Offener Brief an Bürgermeisterin Andrea Kaufmann

In einem offenen Brief wendet sich die Elternvertreterin von #ProKinderOnko, Andrea Tschofen-Netzer, an die Dornbirner Bürgermeisterin Andrea Kaufmann.

Sehr geehrte Frau Kaufmann,

Groß war die Freude bei allen Betroffenen, als man im Oktober vergangenen Jahres, die neu geschaffene Kooperation mit St. Gallen präsentierte. Die Eltern haben keine Gelegenheit ausgelassen ihren Dank auch öffentlich zu kommunizieren.

Bei der Pressekonferenz hieß es unter anderem, daß die Kinderonkologie im Krankenhaus Dornbirn ein Herzstück auf der pädiatrischen Station darstellt und man würde alles dafür tun, damit die onkologische Expertise erhalten bleibt. Außerdem wurde erwähnt, daß eine Ärztin bald mit der Ausbildung fertig würde und eine zweite Ärztin mit der Zusatzausbildung bereits begonnen hat.
Am 1.10.18 habe eine junge Ärztin mit der Assistenzarzt-Ausbildung begonnen.

Auf Empfehlung von Frau Dür, Büro von Landesrat Bernhard, habe ich mich um einen Termin mit der neuen Casemanagerin Frau Steinbock-Lasnik bemüht. Anwesend waren unter anderem auch Primaria Haberlandt , Vertreterinnen vom Pflegepersonal und vom Sozialdienst. Alles in allem fand ich ein hochmotiviertes Team vor. Es fand ein sehr gutes Gespräch statt und es wurden verschiedene Konzepte besprochen.

Besonders gefiel mir der Gedanke einen Folder für die Eltern zu konzipieren, in dem sämtliche Informationen rund um Anträge und auch die mögliche grenzüberschreitende Behandlung mit dem Kantonsspital St. Gallen für Leukämie- und Lymphompatienten festgeschrieben sind. Auch Primaria Haberlandt fand die Idee gut.

So weit so gut.

Seit diesem Termin sind nun knappe zwei Monate vergangen.

Sehr zu meinem Erstaunen hat sich speziell bei Primaria Haberlandt nun offensichtlich die Haltung gegenüber der St. Gallen Variante geändert. Von anfänglicher Begeisterung für das neue Konzept ist offensichtlich nicht mehr viel übriggeblieben. So heißt es nun, man müsse zurückrudern!

Neuerkrankten Familien gegenüber darf die St. Gallen Variante, von Seiten des Pflegepersonals bzw. den behandelnden Ärzten, nicht angesprochen werden.

Frau Dr. Greiner darf im Krankenhaus Dornbirn nur jene Kinder untersuchen, die sich für St. Gallen Variante entschieden haben. Sie darf keine Sprechstunde für Kinder in der Erhaltungstherapie oder Kontrolluntersuchungen von Kindern durchführen, die nach wie vor in Innsbruck behandelt werden. Auch hier wird von Primaria Haberlandt eine etwaige Verstimmung der Ärzte aus Innsbruck, in den Raum gestellt.

An dieser Stelle möchte ich erwähnen, daß in anderen Landeskrankenhäusern, sich eben solche Konzile bereits bestens etabliert haben und den kleinen Patienten lange und unnötige Wege in subspezialisierte Kliniken ersparen. Es ist mir gänzlich unverständlich, wie man einer so hochspezialisierten und kompetenten Ärztin wie Frau Dr. Greiner abschlagen kann, einen Blick auf unsere Kinder zu werfen, um eine adäquate Beurteilung abzugeben. Ich glaube auch, daß es den behandelnden Ärzten im Krankenhaus Dornbirn nur zugutekommen würde und es viel Druck von ihnen nehmen könnte. Gerade auch deshalb, hat doch Frau Dr. Kropshofer bei der Podiumsdiskussion am 15.3.2018, betont wie wichtig es ist, daß auch Vorort ein erfahrener Onkologe ein Konzil erstellt.

Primaria Haberlandt spricht ebenfalls davon, daß diese Sprechstunden von einem Arzt aus St. Gallen, die Kosten sprengen würde! Mit Verlaub, die Stadt Dornbirn hat ein Jahresbudget von 300 Millionen Euro! Landeshauptmann Wallner hat verkündet, daß es am Geld nicht scheitern darf! Also dieses Argument, kann ich bei bestem Willen nicht akzeptieren.

