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ÖFB-Jahrhundert-Kicker Prohaska ab Samstag im "60er-Club"

Große Feier wie beim 50er erst wieder zum 100er - Prohaska vermisst Zeit als aktiver Spieler.
Große Feier wie beim 50er erst wieder zum 100er - Prohaska vermisst Zeit als aktiver Spieler. ©APA
Der Fußball ist neben seiner Familie nach wie vor seine große Liebe. Für Herbert Prohaska sind die Zeiten als Spieler oder Trainer zwar längst vorbei, dafür genießt er nun seit vielen Jahren seine Tätigkeit als TV-Analytiker und Kolumnist. In Pension zu gehen ist für Österreichs Jahrhundert-Fußballer deshalb kein Thema, am Samstag tritt der Noch-59-Jährige dem "60er-Club" bei.
Die "Legende" Herbert Prohaska

Prohaska brachte als bisher letzter ÖFB-Teamchef das Kunststück zustande, die Mannschaft auf sportlichem Weg zu einer Endrunde zu führen. Bei der WM 1998 in Frankreich kam nach der Gruppenphase das Aus. 18 Jahre danach dürfte die lange Durststrecke nun zu Ende gehen, Österreich sich für die EM 2016 – wieder in Frankreich – qualifizieren.

“Wir haben einen Trainer, der die Mannschaft weiterentwickelt hat. Sie spielt einen guten Fußball und ist mittlerweile so weit, dass sie die Spiele, die sie gewinnen muss, auch gewinnt”, analysierte Prohaska. Die Euphorie im Land sei eine Bestätigung für die gute Arbeit. “Wenn gegen Moldawien und Liechtenstein das Happel-Stadion ausverkauft ist, sagt das alles. Die Fans sind begeistert, das ist schön”, so Prohaska.

Prohaska sieht die Legionäre als Erfolgsfaktor

Parallelen zwischen dem Team von 1998 und jetzt gebe es durchaus. Auch damals spielten etwa mit Michael Konsel, Wolfgang Feiersinger, Andreas Herzog, Dietmar Kühbauer, Heimo Pfeifenberger oder Toni Polster Legionäre tragende Rollen. “Wir haben eigentlich immer gute Nationalmannschaften gehabt, wenn viele Legionäre dabei waren”, merkte Prohaska an.

Rosige Zukunft für das Nationalteam

Die aktuelle ÖFB-Auswahl steht mit Platz 15 so weit vorne in der FIFA-Weltrangliste wie noch nie. Für Prohaska ist ein weiterer Vorstoß möglich. “Ich traue der Mannschaft zu, dass sie in der laufenden EM-Qualifikation überhaupt kein Spiel mehr verliert”, ist der Wiener optimistisch. Was bei der folgenden Endrunde möglich ist, sei aber nicht abzuschätzen, hänge von der Auslosung ab.

Zu erwarten sei aber eine rosige Zukunft. “Wir haben eine Mannschaft, wo nicht alles von einzelnen Spielern abhängt. Vom Altersschnitt kann sie noch einige Jahre auf hohem Niveau spielen, der Zenit ist noch nicht erreicht”, blickte Prohaska optimistisch in die Zukunft.

Prohaska “würde gerne noch spielen”

In dieser wird man den Familienmenschen fix nicht mehr als Trainer sehen. “Es ist nicht so, dass ich daran denke, dass ich gerne Trainer wäre, ich würde aber gerne noch spielen. Für einen Trainer spricht nur das Resultat, als Spieler kannst du selbst zeigen, wie gut du bist”, vermisst Prohaska die Zeit als aktiver Kicker. “Immer wenn ich einen schönen Rasen sehe, denke ich daran, dass ich gerne spielen würde”, ergänzte der Ex-ÖFB-Teamchef.

An die Vergangenheit erinnert er sich gerne zurück. “Ich wollte immer Profi-Fußballer und Profi-Trainer sein und Titel gewinnen. Das ist mir zur Genüge gelungen. Ich bin dem Fußball sehr dankbar”, sagte Prohaska. Gewisse Erfolge sind ihm aber verwehrt geblieben. “Was ich gerne gewonnen hätte, wäre die Champions League oder Weltmeisterschaft. Das war aber nicht möglich”, so die violette Ikone.

Vom Star am Feld zum Analytiker im TV

Mittlerweile ist der seit 41 Jahren verheiratete Prohaska eine fixe Größe als TV-Analytiker des ORF. Abnützungserscheinungen gibt es nach 15 Jahren nicht. “Ich mache das, wie wenn heute der erste Tag wäre. Es macht Spaß, und ich werde auch nicht freiwillig in Pension gehen”, gab Prohaska Einblick.

Durch diese Tätigkeit und jene als Krone-Kolumnist beschäftigt er sich genau mit dem heimischen Fußball. Besonders schaut er dabei auf seinen Herzensclub Austria, der unter Thorsten Fink im Aufwind ist. “Man muss froh sein, wenn man einen Trainer hat, der mit Basel auch internationale Erfolge gefeiert hat”, sagte Prohaska. Trotz sechs Punkten aus zwei Spielen sei es aber zu früh, eine Prognose abzugeben. “Mein Eindruck ist, dass sie viele gute Spieler geholt haben”, ist Prohaska guter Dinge.

