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Norwegen: Raucher müssen draußen bleiben

"Herzlich Willkommen in Norwegen. Das einzige, was wir hier räuchern, ist Lachs." Dies und ähnliche Sprüche sind derzeit im ganzen Königreich auf Plakaten zu lesen.

Mit ein wenig Humor will die norwegische Regierung die Bevölkerung auf das ab Dienstag geltende Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden vorbereiten. Als zweites Land in Europa hat das skandinavische Königreich der Qualmerei in Bars und Restaurants ein Ende gesetzt – nach Irland, wo Pub-Besucher bereits seit Ende März auf die Zigarette zum Guinness verzichten müssen.

Zum Schutz ihrer nichtrauchenden Mitmenschen müssen Nikotinsüchtige nun also auch in Norwegen künftig ihre Zigarette im Freien anzünden. Kein Vergnügen bei Temperaturen, die im Winter nicht selten im zweistelligen Minusbereich liegen. Aber viele Norweger sehen auch die Vorteile: Während die einen das Verbot als Anlass zum Aufhören nehmen, hoffen andere auf neue Möglichkeiten beim Flirten, wenn eingeschworene Raucher auf den Bürgersteigen gemeinsam der nordischen Nacht trotzen.

„Es wird interessant sein zu sehen, was für Gruppen sich bilden“, sagt der in Oslo lebende Neuseeländer Warwick Rutherford, der überhaupt nicht einsieht, wegen eines neuen Gesetzes mit dem Rauchen aufzuhören. „Wenn draußen viele hübsche Mädchen stehen, werde ich ohne zu Zögern rausgehen und eine qualmen“, prophezeit der 35-jährige Informatiker.

Wie die Erfahrungen in Irland zeigen, bietet ein Rauchverbot in Bars und Restaurants tatsächlich ganz neue Perspektiven für Kontakt suchende Singles: Aus dem Verbot sei eine „neue Form des Kennenlernens“ entstanden, berichtet der irische Gesundheitsminister Michael Martin bei einem Besuch in Norwegen. Er spricht von einem „gesellschaftlichen Phänomen“. Seine Beobachtung: „Die Männer folgen den Frauen, wenn sie zum Rauchen nach draußen gehen.“

Für Aufhörwillige bietet das Verbot neben dem gesundheitlichen Effekt einen günstigen Impuls, endlich die acht Euro, die eine Schachtel Zigaretten in Norwegen kostet, einzusparen. Einer Umfrage zufolge wollen sich 25 Prozent der täglichen Raucher und 30 Prozent der Gelegenheitsraucher ab dem 1. Juni das Qualmen abgewöhnen. „Bisher bin ich jedes Mal, wenn ich aufgehört habe, durch einen Lokalbesuch rückfällig geworden“, sagt Eirik Flaa, der täglich etwa zehn Zigaretten raucht und beim Ausgehen am Abend sogar 40 Glimmstängel verbraucht. „Jetzt kommt die Gelegenheit, auf die ich gewartet habe.“

Für Norwegens Gesundheitsminister Dagfinn Hoeybraaten ist die Bereitschaft vieler Raucher zum Aufhören ein „positiver Nebeneffekt“ des Verbots. Der eigentliche Anlass für das Gesetz ist jedoch der Gesundheitsschutz für Angestellte in öffentlichen Gebäuden, vor allem in Gaststätten.

Am Montagabend müssen Kellner von der Nordsee bis zum Nordmeer das letzte Mal in verqualmten Räumen arbeiten, und Tabak-Liebhaber können ein letztes Mal ihre Zigarette zum Bier genießen. Um Punkt Mitternacht müssen die Glimmstängel dann in den Aschenbechern landen. Viele Besucher, die in Norwegen ohnehin für Alkohol tief in die Tasche greifen müssen, könnten dann in Privathäuser ausweichen.

Für die Gaststättenbesitzer beginnt am Dienstag eine schwere Zeit. Denn bei Verstößen gegen das Verbot sind nicht die Raucher, sondern die Bar- und Restaurantbesitzer dran. Bei wiederholtem und absichtlichem Verstoß gegen das Anti-Tabak-Gesetz droht ihnen sogar die Schließung ihres Lokals.

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