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Norwegen: Munch-Meisterwerke nicht versichert

Einen Tag nach dem Raub zweier Gemälde von Edvard Munch aus dem Osloer Munch-Museum ist in Norwegen Kritik an den Sicherheitsvorkehrungen des Landes für Kunst laut geworden. - Laut österreichischer Kunstfahnderin "sicher gezielte Tat".

Die beiden expressionistischen Meisterwerke „Der Schrei“ und „Madonna“ aus dem Museum zu entwenden bezeichnete die norwegische Tageszeitung „Aftenposten“ als „fast so einfach, wie einen Kiosk auszurauben“. Die Zeitung „Dagbladet“ schrieb: „Einige unserer nationalen Schätze sind zu gering geschützt.“ Die beiden Bilder waren nach einem Zeitungsbericht auch nicht gegen Raub oder Diebstahl versichert.

Die polizeilichen Ermittlungen basierten am Montag u.a. auf etlichen telefonischen Hinweisen aus der Bevölkerung. Einer der Diebe habe Norwegisch gesprochen, teilte die Polizei mit. Unter anderem würden Fotos und Videoaufnahmen aus dem Osloer Munch-Museum untersucht. Bisher sei noch kein Lösegeld für die unschätzbar wertvollen Bilder gefordert worden. Alle verfügbaren Beamten seien für die landesweite Suche nach den beiden Gemälden abgestellt worden, sagte Stensrud. Das Fluchtauto der Täter und Teile der Bilderrahmen waren bereits wenige Stunden nach dem Diebstahl entdeckt worden.

Die meisten Experten rechneten damit, dass die Diebe ein Lösegeld in Millionenhöhe fordern werden. Dass die Bilder im Auftrag eines Sammlers gestohlen wurden, gilt als unwahrscheinlich. Wegen ihrer Bekanntheit könnten die Bilder nicht verkauft werden. Ein „Scherzbold“ hatte das Gemälde nichtsdestotrotz am Sonntag beim Online-Auktionshaus „EBay“ zur Versteigerung angeboten. Das Höchstbot lag bei 15.000 US-Dollar (12.202 Euro), bevor die Auktion vom Netz genommen wurde.

Zwei Kriminelle waren am Sonntag in das Munch-Museum gestürmt und hatten mit vorgehaltener Waffe vor den Augen zahlreicher Touristen eine Wächterin gezwungen, die Bilder abzuhängen. Sie flüchteten durch den Haupteingang.

Museumsleiter Gunnar Soerensen kündigte an, die Sicherheitsvorkehrungen zu überprüfen. „Wir müssen jede Möglichkeit in Betracht ziehen“, antwortete er auf die Frage nach Metall-Detektoren am Eingang oder Kästen aus Sicherheitsglas, wie es sie im Louvre in Paris gibt. Die beiden Bilder, die zu den bedeutendsten Munchs gehören und von denen jedes Millionen wert ist, waren mit Drähten an der Wand befestigt. Über sie sollte in einer nahe gelegenen Polizeiwache ein Alarm ausgelöst werden, falls sie abgenommen würden. In dem Museum war am Sonntag kein Alarm zu hören.

Soerensen zeigte sich erleichtert, dass bei dem Raub niemand verletzt wurde. „Stellen sie sich das Szenario vor: Eine verschlossene Tür, verzweifelte Räuber mit einer Waffe in der Hand in einem verschlossenen Raum“, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. „Was wäre dann passiert?“

Für die Leiterin der Abteilung Kulturgutfahndung im Österreichischen Bundeskriminalamt, Anita Gach, ist der Munch-Raub „sicher der bisher brutalste internationale Kunstraub“. Sie tippte auf eine „gezielte Tat“.

Nach den österreichischen haben sich am Montag auch deutsche Museumsdirektoren als „auf so einen Überfall mit Maschinenpistolen nicht vorbereitet“ bezeichnet. Dies sagte die Direktorin der Kunstsammlungen Chemnitz, Ingrid Mössinger. „Wenn jemand mit einer Pistole kommt, gibt es keinen Schutz“, meinte auch der Direktor des Museums der bildenden Künste Leipzig, Hans-Werner Schmidt.

Es war die dritte Entwendung von Munch-Meisterwerken seit 1988, als das Gemälde „Vampir“ gestohlen wurde. Nachdem Diebe 1994 eine andere Version des Bildes „Der Schrei“ gestohlen hatten, kündigte Norwegen an, die Sicherheitsvorkehrungen zu verschärfen. Beide Gemälde wurden später wiedergefunden. Der Mann, der hinter diesen beiden Diebstählen stand und mittlerweile aus dem Gefängnis entlassen worden ist, wies eine Verbindung zu dem jüngsten Kunstraub zurück. „Waffen sind nicht mein Stil. Meine Methoden waren immer die eines Gentleman“, sagte er.

Betreiber des 1963 erbauten Munch-Museums ist die Stadt Oslo. Es beherbergt etwa 1.000 Gemälde, 3.000 Zeichnungen und 18.000 Drucke. Die Munch-Sammlung war mit 500 Millionen Kronen (60 Millionen Euro) gegen Feuer- oder Wasserschäden versichert, berichtet die Zeitung weiter. Allein der Wert des Bildes „Der Schrei“ wird in Oslo auf 450 Millionen Kronen (54 Millionen Euro) geschätzt.

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