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Olympia-Attentat 1972: Witwen berichten über grausame Details

Ein Archivbild vom 05.09.1972 zeigt den Überfall arabischer Terroristen der Gruppe "Schwarzer September" auf das Olympische Dorf in München bei den Olympischen Sommerspielen. Im Bild: Zwei vermummte Terroristen auf dem Balkon des israelischen Quartiers.
Ein Archivbild vom 05.09.1972 zeigt den Überfall arabischer Terroristen der Gruppe "Schwarzer September" auf das Olympische Dorf in München bei den Olympischen Sommerspielen. Im Bild: Zwei vermummte Terroristen auf dem Balkon des israelischen Quartiers. ©dpa
Die "New York Times" hat bisher wenig bekannte Einzelheiten über das Attentat palästinensischer Terroristen auf die israelische Mannschaft bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München veröffentlicht. Gespräche mit den Witwen einiger getöteter Sportler hätten neue, schreckliche Details zutage gefördert.

Wie die Zeitung am Dienstag (Ortszeit) berichtete, sollen die Terroristen die Sportler brutal zusammengeschlagen haben, einige der Israelis sollen Knochenbrüche erlitten haben.

“Sie haben seine Genitalien durch die Unterwäsche abgeschnitten”

Einem ihrer Opfer trennten die Peiniger den Angaben zufolge seine Geschlechtsteile ab – vor den Augen der anderen Geiseln. “Sie haben seine Genitalien durch die Unterwäsche abgeschnitten und ihn missbraucht”, sagte Ilana Romano, deren Ehemann Yossef, ein israelischer Gewichtheber, damals getötet wurde. “Können Sie sich die neun anderen (Geiseln) vorstellen, die gefesselt danebensaßen?”

Die Zeitung sprach anlässlich der Dreharbeiten zu einem neuen Film “Munich 1972 & Beyond” (etwa: “München 1972 & danach”) sowie in einer Serie von Hintergrundgesprächen mit den Hinterbliebenen. In der Dokumentation geht es um den Kampf der Opferfamilien für eine Gedenkstätte für ihre getöteten Angehörigen.

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olympia2 ©Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher (2.v.r), der Münchner Polizeipräsidenten Manfred Schreiber (vorn, l.) und weitere Offizielle in Verhandlung mit einem der Geiselnehmer (r). Foto: dpa/ Archiv

1972: “Schwarzer September” nimmt Sportler als Geiseln

Mitglieder der palästinensischen Terrororganisation “Schwarzer September” – einer Unterorganisation der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) – nahmen die Sportler bei den Sommerspielen im September 1972 im Olympischen Dorf als Geiseln. Sie wollten so Gefangene in Israel freipressen. In dem Appartement und bei einer späteren Befreiungsaktion auf dem Flugplatz Fürstenfeldbruck starben elf Sportler und ein Polizist. Auch fünf Terroristen kamen ums Leben. Die Spiele wurden nach einer kurzen Unterbrechung fortgesetzt.

Auf die Frage, warum sie gerade jetzt an die Öffentlichkeit gehe, sagte Romano am Mittwoch der israelischen Nachrichtenseite “ynet”: “Ich habe verstanden, dass es keinen anderen Weg gibt. Ich muss die härteste Trumpfkarte herausholen – was ich über die Jahre immer vermieden habe. Das Ziel ist es, dass diese schreckliche Tragödie nicht vergessen wird, und Druck auf das olympische Komitee auszuüben, damit in Zukunft eine Schweigeminute (für die israelischen Sportler) eingehalten wird.”

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heli1 ©Der ausgebrannte Hubschrauber des Bundesgrenzschutzes (BGS), in dem in der Nacht zum 06.09.1972 ein Teil der von arabischen Terroristen festgehaltenen Geiseln während der Olympischen Spiele 1972 in München ums Leben kamen. Bei der Geiselnahme am 05. September 1972 wurden elf israelische Sportler, ein Polizist und die fünf palästinensische Geiselnehmer getötet. Foto: dpa/lby

Fotos “so furchtbar, wie in meinen schlimmsten Vorstellungen”

Die Angehörigen haben laut “New York Times” erst 20 Jahre später Einzelheiten erfahren, nachdem deutsche Behörden ihnen endlich Einsicht in Dokumente gewährten, deren Existenz jahrelang verschwiegen worden sei. Die darin enthaltenen Fotos seien “so furchtbar, wie in meinen schlimmsten Vorstellungen”, so Romano.

Ein Anwalt hatte Ilana Romano und Ankie Spitzer, deren Mann Trainer der Fechtmannschaft war, 1992 über die Existenz der Dokumente informiert. Zugleich riet er den beiden Frauen, sich die Fotos nicht anzuschauen – oder zu warten, bis er ärztlichen Beistand organisieren konnte. Damals vereinbarten sie, niemals in der Öffentlichkeit über das Gesehene zu reden. Ihren Familien sagten sie lediglich, dass es schwer gewesen sei, sich die Bilder anzuschauen. (dpa)

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