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Norwegen: Kopf-an-Kopf-Rennen

In Norwegen ist am Montag ein neues Parlament gewählt worden. Nach den Umfragen zeichnete sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab. Der Oppositionsführer Jens Stoltenberg rechnet mit dem Wahlsieg.

Die Entscheidung fällt zwischen der rechts-bürgerlichen Minderheitsregierung von Ministerpräsident Kjell Magne Bondevik und seinem Herausforderer Jens Stoltenberg von der linksgerichteten Arbeiterpartei.

Rund 3,4 Millionen Stimmberechtigte waren aufgerufen, die 169 Abgeordneten im Storting in Oslo zu bestimmen. Die Wahllokale sollten um 20.00 Uhr schließen.

Oppositionsführer Stoltenberg gab seine Stimme in Oslo ab und zeigte sich zuversichtlich: „Ich glaube, dass wir Champagner trinken werden.“ Als zu erwartendes Mandatsverhältnis der beiden Blöcke zueinander ermittelten die Umfrageinstitute 85:83, beziehungsweise 87:81 zu Gunsten von Rot-Grün. Zuvor hatten Umfragen jedoch erstmals seit zwei Jahren wieder eine Mehrheit vor das Bündnis um Regierungschef Bondevik gesehen. Einig sind sich die Demoskopen, dass die rechtspopulistische „Fortschrittspartei“, die Bondevik bisher unterstützt hat, massiv zulegen und stärkste Kraft im rechten Lager werden wird.

Die knappen Umfrageergebnisse ließen eine hohe Wahlbeteiligung erwarten. „Es gibt knappe Marginale und an das Ergebnis ist große Spannung geknüpft. Ich glaube, die Leute haben diesmal das Gefühl, dass ihre Stimme wirklich ins Gewicht fällt“, sagte die Wahlexpertin Hanne Marthe Narud gegenüber „Aftenposten“. Ihr Kollege Rune Karlsen sagte gegenüber dem norwegischen Rundfunk NRK, bis zu zehn Prozent der Wähler seien bis zu allerletzt unentschlossen gewesen.

Der Wahlkampf in dem skandinavischen Land hatte sich vor allem um die Frage gedreht, wie der Staat den Reichtum aus den Öleinnahmen verteilen sollte. Bisher fließen fast die gesamten Einnahmen aus Öl- und Gasexporten in einen Ölfonds, der für die Zeit angelegt wurde, wenn die Quellen einmal versiegt sein werden. Dann soll das Guthaben dafür sorgen, dass auch künftige Generationen nicht auf einen Sozialstaat verzichten müssen. Doch schon heute gelten im reichen Norwegen rund fünf Prozent der etwa 4,6 Millionen Einwohner als arm. Stoltenbergs Arbeiterpartei konnte vor allem mit dem Wahlversprechen punkten, mehr Geld aus dem Ölgeschäft für die Bildung, das Gesundheitswesen und zur Pflege der Älteren ausgeben zu wollen.

Bondevik verwies im Wahlkampf dagegen auf die glänzenden Wirtschaftsdaten des Landes. Norwegen verzeichnet eine Arbeitslosenquote von nur 3,7 Prozent, ein Wirtschaftswachstum, das in diesem Jahr vier Prozent ansteuert, und eine Inflationsrate knapp über einem Prozent. Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 28.800 Euro pro Einwohner steht das Land auf Platz drei der Wirtschaftsranglisten. Nur die Vereinigten Staaten und Luxemburg haben bessere Daten. Die Vereinten Nationen stufen Norwegen seit fünf Jahren als das Land ein, in dem es sich am besten lebt. „Wenn alles gut läuft, weshalb sollte man es dann ändern?“, hatte der 58-jährige Amtsinhaber wiederholt gefragt.

In Umfragen hatte es noch in der vergangenen Woche nach einem Regierungswechsel ausgesehen. Möglicherweise könnte die kleine Walfang-Partei Königsmacher werden: Laut Umfragen kann sie zwei Mandate gewinnen und dadurch entscheidend werden. Während Parteichef Steinar Bastesen sich bisher nicht festlegte, rechneten politische Kommentatoren damit, dass sich die Walfänger eher auf die Seite der Mitte-Rechts-Regierung Bondeviks schlagen würden.

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