Interessiert blickt der Wiener auch in Richtung Erste Liga, die attraktiver als je zuvor ist. Als Schirmherr fungiert Prohaska nach langjähriger Tätigkeit aber nicht mehr, da die Clubs nicht mehr gewillt sind, seine Aufwandsentschädigung zu zahlen.

Ein Selfie mit “Schneckerl” Prohaska

Prohaskas Bekanntheitsgrad ist gegenüber früher kaum gesunken. “Früher bin ich um Autogramme gebeten worden, heute ist es ein Foto oder ein Selfie. Die Leute erkennen mich, das ist aber schön, nicht störend”, genießt der stets auf dem Boden gebliebene Ex-Italien-Legionär seine Prominenz.

Anlässlich des 60. Geburtstags wird es keine ganz große Feier geben. “Eher enge Freunde und größerer Familienkreis, so wie jedes Jahr”, verriet Prohaska. Ein Jubiläum werde so schnell nicht mehr in großem Rahmen gefeiert. “Ich habe zum 50er eine große Feier gemacht, zum 100er mache ich das dann noch einmal so”, kündigte der aufgrund seiner früheren Frisur “Schneckerl” genannte Prohaska an.

Austria Wien feiert ihre Legende

Die Austria wird ihre Ikone am 13. August in der Generali-Arena im Rahmen einer Feier hochleben lassen. Bereits tags zuvor wird im Austria-Museum die Sonderausstellung “60 Jahre Herbert Prohaska – Ein Leben voller Höhepunkte” eröffnet. Dabei wird die Karriere der Legende in Wort und Bild gezeigt. Bereits anlässlich seines 50ers war die 240 Seiten starke Autobiografie “Mein Leben – Herbert Prohaska” erschienen.

Steckbrief von Herbert Prohaska

  • Geboren: 8. August 1955 in Wien
  • Größe: 1,80 m
  • Spitzname: “Schneckerl”
  • Familienstand: verheiratet (seit 1974 mit Elisabeth)
  • Kinder: zwei Töchter und vier Enkelkinder
  • Sternzeichen: Löwe
  • Erlernter Beruf: Automechaniker

Spieler-Stationen: Vorwärts XI, Ostbahn XI, Austria Wien, Inter Mailand, AS Roma, Austria Wien; insgesamt 17 Titel und 83 Länderspiele (41 Siege, 16 Remis, 26 Niederlagen – 129:90 Tore)

Trainer-Stationen: Austria Wien (je zwei Mal Meister, Cupsieger, Supercup- und Stadthallen-Gewinner), U21-ÖFB-Team, ÖFB-Teamchef (51 Spiele: 25 Siege, 9 Remis, 17 Niederlagen – 96:73 Tore)

Karriere-Höhepunkte als Spieler:

  • 1972: Von Ostbahn XI zur Austria
  • 1973/74: Erster Cupsieg mit Austria, Nationalteam-Debüt am 13. November 1974 in Istanbul gegen die Türkei (1:0-Sieg)
  • 1975/76: Erster Meistertitel mit Austria
  • 1976/77: Cupsieg mit Austria, WM-Qualifikation mit dem Nationalteam – Prohaska erzielte im entscheidenden Spiel in Izmir gegen die Türkei am 30. Oktober das einzige Tor.
  • 1977/78: Finale Europacup der Cupsieger (0:4 in Paris gegen RSC Anderlecht), Meistertitel mit Austria, WM-Teilnahme in Argentinien (Rang sieben)
  • 1978/79: Meistertitel mit Austria
  • 1979/80: Meistertitel mit Austria
  • 1980/81: Wechsel zu Inter Mailand – Semifinale Europacup der Meister (gegen Real Madrid 0:2 und 1:0)
  • 1981/82: Italienischer Cupsieger mit Inter, WM-Teilnahme
  • 1982/83: Wechsel zu AS Roma – Italienischer Meister
  • 1983/84: Rückkehr zur Austria – drei Mal Meister en suite
  • 1985/86: Double-Gewinn mit Austria
  • 1988/89: Rücktritt vom aktiven Fußball mit 17 Titeln, ÖFB-Team-Abschied im 83. Länderspiel am 14. Juni 1989 in Reykjavik gegen Island (0:0)

Höhepunkte nach Karriere als Aktiver:

  • ab März 1990: Sportlicher Leiter der Austria
  • Juni 1992: Rücktritt als Austria-Trainer
  • Juli 1992: Trainer der U21-ÖFB-Auswahl
  • 8. Jänner 1993: Ernennung zum ÖFB-Teamchef
  • 1996: Österreich in sechs Länderspielen ungeschlagen (fünf Siege, ein Remis, Torverhältnis: 7:1)
  • Juni 1998: WM-Teilnahme in Frankreich
  • 29. März 1999: Rücktritt als ÖFB-Teamchef zwei Tage nach der
  • 0:9-Schlappe in Valencia gegen Spanien
  • 26. November 1999: Verleihung “Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich”
  • 1999/2000: Wieder Austria-Trainer
  • 3. Mai 2000: Vorzeitiges Ende der Zusammenarbeit, Seither als Analytiker für den ORF tätig und bis vergangene Saison Schirmherr der Erste Liga
  • 17. August 2004: Zu Österreichs “Fußballer des Jahrhunderts” gewählt
  • 10. November 2004: Überreichung der UEFA-Ehrennadel “Golden Player” für den besten österreichischen Spieler der vergangenen 50 Jahre
  • 12. Oktober 2005: Verleihung “Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich”

(APA)

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