Den bereits angesprochenen Folder mit einem Verweis auf die St. Gallen Variante stimmt Primaria Haberlandt ebenfalls nicht zu, denn man müßte dann auch einen für Innsbruck gestalten. Die anwesende Sozialarbeiterin hatte die Idee, eine entsprechende Information der Onkomappe beizulegen. Eben diese Onkomappe bekommen alle kleinen Patienten, wenn sie nach der Erstdiagnose in Innsbruck, das erste Mal in Dornbirn vorstellig werden. Primaria Haberlandt hat bis dato noch nichts! von einer solchen Infomappe gehört und muß auch diese Möglichkeit überdenken.

Von Seiten des Pflegepersonals ist es Usus in regelmäßigen Abständen zB in Innsbruck zu hospitieren und sich bezüglich der Pflege unserer Kinder fortzubilden. So kam der Gedanke, zum besseren Kennenlernen, dies nun einmal in St. Gallen zu machen. Doch auch das, wurde von der Primaria abgelehnt.

So stellt sich mir die Frage, in welchem Interesse Primaria Haberlandt agiert? Geht es darum die Innsbrucker zufriedenzustellen? Ist sie nicht die Primaria im Krankenhaus Dornbirn und sollte sie nicht ausschließlich im Interesse dieses Krankenhauses agieren. Primaria Haberlandt ist doch die Chefin der Pädiatrie in Dornbirn oder ist es die Universitätsklinik Innsbruck? Die bestmögliche Behandlung ihrer Patienten im Haus sollte doch eigentlich oberste Priorität haben? Kann Primaria Haberlandt für die Kinderonkologie Verantwortung tragen? Angekündigt hat sie es….

Last but not least, muß ich noch einmal die dilettantische Herangehensweise bei der Stellenausschreibung auf sämtlichen Onlineportalen ansprechen. Bei unserem letzten Aufeinandertreffen im Landhaus haben Sie zum wiederholten Mal erwähnt, daß das ja ohnehin keiner liest. Da gebe ich Ihnen recht, zumindest was die GPOH betrifft, denn auf Seite 11 !!!! wird es wirklich keiner mehr lesen.

Interessant ist, daß sogar die Nachsorgeklinik in Tannheim einen Onkologen gefunden hat, obwohl dort nur höchst selten eine Chemotherapie verabreicht wird. Ebenso wundert es nicht, wenn bei diversen Ausschreibungen noch immer die Bewerbungsfrist mit 12.4.2018 angegeben ist. Ich fordere Sie auf, die Stellenanzeigen endlich auf den neuesten Stand zu bringen.

Schon mehrfach wurde von unserer Seite, sogar darum gebeten, jemanden zu Onkokongressen zu schicken. Ich darf Sie daran erinnern, daß Sie sich sicher waren Primaria Haberlandt würde das selbstverständlich machen. Nun, verneint sie dies.

Es stellt sich mir nun ernsthaft die Frage, will man oder will man nicht, daß die onkologische Abteilung im Krankenhaus Dornbirn weitergeführt wird. Von Seiten des Landes, insbesondere von Landesrat Bernhard, kam ein klares Bekenntnis zum Standort Dornbirn. Wofür wir Eltern ihm auch wirklich dankbar sind, denn die vertraglichen Bedingungen waren sicher nicht einfach zu formulieren und zu verhandeln.

Die Kooperation mit St. Gallen hat so wunderbar begonnen und wurde getragen von hochmotivierten Teams in Dornbirn und St. Gallen. Bereits 3 Vorarlberger Kinder haben sich für diese Variante entschieden und sind voll des Lobes und dankbar für diese Möglichkeit. Es darf nicht sein, daß hier im Hintergrund von Seiten der Primaria Haberlandt dagegen gearbeitet wird. Denn so stellt sich mir und auch den anderen Eltern, die momentane Situation dar.

Bezüglich der Pressekonferenz im Landhaus am 22.10.18, muß ich noch daran erinnern, daß die junge Ärztin, welche ihre Ausbildung bald abgeschlossen hat, jetzt in Karenz ist. Die ebenfalls von Ihnen erwähnte Ärztin mit der Ausbildung begonnen hat, dies aber eben in St. Gallen. Von einer Ärztin, welche die Basisausbildung am 1.10.2018 im Krankenhaus Dornbirn begonnen hat, weiß keiner.
Frau Kaufmann, ich fordere Sie nun auf klar und deutlich zu den neuen Gegebenheiten rund um die Kinderonkologie im Krankenhaus Dornbirn, Stellung zu beziehen. Ich bitte um eine Stellungnahme ihrerseits.

Andrea Tschofen-Netzer
Elternvertreterin #ProKinderOnko

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Vorarlberg
  • Offener Brief an Bürgermeisterin Andrea Kaufmann
  • Kommentare
    Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.