Die Einmarken-Strategie scheint der Unternehmensführung für Österreich nachhaltiger, vor allem angesichts der wachsenden Konkurrenz aus dem reinen Online-Handel.

Für den Mutterkonzern von Media Markt und Saturn hat der E-Commerce in den Monaten der Covid-19-Pandemie massiv an Bedeutung gewonnen. Die Online-Umsätze des Elektronikhändlers stiegen im dritten Quartal um satte 145 Prozent. Auf das Online-Geschäft entfiel damit mehr als ein Drittel des Gesamtumsatzes. Und was fast noch wichtiger ist: Auch nach der Wiedereröffnung der Läden blieb die Nachfrage in den Online-Shops hoch.

"Geschäfte bleiben als Showroom"

Sind die teuren Filialen in den Einkaufsstraßen im Zeitalter des E-Commerce also nur noch ein Klotz am Bein von Handelsketten wie Media Markt? Ceconomy-Chef Düttmann will davon trotz der angekündigten Filialschließungen nichts wissen: "Die Geschäfte bleiben das Herz unseres Unternehmens - auch in Zeiten des E-Commerce", betonte er. Als Showroom seien sie unverzichtbar.

Douglas: Wir überarbeiten unser Filialnetz

Auch Douglas streicht Filialen. "Die Kundennachfrage ändert sich. Es gibt einen Trend weg vom stationären Einkauf, zum Online-Shopping. Diesem Strukturwandel müssen wir Rechnung tragen, indem wir das Filialnetz überarbeiten", sagt die Chefin der größten deutschen Parfümeriekette Douglas, Tina Müller.

"Wir werden immer mehr zum E-Commerce-Unternehmen", betonte sie. In Deutschland liege der Anteil des Online-Handels am Umsatz bereits bei 40 Prozent. "Der Zeitpunkt ist absehbar, an dem wir in Deutschland mehr E-Commerce-Unternehmen sein werden als stationärer Händler." Die Fortschritte im Online-Handel halfen dem Konzern in den vergangenen Monaten auch, die Auswirkungen der Corona-Krise in Grenzen zu halten.

Für so manche Filiale dürfte der Trend nichts Gutes bedeuten. Die Konzernchefin lässt keinen Zweifel daran, dass nicht alle der 2400 Geschäfte die "Überarbeitung" des Filialnetzes überleben werden.

Neue Rolle der Filialen

"Die Rolle der Filialen wird sich ändern - von einer reinen Abverkaufsstation zu einem Ort für den Erlebniseinkauf", sagt die Douglas-Chefin. Es gehe darum, dort die Produkte zu präsentieren, sodass man sie sehen, riechen und erleben könne.

"Wir Frauen wollen, bevor wir einen Lippenstift kaufen, sehen, wie er auf der Lippe oder zumindest der Hand aussieht und wir wollen den Duft des Parfüms riechen, bevor wir es kaufen. Da wird die Filiale ihre Rolle immer behalten", ist Müller überzeugt.

Weihnachtsgeschäft abwarten

Deshalb will die Douglas-Chefin bei der Neuordnung des Ladennetzes auch nichts übereilen. Erst im Januar möchte sie das neue Konzept vorstellen. "Wir möchten uns noch genauer anschauen, wie nachhaltig der Wechsel der Kunden vom Offline- zum Online-Einkauf ist, vor allem auch, wie sich das im wichtigen Weihnachtsgeschäft entwickelt", betonte sie.

(APA) (DPA)

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