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ÖBFA-Chefin stellt Bezahlung für Ratingagenturen in Frage

Oberndorfer: "Werden uns großen Staaten anschließen"
Oberndorfer: "Werden uns großen Staaten anschließen" ©EPA
Die Republik Österreich zahlt jährlich für die Bewertung ihrer Bonität - inklusive Datenbankdienstleistungen - zwischen 400.000 bis 500.000 Euro an Ratingagenturen. Das sind 0,0003 Prozent der Staatsschuld. Zumindest was die Bezahlung des Ratings betrifft, könnte sich das in Zukunft ändern, stellte Martha Oberndorfer, Chefin der Bundesfinanzierungsagentur ÖBFA, am Montag in Aussicht.

“Wir schauen es uns an, wie der Markt sich entwickelt, und schließen uns dann dem an, was die großen Staaten machen”, so Oberndorfer im Klub der Wirtschaftspublizisten. “Viele Staaten reden nicht mit den Ratingagenturen, weil sie sagen, dass eh schon alle Informationen öffentlich vorliegen.”

Ratings für Österreich “sehr wichtig”

Man müsse jedoch zwischen großen und kleinen Staaten unterscheiden. Für ein kleines Land wie Österreich seien Ratings sehr wichtig, kein Rating würde rein ökonomisch mehr kosten und ihre Arbeit erschweren, meinte Oberndorfer. Auch für viele Investoren sei es wichtig, dass eine Emission in den Handelsdatenbanken ein Rating hat. Österreich wird derzeit von vier Agenturen bewertet – Fitch, Moody’s, Standard & Poor’s (S&P) und der kanadischen DBRS.

Oberndorfer glaubt eher nicht, dass es schon in den nächsten drei bis fünf Jahren zu europäischen Gemeinschaftsanleihen kommen wird. Diese hätten zwar “einigen Charme”, jedoch gebe es eine Fülle an noch nicht gelösten Umsetzungsproblemen.

Auch in diesem Jahr soll es wieder ein bis zwei syndizierte Anleihen geben. Dies werde dann der Fall sein, wenn es einen größeren Mittelbedarf gebe. Im ersten Quartal sei dies noch nicht der Fall. Es gebe keine Notwendigkeit, sehr rasch tätig zu werden, so Oberndorfer.

“Budget liegt noch nicht vor”

Per Jahresende verwaltete die ÖBFA ein Finanzschuldenportfolio von 193,9 Mrd. Euro, heuer könnte es erstmals auf über 200 Mrd. anwachsen. Seit 1993 hat sich die Finanzschuld pro Einwohner von 10.184 auf 23.017 Euro erhöht. Mit den steigenden Finanzschulden ist auch der Zinsaufwand gestiegen, in Relation zur Wirtschaftsleistung (BIP) dagegen seit 1996 von 3,5 Prozent auf 2,4 Prozent des BIP zurückgegangen. Das entspricht einem jährlichen Netto-Zinsaufwand von rund 7,5 Mrd. Euro bzw. 890 Euro pro Einwohner. Für 2014 rechnet Oberndorfer mit einem ähnlich hohen Betrag. “Das Budget liegt noch nicht vor”, schränkte sie ein.

Die ÖBFA managt auch die Staatskasse (Treasury) der Republik. Insgesamt haben sich die jährlichen Zahlungen seit 1993 auf 886 Mrd. Euro vervierfacht, das ist das 2,9-fache des BIP. Die größte Einmalzahlung wurde am 20. Oktober 2013 mit rund 13 Mrd. Euro geleistet.

Österreich als Krisengewinner

Österreich kann man hinsichtlich der Finanzgebarung zu den Krisengewinnern zählen. “Für Investoren zählt vor allem Sicherheit”, so Oberndorfer. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 hat sich die durchschnittliche Verzinsung der gesamten Staatsschuld von 4,2 auf 3,7 Prozent verringert, die durchschnittliche Restlaufzeit konnte von 8,3 auf 8,6 Jahre erhöht werden.

Allein im Vorjahr gelang es, den Zinssatz auf im Schnitt 1,5 Prozent zu drücken und die Laufzeit auf 10,1 Jahre zu erhöhen. 2008 waren es 3,4 Prozent und 8,1 Jahre. Seit 2012 verfügt Österreich auch über die längste Staatsanleihe im Euroraum mit Fälligkeit im Jänner 2062. Deren Rendite ist bereits von rund 3,8 auf 3,0 Prozent gefallen.

Für heuer ist die Aufnahme von 28 bis 30 Mrd. Euro vorgesehen, im Vorjahr waren es rund 29 Mrd. Euro. Alleine 24,5 Mrd. Euro sind 2014 für abreifende Papiere notwendig, die Rest für die noch nicht fix budgetierte Neuverschuldung des Staates. Außer Tirol und Vorarlberg würden auch alle Bundesländer ihre Finanzierungen über die ÖBFA abwickeln.

Rund 30 Prozent der Staatsschuldpapiere im Inland

Oberndorfer schätzt, dass rund 30 Prozent der Staatsschuldpapiere bei inländischen Investoren liegen, hauptsächlich bei Fonds, Versicherungen und Pensionskassen. Private hielten direkt mit rund 2 Prozent nur wenige Staatspapiere. Im Ausland befänden sich 87 Prozent in Europa, hauptsächlich in Deutschland, Frankreich, England und der Schweiz, jeweils 5 Prozent würden in Asien und den USA gehalten werden. Auch Notenbank würden sich unter den Käufern befinden.

Die ÖBFA selbst ist zwar nicht für den Vertrieb zuständig, betreibt aber die Internetseite www.bundesschatz.at, wo Privatkunden direkt Staatsschulden kaufen können, mit Laufzeiten zwischen einem Monat und zehn Jahren und Zinsen von 0,1 bis 2,0 Prozent. Rund ein Prozent der Staatsschulden sind über diese Plattform verkauft worden. Im Gegensatz zu Deutschland werde dieser Service nicht eingestellt, so Oberndorfer.

(APA)

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